Seite 2: Erfolg und Verfolgung

Und er war erfolg­reich. Nach einem Jahr bei AS Bari, dem dritten Enga­ge­ment bei Inter Mai­land und einem Jahr bei Novara Calcio lan­dete Weisz beim FC Bologna. Und formte eine domi­nante Mann­schaft: Zwei Meis­ter­schaften in Folge und den Mitro­pa­pokal mit einem 4:1‑Sieg gegen Chelsea holte Bologna zwi­schen 1935 und 1938 unter Weisz.

Im Oktober 1938 war jedoch Schluss: Die Stim­mung in Ita­lien, in ganz Europa, wurde feind­se­liger. Im Juli des Jahres hatte Mus­so­lini die ita­lie­ni­schen Ras­sen­ge­setze erlassen. Jüdi­schen Per­sonen wurden grund­le­gende Rechte ent­zogen. Weisz musst seinen Posten räumen.

Er floh. Ursprüng­lich wollte er mit seiner Frau Ilona und den Kin­dern Roberto und Klara in Paris Zuflucht suchen. Der Auf­ent­halt dau­erte jedoch nur drei Monate, bevor die Familie weiter in die Nie­der­lande zog. Vater Árpád konnte arbeiten, trai­nierte den FC Dor­drecht.

Die Ermor­dung eines Visio­närs

Es war seine letzte Sta­tion. Als die deut­schen Truppen 1940 in die Nie­der­lande ein­mar­schierten, erreichten sie Dor­drecht als einen der ersten Orte. Die erneute Flucht führte zurück in die Heimat Ungarn, doch auch die Regie­rung dort gab dem Druck der Natio­nal­so­zia­listen nach. 437 402 unga­ri­sche Juden wurden depor­tiert. Árpád Weisz, seine Frau Ilona sowie beide Kinder wurden im August 1942 von der SS gefangen genommen. Sie kamen in das Tran­sit­lager Wes­ter­bork, in dem auch Anne Frank gefangen gehalten wurde, bevor sie nach Ausch­witz depor­tiert wurde. Ein Schicksal, das auch Weisz und seine Familie ereilte. Ilona Weisz und die Kinder wurden direkt bei ihrer Ankunft in den Gas­kam­mern von Bir­kenau ermordet. Árpád Weisz ließ man einige Monate am Leben, um zu arbeiten. Doch auch ihn ermor­deten die Natio­nal­so­zia­listen am 31. Januar 1944.

In Dor­drecht erin­nert seit 2018 ein Stol­per­stein an Árpád Weisz. Vor dem Stadio Renato Dall’Ara des FC Bologna ist eine Pla­kette zu seinen Ehren zu finden. Jedes Jahr am 27. Januar, dem Holo­caust-Gedenktag erin­nern Fans dort an ihn. Die Curva San Luca wurde 2018 in Curva Árpád Weisz umbe­nannt. Zudem gedenken Inter und Bologna regel­mäßig gemeinsam ihrer Klub­le­gende. Der Fuß­ball­vi­sionär der Vor­kriegs­zeit soll nicht ver­gessen werden.