Seite 2: Vorbild Amerika

Doch Schalkes Coup ist schon über 20 Jahre her. Und bald wird auch die Stätte dieses Tri­um­phes ver­schwunden sein. Nie­der­ge­rissen! Die trau­rige Wahr­heit ist: Das Giu­seppe-Meazza-Sta­dion ist zu alt, zu kaputt, zu unkom­for­tabel, zu teuer im Unter­halt, zu wenig Ein­nahmen-trächtig und vor allem: viel zu groß! In den ver­gan­genen Jahren garan­tierten nicht einmal mehr die Mai­länder Derbys auto­ma­tisch ein volles Haus.

Des­halb, so La Repubblica“, seien sich die zer­strit­tenen Lokal­ri­valen Inter und AC Mai­land aus­nahms­weise einig: Eine neue, 600 Mil­lionen Euro teure Arena soll ent­stehen, in Hör­weite des alten Sta­dions. Für rund 60.000 Zuschauer. Und natür­lich für jede Menge Busi­ness­kunden, denn die bringen das große Geld.

Die Mai­länder Klubs müssen mit der Zeit gehen

Angeb­lich seien Ver­treter beider Klubs bereits in den Ver­ei­nigten Staaten gewesen, um sich ein paar der modernsten Sport­stätten jen­seits des Atlan­tiks anzu­schauen. Die neue Arena zu Mai­land, so La Repubblica“, solle das modernste Sta­dion Europas werden, wenn nicht der Welt. 2023 soll das Ding fertig sein. Gut 100 Meter ent­fernt, am San Siro“, dürfte dann die Abriss­birne kreisen.

Noch aber steht dieses große alte Amphi­theater – und zwar sinn­bild­lich für den ita­lie­ni­schen Fuß­ball: gran­diose Geschichte, viel Pathos und alte Pracht, ziem­lich triste Gegen­wart. Außer Juventus Turin mit seinem 2011 eröff­neten Juventus Sta­dium“ (41.000 Plätze) hat bis­lang kein Verein den Sprung in die Moderne bewäl­tigt. Wollen der FC Inter­na­zio­nale und der AC Milan jemals wieder den Anschluss an den Fiat-Klub her­stellen, müssen sie mit der Zeit gehen und das San Siro“ hinter sich lassen. Arri­ve­derci, du Kathe­drale des Fuß­balls! Lebe­wohl, Schau­platz epo­chaler Schlachten. 

Fast alle großen Namen des Welt-Fuß­balls

Hier fegte ein ent­fes­selt auf­spie­lender Lothar Mat­thäus bei der Welt­meis­ter­schaft 1990 die Jugo­slawen vom Platz – der Grund­stein für den spä­teren Titel­ge­winn des DFB-Teams. Hier rotzte Frank Rij­kaard im Ach­tel­fi­nale dem armen Rudi Völler in die Locken. Hier rannte Pfer­de­lunge“ Jürgen Klins­mann in seinem wohl besten Län­der­spiel die Hol­länder nieder. Hier ver­dienten fast alle großen Namen des Welt-Fuß­balls ihre Lira oder Euro: Tra­pat­toni, Lied­holm, Bon­in­segna, Gullit, Van Basten, Brehme, Baresi, Ber­gomi, Bier­hoff, Mal­dini, Ronaldo, Ronald­inho, Rivaldo, See­dorf, Beckham, Zanetti, Inz­aghi, Kaka, Zlatan, Merkel..

Heute ist ein guter Tag, um Geschichte zu schreiben!“ Dieser Satz gilt auch für Ein­tracht Frank­furt. Im Rück­spiel des Europa-League-Ach­tel­fi­nales gegen Inter können die Rie­der­wälder ihren aller­ersten Sieg im Stadio Giu­seppe Meazza feiern. Gleich­zeitig ist dies auch ihr erster Auf­tritt dort. Viele wei­tere wird es nicht mehr geben.