1.
Wehe, wenn er aus­ge­lassen: Nach der offi­zi­ellen Man­chester United-Meis­ter­feier im Mai 1999 zog es Roy Keane gemeinsam mit David Beckham, Andy Cole, Dwight Yorke und Gary Neville zu später Stunde noch in eine Wirt­schaft namens Henry´s Bar“. Keanes Flirt­ver­suche mit zwei anwe­senden Damen ent­puppten sich als wenig Erfolg ver­spre­chend, was den Mit­tel­feld­mann auf die Palme brachte. Eine der Frauen berich­tete später: Er war sehr, sehr betrunken und so aggressiv, wie man es sich nur vor­stellen kann.“ Keane trat eine der Damen, schüt­tete der anderen sein Bier über den Kopf, wurde schließ­lich von der Polizei in Gewahrsam genommen und ver­brachte die Nacht in der Arrest­zelle. Ver­ur­teilt wurde er dafür nicht. Schade eigent­lich.

2.
Die Welt­meis­ter­schaft 2002 in Japan und Süd­korea hätte eigent­lich der Höhe­punkt in der Län­der­spiel­kar­riere von Roy Keane sein sollen. Doch auf gute alte Roy-Keane-Art ver­mas­selte sich der Kapitän selbst die Tour. Im Zuge der Vor­be­rei­tung im Trai­nings­lager von Saipan kri­ti­sierte Keane zunächst die Orga­ni­sa­tion des Ver­bandes („Stüm­per­haft!“), dann prü­gelte er sich mit Tor­wart­trainer Pat Bonner, Co-Trainer Ian Evans und Tor­wart Alan Kelly, weil die es schlichtweg nicht ein­sehen wollten, dass Keane sie auf­grund des laschen Trai­nings­plans für die Tor­hüter kri­ti­siere. Der iri­sche Ver­band schickte Keane zunächst nach Hause, bot ihm dann aller­dings eine Begna­di­gung an. Ein­zige Bedin­gung: Keane sollte sich ent­schul­digen. Was der natür­lich nicht tat. Ohne ihren besten Spieler schied Irland bei der WM im Ach­tel­fi­nale gegen Spa­nien raus.

3.
Erstaun­lich eigent­lich, dass Keane zu diesem Zeit­punkt über­haupt noch Natio­nal­spieler Irlands war. Denn bereits im November 2001 war er mit Trainer McCarthy anein­ander geraten. Der hatte seinem Schütz­ling vor­ge­worfen, vor dem Rück­spiel in den WM-Play­offs gegen den Iran eine Ver­let­zung vor­ge­täuscht zu haben. Keane, ganz Diplomat: Du warst ein mieser Spieler, und du bist ein mieser Trainer! Der ein­zige Grund, warum ich mit dir zu tun habe, ist, dass du irgendwie der Trainer meines Landes bist – und du bist nicht mal Ire, du englische…(hier enden die Nie­der­schriften der Chro­nisten)“ Chris­tian Zaschke von der Süd­deut­schen Zei­tung“ brachte Jahre später in einer Erin­ne­rung an diesen Dialog etwas Licht ins Dunkle: Es war eine Tirade von Schimpf­wör­tern, von denen ›Wichser‹ das mit Abstand harm­lo­seste war.“

4.
Als wenn Keanes legen­däres Foul gegen Man­chester City-Spieler Alf-Inge Haa­land nicht schon schlimm genug gewesen wäre, trat der Ire in seiner ersten Bio­grafie (erschienen im Sommer 2002) noch einmal nach. Ich war­tete bis fünf Minuten vor Schluss. Ich traf ihn sehr hart. Da! Nimm das, du Fotze!“ Vor­ge­schichte: 1997 hatte sich Keane bei einem eigent­lich harm­losen Zwei­kampf mit Haa­land das Kreuz­band gerissen und wurde, noch am Boden lie­gend, von Haa­land als Schau­spieler bezeichnet. Der Nor­weger und sein Klub Man­chester City lei­teten nach der Ver­öf­fent­li­chung von Keanes Erin­ne­rungen recht­liche Schritte ein, United-Trainer Alex Fer­guson ließ hin­gegen ver­laut­baren, sein Spieler ver­diene großes Lob für seine Ehr­lich­keit“.

5.
Im Herbst 2004 wagte es ein 16-Jäh­riger doch tat­säch­lich, seinem Idol zu Nahe auf die Pelle zu rücken. Keane reagierte gewohnt besonnen, packte den Teen­ager am Genick und deu­tete einen Faust­schlag an. Der Ire musste sich dafür vor Gericht ver­ant­worten.

6.
Das ganz große Fass machte Keane ein Jahr später auf. Weil er ver­let­zungs­be­dingt pau­sieren musste, gab der Mit­tel­feld­stra­tege den Experten für Uniteds haus­ei­genen TV-Sender MUTV“. Bei der 1:4- Nie­der­lage gegen den FC Midd­les­brough lief Keane zur Höchst­form auf. Rio Fer­di­nand sei ein schwa­cher Ver­tei­diger“, Kieran Richardson gar ein fauler Abwehr­spieler“, der es ver­dient habe bestraft zu werden“. Eben­falls im Schuss­feld: Darren Flet­cher („Kann nicht ver­stehen, warum die Schotten für ihn schwärmen“), Alan Smith („Läuft hier rum, als hätte er sich ver­irrt“) und John O´Shea („Geht nur spa­zieren“). Keanes Gesamt­ur­teil: Statt neue Spieler zu ver­pflichten, sollten wir einige raus­schmeißen!“ Die Aus­strah­lung der Sen­dung wurde zwar noch recht­zeitig von Ver­eins­vor­stand David Gill und Alex Fer­guson unter­sagt, die Zitate lan­deten den­noch in diversen Zei­tungen. Sein TV-Auf­tritt kos­tete Keane schließ­lich seinen Job bei Man­chester United und ließ die Freund­schaft mit Alex Fer­guson zer­bre­chen.

7.
In seiner jüngst ver­öf­fent­lichten zweiten Bio­grafie („The Second Half“) hat Keane noch wei­tere Schman­kerl preis­ge­geben. So habe er sich wäh­rend einer Asien-Reise zur Vor­be­rei­tung auf die Saison 1998/99 in einem Hotel­zimmer mit Tor­wart Peter Schmei­chel geprü­gelt, weil ihm dessen allzu for­sches Auf­treten auf den Sack ging. Keane: Er sagte: ›Ich hab genug von dem Scheiß. Lass uns das von Mann zu Mann klären.‹ Und ich sagte: ›Ok.‹ Dann prü­gelten wir uns. Es fühlte sich wie zehn Minuten an. Am nächsten Morgen wachte ich auf und erin­nerte mich nur noch bruch­stück­haft an den Kampf. Ich war viel zu besoffen gewesen. Meine Hand war wund und einer meiner Finger stand nach hinten ab.“ Nicky Butt, der offenbar als eine Art Schieds­richter“ fun­giert hatte, musste seinen Mit­spieler über den Kampf­ver­lauf auf­klären. Keane nicht ohne Stolz: Peter ist ein Hüne, aber ich konnte ihm eine Kopf­nuss ver­passen. Wir haben ewig gekämpft.“

8.
Der Moment, als Sun­der­land-Trainer Roy Keane fest­stellte, dass er doch nicht so viele echte Leader„ besaß, wie eigent­lich ange­nommen? Als sich seine Truppe vor dem ersten Heim­spiel in der Kabine zu den Klängen von Abbas Dan­cing Queen“ heiß machen wollte. Keane: Da stehen die Jungs kurz vor dem Kampf Mann gegen Mann, das Tes­to­steron schießt dir in so einem Moment eigent­lich durch den Körper. Und die hören diese Scheiße. Das hat mich echt traurig gemacht.“

9.
Wer kennt noch die legen­däre Whaaaaazzuup!“-Werbung von Bud­weiser? Seine Begeis­te­rung für diesen Spot wurde Robbie Savage offenbar zum Ver­hängnis. So ver­riet Keane, dass er in seiner Funk­tion als Trainer von Sun­der­land bei Savage ange­rufen habe, um den Mit­tel­feld­mann zu einem Wechsel zu über­reden. Seine Mailbox ging an: ›Hi, it´s Robbie – whaaaaaz­zuup!‹ Ich habe ihn nie wieder ange­rufen.“

10.
Zum Abschluss noch ein Hin­weis an alle Jour­na­listen-Kol­legen: Macht euer ver­dammtes Handy aus, wenn ihr nicht von Roy Keane mit Bli­cken getötet werden wollt!