Trainer, die im Trai­nings­anzug hin und her rennen und Anwei­sungen rufen, bei man­chen Übungen sogar selbst aktiv werden – ein Bild, das für uns absolut normal ist. Vor gut 100 Jahren sah das noch ganz anders aus. Der feine Zwirn war ange­sagt. Wer das änderte? Einer der großen Helden des ita­lie­ni­schen Fuß­balls. Der erste Meis­ter­trainer der ein­glei­sigen Serie A, einer der jüngsten, denen das über­haupt gelang. Der Ent­de­cker von Giu­seppe Meazza: Árpád Weisz.

Seine Geschichte ist eine beein­dru­ckend erfolg­reiche – aber auch eine viel zu kurze mit schreck­li­chem Ende. Er ist einer von sechs Mil­lionen Juden, die im Zweiten Welt­krieg ermordet wurden.

Il Mago“ – der Zau­berer auf der Trai­ner­bank

Bevor er als Trainer durch­star­tete, war Weisz, 1896 in Solt, Ungarn, geboren, als Flü­gel­spieler in Ungarn und der Tsche­cho­slo­wakei aktiv, sam­melte auch Ein­sätze bei der unga­ri­schen Natio­nal­mann­schaft. 1924 wech­selte er wie viele seiner Lands­männer nach Ita­lien – neben seiner Heimat eine wei­tere große euro­päi­sche Fuß­ball­na­tion der Zeit. Eine schwere Knie­ver­let­zung machte seiner aktiven Kar­riere jedoch schon nach seinem ersten Jahr bei Inter Mai­land ein Ende. Doch Weisz blieb dem Fuß­ball ver­bunden: er wurde Trainer.

Er genoss einen exzel­lenten Ruf, galt als Visionär seiner Zeit und wurde auch des­halb Il Mago“, der Zau­berer, genannt. Nach seinen ersten beiden Spiel­zeiten als Trainer von Inter Mai­land reiste Weisz 1928 nach Süd­ame­rika, um den Fuß­ball in Argen­ti­nien und Uru­guay zu beob­achten, wo der Fuß­ball tak­tisch und tech­nisch schon deut­lich weiter war als in Europa.. Mit Erfolg: Kaum kehrte er nach Ita­lien zurück, wurde er auch dank seines neu erwor­benen Wis­sens erneut Trainer der Mai­länder – und gewann 1930 in der neu gegrün­deten Serie A erst­mals den Scu­detto. Da war er gerade einmal 34 Jahre alt. Bis heute gibt es nur einen Meis­ter­trainer, der noch jünger war: Armando Cas­tel­lazzi war 33, als er vier Jahre später die Mai­länder zum nächsten Titel führte. Doch Weisz war nicht nur Erfolgs­trainer, son­dern auch För­derer der Jugend. In seiner ersten Meis­ter­saison setzte er statt des gestan­denen Leo­poldo Conti auf den erst 17-jäh­rigen Giu­seppe Meazza. Der Ungar wurde zum Mentor, sogar zur Vater­figur des wohl besten Fuß­baller Ita­liens.

Ein Moder­ni­sierer im faschis­ti­schen Ita­lien

Zur glei­chen Zeit warf jedoch auch die Geschichte ihre dunklen Schatten voraus. Seit 1925 war Benito Mus­so­lini als Duce in Ita­lien an der Macht. Der beken­nende Fuß­ballfan ver­an­lasste unter anderem die Fusion des FC Inter­na­zio­nale Milano mit US Mila­nese Milano und infol­ge­dessen die Umbe­nen­nung zu AS Ambro­siana. Der Namens­teil Inter­na­zio­nale“ strahlte zu viel Welt­of­fen­heit für Mus­so­linis faschis­ti­sches Ita­lien aus. Auch Weisz selbst musste seinen Namen ändern. Mit der Schreib­weise Veisz sollte seine jüdi­sche Her­kunft deut­li­cher gemacht werden.

Zunächst konnte Weisz aller­dings wei­ter­ar­beiten, konnte seine pro­gres­siven Ideen weiter umsetzen. Die fasste er im Jahre seines ersten Meis­ter­ti­tels auch in einem Buch zusammen: Il Giucco del Calcio“, das Spiel Fuß­ball. Der Ungar moder­ni­sierte den ita­lie­ni­schen Fuß­ball: Er brachte das von Her­bert Chapman ent­wi­ckelte W‑M-System nach Ita­lien. Er ließ Gärtner den Rasen pflegen und die Ernäh­rung seiner Schütz­linge über­prüfen. Er gilt als erster Trainer, der im Trai­nings­anzug am Spiel­feld­rand stand, der im Trai­ning selbst mit­machte. Weisz liebte das Spiel.