Didier Ya Konan, wie dankbar sind Sie Samuel Eto’o?
Es war gut, dass er im Hin­spiel den Elf­meter ver­schossen hat (lächelt). Das wäre sehr früh in der zweiten Halb­zeit schon das 1:3 gewesen! Als ich seinen Anlauf sah, dachte ich, dass er in die rechte Ecke zielt. Ich stand ja direkt hinter ihm. Glück­li­cher­weise hat sich Ron-Robert Zieler von seinem lang­samen Anlauf nicht beein­dru­cken lassen.

Eto’o ist das Aus­hän­ge­schild im hoch­ge­rüs­teten Kader von Anschi Machatschkala.
Samuel Eto’o ist einer der groß­ar­tigsten Spieler dieses Sports. Gefähr­lich, schnell, wendig, clever – Welt­klasse, immer noch. Aber weder er noch einer der anderen Stars darf uns ein­schüch­tern. Wir wollen in die nächste Runde ein­ziehen. Das Aus­wärtstor in Moskau war dafür enorm wichtig, trotzdem müssen wir uns auch deut­lich stei­gern.

Ganz kon­kret: Was muss besser laufen?
Wir müssen als Mann­schaft besser ver­tei­digen. Ich schließe mich da mit ein. Wer nur unsere Ver­tei­diger für Gegen­tore ver­ant­wort­lich macht, liegt falsch. Defen­sive beginnt ganz vorne. Und dann müssen wir vor dem Tor eis­kalt sein. Wenn wir Chancen kriegen, sie sofort ver­werten.

In der Bun­des­liga steht Han­nover 96 auf dem 8. Rang, der Abstand auf die inter­na­tio­nalen Plätze beträgt nur vier Zähler. Trotzdem fällt auf, dass Sie nicht mehr durch die Liga tanzen wie in der Hin­runde der Vor­saison, erst recht nicht wie in der Rekord­spiel­zeit 2010/11.
Es läuft nicht rund. Die Leich­tig­keit, mit der wir vor zwei Jahren kom­bi­niert haben, fehlt. Im Moment fangen wir mit harter Arbeit und Zwei­kampf­ein­satz auf, was an Locker­heit fehlt. Das ist auch Kopf­sache. Wir müssen im men­talen Bereich wieder dahin­kommen, wo wir 2011 schon mal waren. Dann fallen späte Gegen­tore wie in Nürn­berg sicher­lich nicht.

Gegen den Club trafen Sie zum zwi­schen­zeit­li­chen 2:1. Ihr dritter Treffer im 17. Ein­satz. Reicht diese Quote? Der Posi­ti­ons­druck im Angriff ist seit dem Transfer von Mame Diouf gewachsen.
Die Kon­kur­renz­si­tua­tion hat sich ver­schärft, aber das ist nur gut für den Verein. Es treibt uns zu noch mehr Leis­tung an. Der Trainer hat die Qual der Wahl, und egal, ob er nun Mame Diouf bringt oder den gene­senen Moa Abdel­laoue, Artur Sobiech oder mich – solange die Tore fallen, wird sich keiner beschweren.

Wie sehen Sie Ihre Leis­tung?
Ich habe einige Spiele gemacht, weiß aber auch, dass ich noch mehr abrufen kann. Seit ich vom Afrika-Cup zurück­ge­kehrt bin, komme ich oft im rechten Mit­tel­feld zum Ein­satz. Das ist zwar nicht meine ange­stammte Posi­tion, aber ich will spielen und für das Team kämpfen. Darum geht es mir.

Beim Africa Cup musste die Elfen­bein­küste, hoch­ka­rätig besetzt und des­halb mal wieder als Favorit gel­tend, schon im Vier­tel­fi­nale gegen Nigeria die Segel strei­chen. Mit so einem frühen Aus­scheiden hatte nie­mand gerechnet. Die Ent­täu­schung in Ihrer Heimat war groß.
Wir sind nach Süd­afrika gefahren, um den Titel zu holen. Aber wir haben nicht gut gespielt, konnten nur selten über­zeugen. Man sollte das Auf­treten ana­ly­sieren und eine Lösung finden – damit die Zukunft besser wird.

Dabei ver­sam­melt der aktu­elle Kader eine unglaub­liche Star­dichte: Didier Drogba, Didier Zokora, Salomon Kalou, die Touré-Brüder, Ger­vinho und Emma­nuel Eboué spielen seit Jahren zusammen. Es droht der Makel, dass sich die talen­tier­teste ivo­ri­sche Genera­tion zu ver­golden ver­gisst.
Die Elfen­bein­küste wartet jetzt seit 21 Jahren auf einen Titel (Afrika-Cup-Gewinner 1992, d. Red.). Natür­lich redet jeder über diese Genera­tion, die, ange­führt von Didier Drogba, so viel Poten­tial hat. Aber Fuß­ball ist eben nicht so ein­fach. Talent allein gewinnt keine Tur­niere, wir müssen auch als Team auf­treten. Nur dann kann es funk­tio­nieren.

Der beste Rat, den Ihnen Natio­nal­held, Kapitän und Stür­mer­kol­lege Didier Drogba gegeben hat?
Arbeite hart und sei stark im Kopf! Didier ist ein großes Vor­bild, einer, der es wirk­lich geschafft hat. Seine Kar­riere ist fan­tas­tisch, er wird auch bei Gala­ta­saray sehr stark sein. Ich bin dankbar, ihn heute einen guten Freund und großen Bruder nennen zu dürfen. Wir flachsen mit­ein­ander, aber er gibt auch Wissen weiter.
Wie er enga­gieren auch Sie sich sozial in der Elfen­bein­küste.
Aktuell widme ich mich einem Pro­jekt, das Wai­sen­kin­dern hilft. Die Elfen­bein­küste ist immer noch arm, diese Kinder haben ihre Eltern ver­loren, kein Heim und nichts zu essen. Da muss ich helfen. Ich selbst komme aus Abidjan und habe als Kind in den Straßen Fuß­ball gespielt. Wenn ich diese frühen Erin­ne­rungen mit heute ver­gleiche, denke ich: Wow! Mein Leben hat einen per­fekten Lauf genommen. Dafür danke ich Gott.

Wollten Sie schon als junger Fuß­baller in die Bun­des­liga, oder hätte es dann doch lieber Spa­nien, Ita­lien, Eng­land sein sollen?
Meines Erach­tens gehört die Bun­des­liga zu den stärksten Ligen welt­weit. Ich habe Sie schon früher im Fern­sehen ver­folgt. Als ich dann von Trond­heim nach Han­nover gewech­selt bin, hat sich mir ein Traum erfüllt. Ich wollte ein­fach nur dieses rote Trikot über­streifen und los­legen!

Sie gewöhnten sich schnell ein, Ihre Tore machten Sie zum Publi­kums­lieb­ling. Gibt es einen Treffer, den Sie in beson­derer Erin­ne­rung halten?
Mein Lupfer in der Europa League im Dezember 2012 gegen Levante war ganz schön, außerdem… (über­legt) gehört mein Schlenzer vom Straf­rau­meck, 2010 gegen den 1. FC Köln, bestimmt genauso dazu. Ich dachte mir, pro­biere ich es doch ein­fach mal.

Didier Ya Konan, Sie fallen auch regel­mäßig mit gewagten Fri­suren auf. Früher kleine Zöpfe, zuletzt Iro­kese. Vor­schlag: Wenn Han­nover 96 erst Anschi besiegt und danach die Europa League holt, färben Sie sich die Haare blond!
Dar­über muss ich erstmal nach­denken, das kann ich jetzt noch nicht planen (lacht). Außerdem ist meine Frau für meine Fri­suren ver­ant­wort­lich.