Seite 2: Warum Ajax die krasse Ausnahme ist

Es gab aber noch etwas anderes zu feiern: das Unver­hoffte. Wir haben in den letzten Jahren gelernt, dass es Sieger wie Ajax Ams­terdam im inter­na­tio­nalen Ver­eins­fuß­ball eigent­lich nicht mehr gibt – und schon gar nicht in Serie. Und schon über­haupt nicht ohne glück­liche Umstände.

Doch diese Mann­schaft von Ajax Ams­terdam ging unge­schlagen durch die Grup­pen­phase der Cham­pions League, um dann Real Madrid und Juventus Turin aus dem Wett­be­werb zu kegeln, ohne das Schicksal bemühen zu müssen. Sie ist kein glück­li­cher Außen­seiter, auf den der Fuß­ball­gott gnädig gedeutet hat, son­dern ein hoch­ver­dienter Sieger.

Ajax Ams­terdam ist mit einem Etat in die Saison gegangen, der etwas nied­riger ist als der von Mainz 05 und hat sich gegen Klubs durch­ge­setzt, die das vier‑, fünf‑, ja sie­ben­fache an Geld zur Ver­fü­gung haben. 

Die krasse Aus­nahme in einer immer fester beto­nierten Welt

Klubs wie Bayern Mün­chen, Real Madrid oder Juventus Turin haben sich näm­lich eine Welt gebaut, in der eigent­lich kein Platz für Ajax Ams­terdam mehr ist, weil Hol­land zu klein und kein inter­es­santer Markt ist. Diese Klubs ver­teilen die Reich­tümer die Cham­pions League so unter­ein­ander, dass jen­seits ihres Zir­kels nie­mand mehr mit­halten kann.

Ajax, im ver­gan­genen Juli in der zweiten Qua­li­fi­ka­ti­ons­runde gegen Sturm Graz ein­ge­stiegen, ist eigent­lich nicht mehr vor­ge­sehen. Viel­leicht noch als Zähl­kan­didat in der Vor­runde, aber bestimmt nicht im Halb­fi­nale.

Inso­fern lie­ferte der Sieg von Ajax in Turin eben schock­artig auch die Erin­ne­rung daran, dass Fuß­ball mal unvor­her­ge­sehen war. Die Tri­umphe von Ajax weisen des­halb auf eine große Leer­stelle hin, weil sie längst nur die krasse Aus­nahme inmitten einer immer fester beto­nierten Welt sind.

Über­ra­schungen sind in ihr so wenig vor­ge­sehen wie offener Wett­be­werb und erfolg­reiche Außen­seiter. In wenigen Wochen schon wird diese Ajax-Mann­schaft bereits Geschichte sein, durch Ver­käufe zer­fled­dert. Feiern wir sie also, so lange das noch mög­lich ist. Denn es ist nicht sehr wahr­schein­lich, das wir das so bald wieder erleben werden.