Seite 2: Trinken Sie einen Schnaps. Essen Sie eine CD mit Walgesängen

4.) Ver­su­chen Sie sich zu beru­higen, egal wie
Der neue Prak­ti­kant sitzt immer noch zit­ternd neben Ihnen? Sie haben Ihm Unrecht getan. Ver­su­chen Sie, Ihre Gefühls­aus­brüche in den Griff zu bekommen. Machen Sie einen langen Spa­zier­gang, der Chef wird das sicher ver­stehen. Liegen Sie immer noch in Embryo­nal­stel­lung unter dem Schreib­tisch, ver­su­chen Sie, sich einige Zen­ti­meter in die Luft zu heben. Das könnte als Yoga gelten. Trinken Sie einen Schnaps. Trinken Sie zwölf wei­tere Schnäpse. Essen Sie eine CD mit Wal­ge­sängen. Waschen Sie sich auf der Büro-Toi­lette die Haare mit einer Fla­sche Bach­blü­ten­ex­trakt. Gehen Sie in die Büro-Sauna und ent­spannen Sie bei einem Chlo­ro­form-Auf­guss. Mit ein wenig Glück lin­dern Sie so das Leiden. Für immer. 

5.) Drehen Sie durch
Ach, wissen Sie was? Scheiß aufs Beru­higen. Drehen Sie durch. Schreien Sie rum. Hassen Sie ab. Diese ver­fluchte Welt, die Ihnen das zumutet. Diese ver­fluchte Truppe, die sich durch die Saison gestol­pert hat. Der ver­fluchte Zahn­arzt, der mit Beru­hi­gungs­mit­teln geizt. Der ver­fluchte Chef, der Ihnen die Spa­zier­gänge und Schnäpse ver­bietet. Das Leben ist unge­recht, und das lassen Sie die Welt am besten dann wissen, wenn Sie es vom Büro-Balkon schreien. Heute ist nur dieses Spiel wichtig. Lassen Sie das auch die Kol­legen wissen, am besten viel­leicht per Mit­tel­finger. Rufen Sie alte Freunde an, die Sie seit Jahren nicht mehr gespro­chen haben, und erzählen Sie Ihnen, warum Alex Meier heute Abend end­gültig zur Klub­le­gende wird. Täto­wieren Sie sich in einem Anflug rüh­riger Ver­bun­den­heit den Ein­tracht-Adler auf die Stirn. Beant­worten Sie sämt­liche Fragen, auch die des Chefs, der Not­ärzte oder der besorgten Ehe­frau, mit einem keh­ligen Ein­tracht Frank­furt Allez“. Ver­meiden Sie das Anlegen der Zwangs­jacke mit einem gekonnten Kopf­stoß. 

6.) Gehen Sie das ver­dammte Spiel gucken
Nie­mand hat gesagt, dass es ein­fach werden würde. Aber was ist schon ein­fach? Also packen Sie die kleine Ein­tracht-Fahne, die auf ihrem Schreib­tisch steht und auf Knopf­druck Im Herzen von Europa“ spielt, und gehen Sie in Rich­tung Sta­dion, Public Viewing oder Fan­kneipe. Dass es weit vor Fei­er­abend ist, ist egal, Sie sind eh gefeuert. Denken Sie auf dem Weg dahin an all die schönen Momente, die Ihnen dieser Klub geschenkt hat. Seien Sie damit nach unge­fähr acht Sekunden fertig. Fallen Sie am Zielort den Lei­dens­ge­nossen in die Arme. Fuß­ball­fans sind Her­den­tiere. Betrun­kene, laute Her­den­tiere, aber eben ebenso herz­liche und leid­ge­prüfte Her­den­tiere, die sicher bereit sind, Sie in Ihre Mitte zu nehmen und das Leid zu teilen. Fügen Sie sich Ihrem Schicksal. Sie haben nun alles getan, was in Ihrer Macht steht.