Es gibt Momente, in denen man fast schock­artig daran erin­nert wird, dass man etwas ver­misst hat. In der schon jetzt his­to­ri­schen zweiten Halb­zeit des Rück­spiels im Vier­tel­fi­nale der Cham­pions League, als Ajax Ams­terdam über Juventus Turin kam wie ein Natur­er­eignis, war es so weit.

Wobei Natur­er­eignis nicht stimmt, denn trotz aller jugend­li­chen Dring­lich­keit und dieses rotz­fre­chen Selbst­be­wusst­seins war das Spiel der Hol­länder ein Kul­tur­er­eignis aller­höchster Güte. Hier fügten sich viele Jahre inten­siver Aus­bil­dung junger Spieler und eine Spiel­phi­lo­so­phie, die den Namen wirk­lich ver­dient, kunst­voll zusammen. Viele Aus­bilder und zuletzt der Trai­ner­stab um Erik ten Hag haben eine Mann­schaft erschaffen, wie wir sie lange nicht gesehen haben.

Unbe­küm­mert, jugend­lich, kack­frech

Ihr Sieg bei Juventus Turin war ein noch grö­ßeres Meis­ter­stück als es die Deklas­sie­rung von Real Madrid im Estadio San­tiago Ber­nabeu schon gewesen war. Beim in die Jahre gekom­menen Titel­ver­tei­diger der Cham­pions League hatte man die Soll­bruch­stellen schon zuvor erkennen können, Juventus hin­gegen war gut in Form und wurde ange­trieben von der Beses­sen­heit eines Cris­tiano Ronaldo, der auch mit seinem neuen Klub unbe­dingt die Cham­pions League gewinnen wollte.

Aber es reichte ein­fach nicht. Selten einmal wurde Juve so aus dem eigenen Sta­dion gespielt wie von den Dusan Tadic, Frenkie de Jong, Hakim Ziyech oder Donny van de Beek. 

Das war schön, weil es ein­fach schöner Fuß­ball war: unbe­küm­mert auf­re­gend, jugend­lich selbst­be­wusst und kack­frech offensiv. In einer wun­der­baren Balance zwi­schen tak­ti­scher Kon­struk­tion und freiem künst­le­ri­schen Aus­druck tobten sie über den Platz, und rund um den Globus dürften viele Mil­lionen Fuß­ball­fans ihr Herz an diese Mann­schaft ver­loren haben.