Max Kruse
Der Hoch­ge­schwin­dig­keits-Fuhr­park in Glad­bach ist um einen Renn­wagen rei­cher: Max Kruse zer­schro­tete die Han­no­ve­raner Defen­sive am Wochen­ende mit einem der­ar­tigen High-End-Speed, dass man beim Zusehen instinktiv zum Sofaeck hinter sich griff, um den Anschnall­gurt anzu­legen. Ein Tor selber gemacht, eins vor­be­reitet und an quasi allen gefähr­li­chen Situa­tionen betei­ligt – Glad­bach kann zufrieden sein mit seinem neuen Zau­berfuß. Zumal dieser ja auch noch mit anderen Zau­ber­füßen wie Raf­fael, Juan Arango oder Patrick Herr­mann zusam­men­spielt. Wenn sich deren Zusam­men­spiel noch weiter ver­bes­sert, muss man sich in Glad­bach bald Sorgen machen, dass die vier nach Las Vegas ziehen, um eine eigene Zau­ber­show auf die Bühne zu bringen, in der sie sich weiße Tiger zujon­glieren und Kanin­chen per Hackentrick aus dem Zylinder zau­bern. Schön, dass es bei all dem Hoch­ge­schwin­dig­keits-Technik-Gezau­bere auch Spieler wie…

Chris­toph Kramer
…gibt, der die Glad­ba­cher am Samstag ein biss­chen erdete und zwi­schen all den Lup­fern und Traum­pässen sein erstes Bun­des­li­gator aus einem Meter häss­lich über die Han­no­ve­raner Linie grätsch-bolzte. Was aber kei­nes­falls als Sinn­bild für seinen gene­rellen Spiel­stil ver­standen werden soll. Denn auch wenn Kramer den Ball derart räudig ins Tor drückte, dass Ulf Kirsten wahr­schein­lich zuhause gerührt vom Sofa auf­stand, um in alten Foto­alben zu blät­tern, ist Kramer durchaus auch in der Lage, mit der Murmel umzu­gehen. Gepaart mit seiner Zwei­kampf­stärke und seinem tak­ti­schen Ver­ständnis macht ihn das zu einem unver­zicht­baren Teil des Glad­ba­cher Mit­tel­felds. Was vor der Saison nicht unbe­dingt zu erwarten war.

Alex­ander Meier
Es gibt so Tage, da hat man ein­fach das Pech an den Hacken kleben. Einen sol­chen erwischte Frank­furts Alex­ander Meier am Samstag, als sich seine Ein­tracht gegen über­mäch­tige Bayern zwar recht achtbar aus der Affäre zog, den­noch aber mit 0:1 verlor. Dass es nicht zu mehr reichte, lag auch daran, dass Meier erst ein Tor aberkannt und in den letzten Sekunden des Spiels auch noch ein Elf­meter ver­währt wurde. Beides waren knappe Ent­schei­dungen, wes­wegen wir dem Unpar­tei­ischen an dieser Stelle keinen Vor­wurf machen. Wäre Meier aber nur mit einem Zehntel der Impul­si­vität bei­spiels­weise eines Jürgen Klopp gesegnet, hätte er den Schiri spä­tes­tens nach der zweiten Fehl­ent­schei­dung nie­der­ge­w­re­s­telt und ihn unter dem Jubel der Frank­furter Kurve seine Pfeife essen lassen. Aber Meier ist ein fried­li­cher Mensch, ein stiller Han­seat, der die Fehl­ent­schei­dungen mit einem ach­sel­zu­ckenden Ja nu, kann man geben“, quit­tierte. Eine ähn­liche Aus­ge­gli­chen­heit wün­schen wir uns für die Ein­tracht-Fans in der Redak­tion, die aus Zorn noch immer mit dem Kopf vor die Büro­wand laufen.

Luiz Gus­tavo
Keine 24 Stunden nach seiner Vor­stel­lung beim VfL Wolfs­burg stand Luiz Gus­tavo zum ersten Mal für die Wölfe auf dem Platz. Und wie. Gus­tavo spielte gegen Schalke direkt auf einem derart hohen Niveau, dass man meinen konnte, da spiele ein inter­na­tio­naler Klas­se­mann in einem mit­tel­mä­ßigen Bun­des­li­ga­team. Oh, Moment, genau das war ja der Fall. Dass einer wie Gus­tavo fortan in der nie­der­säch­si­schen Pro­vinz kickt, hat wohl in erster Linie mit der WM 2014 zu tun, bei der der Sechser gerne dabei wäre. Dafür muss er Stamm spielen, was bei den Top-Klubs aus dem Aus­land, die eben­falls an ihm inter­es­siert waren, ungleich schwerer gewesen wäre. Die kol­por­tierten 40 Mil­lionen, die Gus­tavo laut Bild“ nun in den nächsten fünf Jahren ein­streicht, dürften ihm die Ent­schei­dung pro Wolfs­burg eben­falls erleich­tert haben.

Stefan Kutschke
Diese Absprache wurde vor meiner Zeit getroffen. Wir halten uns daran“, sagte im März diesen Jahres Wolfs­burgs Neu-Manager Klaus Allofs zur Ver­pflich­tung von Stefan Kutschke und goo­gelte wahr­schein­lich zeit­gleich irri­tiert dessen Namen, um her­aus­zu­finden, wer oder was dieser Kutschke über­haupt ist. Wir wissen: Der Stürmer ist das, was man in Wolfs­burg und Gel­sen­kir­chen einen klas­si­schen Magath“ nennt. Ein Spieler also, den nie­mand auf der Rech­nung hat und den Magath im Zuge seiner Jahre wäh­renden Shop­ping­tour irgend­wann und wer weiß aus wel­chen Gründen ver­pflich­tete. Nur dass es sich, soviel wissen wir seit Samstag, bei eben­jenem Kutschke tat­säch­lich um einen pas­sa­blen Fuß­baller zu han­deln scheint. Zur 86. Minute ein­ge­wech­selt, mar­kierte der eins­tige Dritt­li­ga­ki­cker kurz darauf in seinem ersten Bun­des­li­ga­spiel seinen ersten Treffer und machte so aus Schalke 04 Schalke 0:4. Er bestä­tigte damit die alte Trans­fer­weis­heit, dass auch ein blinder Magath mal ein Korn findet.

Daniel Schwaab
Des natür­lich dop­pelt bitter“, flos­kelte Stutt­garts Daniel Schwaab nach Spie­lende schüch­tern in die Fern­seh­ka­meras. Und tat­säch­lich: des bitter, sogar dop­pelt. Denn einer­seits bedeu­tete sein unglück­li­ches Eigentor zum 0:1 gleich­zeitig das End­ergebnis. Ande­rer­seits ging es auch noch gegen Schwaabs Ex-Klub aus Lever­kusen. Die ein oder andere Spott-SMS der Ex-Kol­legen wird in den nächsten Tagen sicher­lich bei Schwaab ein­tru­deln. Viel­leicht kann sich der Ver­tei­diger daran auf­richten, dass er an sich ein ganz pas­sa­bles Spiel machte und auch das Ergebnis nicht über­mäßig häss­lich war. Denn es hätte schlimmer kommen können, schließ­lich fiel fast die gesamte Abwehr der Schwaben aus und Lever­kusen ist ja bekannt dafür, ganz gerne mal das ein oder andere Tör­chen zu schießen. Ein schwa­cher Trost ist das viel­leicht, aber besser als gar keiner.

Raul Boba­dilla
Des natür­lich bitter“, könnte auch das Fazit von Raul Boba­dillas erstem Auf­tritt im Augs­burger Trikot sein, denn einen ärger­li­cheren Ein­stand als den des Argen­ti­niers kann man wirk­lich kaum haben. Erst vor wenigen Tagen wurde der Stürmer mit der Statur eines Mäh­dre­schers aus der Schweiz ver­pflichtet und sollte fortan eigent­lich mit Sascha Möl­ders durch die geg­ne­ri­schen Straf­räume ochsen. Bei seinem Debüt am Samstag gegen Bremen kam Boba­dilla nach gut einer Stunde in die Partie, musste aber schon gut zwanzig Minuten später ver­letzt wieder raus – Ver­dacht auf Innen­band­riss. Nun muss die Augs­burger Res­ter­ampe vor­erst ohne Boba­dilla aus­kommen und Sascha Möl­ders wird noch ein Weil­chen alleine in den Straf­räumen der Liga nach Schmerz und Toren wühlen. Schade drum und gute Bes­se­rung.

Jonas Hof­mann
Ein wei­terer Name, den man sich merken sollte, ist Jonas Hof­mann. Der offen­sive Mit­tel­feld­spieler, der vor zwei Jahren aus Hof­fen­heim nach Dort­mund kam, wurde nach knapp 70 Minuten in ein Spiel ein­ge­wech­selt, das müh­samer vor­an­ging als ein Früh­jahrs­putz bei den Ludolfs. Hof­mann aber brachte ordent­lich Disko in die Bude, mar­kierte das 1:0 selber und holte den Elf­meter zum 2:0 heraus. Damit wider­legte er nicht nur die anhal­tenden Unken­rufe bezüg­lich der Hof­fen­heimer Nach­wuchs­ar­beit, er bot auch noch die viel­leicht schwung­vollste Joker­leis­tung seit Heath Ledger in The Dark Knight“. Mal ganz abge­sehen von dem freu­digen Neben­ef­fekt, dass man als Sport­re­porter den Namen des Match­win­ners nun tippen kann, ohne sich die Fin­ger­ge­lenke dabei aus­zu­ku­geln. Beim Rest des Kon­so­nan­ten­ge­wim­mels, das das Dort­munder Mit­tel­feld geworden ist, besteht diese Gefahr näm­lich.

Vieirinha
Der gol­dene 11FREUNDE-Chan­centod geht diese Woche an Wolfs­burgs Vieirinha. Der Por­tu­giese schaffte näm­lich das Kunst­stück, den Ball aus etwa einem Meter frei­ste­hend vor dem Tor so derart hilflos neben den Kasten zu setzen, dass man meinen könnte, man befinde sich beim wöchent­li­chen Trai­ning der 11FREUNDE-Betriebs­mann­schaft. Auch Vieirinha schien auf­ge­wühlt von seiner unglück­li­chen Fehl­leis­tung, nahm dies aber allem Anschein nach als Ansporn und stei­gerte sich im Laufe des Spiels gewaltig, bis er irgend­wann end­gül­tige Ehren­ret­tung betrieb und einen Ball aus der linken Straf­rau­mecke in die Maschen nagelte. Na geht doch.

Berkay Dabanli
Ein wei­terer, bekannter Move aus der 11FREUNDE-Betriebs­mann­schaft ist die ver­un­glückte Ball­an­nahme mit der Brust, bei der ein hoher Ball unkon­trol­lierbar von den schwam­migen Moobs des untrai­nierten Redak­teur­kör­pers abspringt und im Anschluss übli­cher­weise uner­reichbar ist. Etwas ganz ähn­li­ches pas­sierte dem Nürn­berger Berkay Dabanli im Spiel gegen die Hertha. Einen Schuss von Sami Allagui bekam Dabanli an die Brust, von wo er ins Tor tru­delte. Ein klas­si­scher Fall von zur fal­schen Zeit am fal­schen Ort und richtig ärger­lich für den Club, denn der Ball wäre ohne Dabanlis Zutun wahr­schein­lich in Rich­tung Eck­fahne gese­gelt. So aber war die Hertha auf einmal wieder im Spiel und der Spieltag um ein sku­rilles Tor rei­cher.

Roberto Fir­mino
Es ist nicht lange her, da wurde Hof­fen­heims Bra­si­lianer Roberto Fir­mino von Ex-Trainer Marko Kurz die Befä­hi­gung abge­spro­chen, der im Sai­son­end­spurt tru­delnden TSG fuß­bal­le­risch noch irgendwie helfen zu können. Der Tech­niker war im Abstiegs­kampf in etwa so fehl am Platz wie eine Ver­eins­chronik im Hof­fen­heimer Fan­shop. Kurz darauf ent­kurzten und –mül­lerten sich die Dinge bei der TSG aller­dings und Fir­mino sicherte sich seinen Platz in der nicht exis­tenten Ruh­mes­halle des Ver­eins, indem er in den Rele­ga­ti­ons­spielen wich­tige Tore schoss. Am Wochen­ende zeigte Fir­mino nun, dass er auch schnöden Liga­be­trieb kann und zer­legte gemeinsam mit dem Rest der blau-weißen Dorf­ju­gend den über­for­derten HSV. Und wäh­rend der Dino der Liga ver­ka­tert die Scherben seiner Abwehr zusam­men­kehrt, deuten die Hof­fen­heimer an, dass sie die Über­ra­schung der Saison werden könnten. Auch wegen eines spiel­freu­digen Fir­minos.