Phone-In“-Sendungen stellen Mode­ra­toren immer wieder vor große Her­aus­for­de­rungen. Egal wie sorg­fältig die Redak­tion den Anrufer geprüft hat, immer wieder rutscht ein Ver­rückter durch. Und der will dann sou­verän abge­früh­stückt sein.



Neu­lich zum Bei­spiel klin­gelte Simon aus Lei­cester bei MUTV“ durch, um die Front­frau Hayley McQueen hart zu prüfen. Kurz und tref­fend gra­tu­lierte er Gast­kom­men­tator Gary Pal­lister zu der extra­or­di­nären Größe seines Geschlechts­or­gans, die er unter der Anzug­hose aus­zu­ma­chen glaubte. Pal­lister wirkte froh, sein Kol­lege Paul Parker nicht unamü­siert. McQueen dagegen rang um Worte und kam am Ende zu der über­ra­schenden Ein­schät­zung, dass es ver­mut­lich nur der Blick­winkel sei, der den Anrufer in die Irre geführt hatte. Nicht über­lie­fert ist, wie Pal­lister sich zu diesem Erklä­rungs­ver­such posi­tio­nierte.

Wesent­lich sicherer in der Sache war sich vor ein paar Wochen Radio­mo­de­rator James O’Brien. Bild­lich gesehen saß er auf einem mar­mornen Thron in der Mitte jener mora­li­schen Anhöhe, auf der er sich zu befinden glaubte, und pre­digte von dort auf die Hörer­schaft her­unter. An diesem Morgen sprach O’Brien von einem Mann, dessen ehe­ma­lige Ver­lobte und dessen zwei kleine Kinder aus der gemein­samen Villa hatten aus­ziehen müssen, nachdem er sich von ihr getrennt hatte. Wäh­rend sie nun mit den Kin­dern und einem gebro­chenen Herzen in einer kleinen Woh­nung lebt, führt er das Leben eines Jung­ge­sellen, reich an Aus­schwei­fungen und frei von den Zwängen einer festen Bin­dung.

Auf der Basis eines Tabloid-Arti­kels


Mit deut­li­chen Worten kom­men­tierte der Mode­rator die so genannte Story über ein so genanntes Inter­view von so genannten Jour­na­listen, die die Frau in einem Lon­doner Nacht­club befragt und um einige deut­liche O‑Töne erleich­tert hatten. Auf Basis dieses Tabloid-Arti­kels schätzte O’Brien den Mann nun als cha­rak­ter­schwach ein. Das Wort Abschaum ging über den Äther. Dann klin­gelte in der Redak­tion von LBC“ das Telefon. Der Anrufer war kein Ver­rückter, son­dern der Mann, dessen Leben gerade öffent­lich seziert worden war. Und am Ende des live über­tra­genen Tele­fo­nats zwi­schen James O’Brien und Frank Lam­pard saß ers­terer nicht mehr in expo­nierter Höhe, son­dern kau­erte – noch ohne es zu wissen – im Büßer­ge­wand auf einem klapp­rigen Angel­stuhl vor einem Heer von Anklä­gern.

Denn Frank Lam­pard machte seine Sache ver­dammt gut. Er infor­mierte den Mode­rator nicht nur dar­über, dass er drei Tage die Woche auf seine Kinder auf­passe und ihnen und der Mutter gerade ein sehr ver­nünf­tiges Haus her­richten lasse. Er fand dabei auch sehr deut­liche Worte über die jour­na­lis­ti­schen Stan­dards, die in Eng­land und Bri­tan­nien zu herr­schen scheinen, und denen offenbar auch O’Brien folgt. Bemer­kens­wert war nicht nur, was, son­dern auch, wie er es sagte. Denn Lam­pard kon­fron­tierte seinen Gesprächs­partner erfri­schend natür­lich und direkt. Auf einmal war er nicht mehr der unnah­bare Pre­mier-League-Mil­lionär, der in Fes­tungen aus Desi­gner­wä­sche oder dem Hause Aston Martin vor den all­ge­gen­wär­tigen Papa­razzi durch den Lon­doner Alltag flieht. Auf einmal war er auf Augen­höhe mit den Hörern, als er O’Brien ver­sprach, ihn das nächste Mal von Mann zu Mann“ spre­chen zu wollen.

Mit seiner tem­pe­ra­ment­vollen Ver­tei­di­gung stillte er bei den Hörern nicht nur einen wach­senden Hunger nach Echt­heit. Er traf mit seiner Kritik an der aggres­siven Imper­ti­nenz des Bou­le­vards offenbar ins Schwarze, wie das unüb­liche lan­des­weite Lob für den Chelsea-Akteur zeigte. James O’Brian dagegen kam nicht so gut dabei weg. Ent­schul­digen wollte er sich trotzdem nicht, als er wenige Stunden später auf Sky News“ danach gefragt wurde. Immerhin rang er sich Worte der Aner­ken­nung für Lam­pard ab: Er ist mehr Mann, als ich heute Morgen um zehn gedacht habe.“