Das bun­des­weite Bündnis aktiver Fan- und Ultra­gruppen Pro Fans“ zeigte sich erstaunt über die Erklä­rung und bietet eine Mit­hilfe bei der Ent­wick­lung eines Dia­logs an. Das Bündnis macht in einer Pres­se­mit­tei­lung aber auch deut­lich, dass die Gesprächs­ver­suche der letzten Jahre geschei­tert sind und sieht die Gründe dafür beim DFB.

Wört­lich heißt es: Erstaunt haben die Pro­Fans ange­schlossen Gruppen die heute vom DFB ver­öf­fent­lichte Erklä­rung seines Prä­si­denten Herrn Grindel zur Kenntnis genommen. Pro­Fans stimmt der Aus­sage zu, wie wichtig die Fan­kultur mit all ihren sozialen Werten für den Fuß­ball ist, und dass diese Erkenntnis einen Grund zum Umdenken gibt.

Die Abkehr von Kol­lek­tivstrafen sowie von Bestra­fungen auf Grund­lage von Ver­mu­tungen ist längst über­fällig. (…) Nun end­lich scheint die DFB-Spitze zu erkennen, dass der von Pro­Fans Anfang 2016 auf den Tisch gelegte Vor­schlag für einen Neu­an­fang eines Dia­logs, der von Augen­höhe, Ernst­haf­tig­keit und Kon­struk­ti­vität geprägt ist, drin­gend auf­ge­griffen gehört.

Der Ein­la­dung zur Arbeits­gruppe Fan­kul­turen ist Pro­Fans seither bekannt­lich aus guten Gründen nicht gefolgt:

- In zehn Jahren des Fan­dia­logs seit 2007 wurden nahezu keine Fort­schritte im Sinne der Fan­kultur erreicht. Hin­weise von Pro­Fans-Ver­tre­tern über wach­sende Unzu­frie­den­heit und Zuspit­zungen der Lage wurden nicht gehört.

- Hin­gegen haben die Ver­bände die Aus­höh­lung der 50+1‑Regel hofiert, das Dikat des Kom­merzes vor­an­ge­trieben und die Frei­räume für Fans immer weiter beschränkt. Wich­tige Ent­schei­dungen wie die über die Ein­stel­lung der Gespräche zum sicheren Pyro­technik-Ein­satz, das Sicher­heits­pa­pier 2012 oder meh­rere Ver­schär­fungen der Sta­di­on­ver­bots­richt­linie wurden vom DFB ohne Betei­li­gung des Fan­dia­logs getroffen.

- Die in all den Jahren ein­zige kon­struk­tive Eini­gung, näm­lich über die Frei­gabe von Fan­un­ten­si­lien, hatte der Vor­sit­zende der zustän­digen DFB-Kom­mis­sion, Große Lefert durch eine öffent­liche Erklä­rung ent­wertet; danach wurde diese Initia­tive bis heute prak­tisch nicht umge­setzt.

- Die angeb­liche Wert­schät­zung aktiver Fans und Ultras wurde allzu oft durch gegen­tei­lige Aus­sagen wie Toten­gräber des Fuß­balls“ ad absurdum geführt.

- Auch die 2016 instal­lierte Arbeits­gruppe Fan­kul­turen hat bis heute ledig­lich freund­liche Fotos und unver­bind­liche Erklä­rungen pro­du­ziert. (…)

Wenn jetzt ein Umdenken ein­ge­setzt hat, begrüßt Pro­Fans aus­drück­lich einen Neu­an­fang eines Fan­dia­logs, (…)

Es bedarf dazu einer neuen, höher­rangig ange­bun­denen Dia­log­struktur, die die Ver­eine direkt mit ein­be­zieht. Diese sollte jetzt unver­züg­lich gemeinsam ent­wi­ckelt werden. Pro­Fans bietet dafür die Mit­ar­beit an.

Aus der Fan­kurve äußerte sich unter anderem Andreas Wolf, Fan­be­auf­tragter des Hal­le­schen FC, der gegen­über dem MDR sagt: Damit hat in den Fan­szenen wohl kaum jemand gerechnet. Das ist auf jeden Fall das rich­tige Zei­chen. Ich hoffe sehr, dass es bei den Ultras auch als sol­ches ankommt und aner­kannt wird.“

Das Bündnis aktiver Fuß­ball­fans (BAFF) fasst zusammen: Inter­es­sant. Da geht wohl jemandem der Arsch auf Grundeis. Das hätte man natür­lich auch ein­fach haben können. Ist ja nicht so, dass nicht Fan­ver­treter, Fan­pro­jektler, Wis­sen­schaftler bis hin zu Men­schen inner­halb der Ver­bände nicht schon seit Jahren darauf hin­ge­wiesen hätten, dass Kol­lek­tivstrafen nichts bringen, son­dern die Lage eher noch anheizen. Mal sehen, wie ernst es dem DFB jetzt damit ist…“