1.) Seien Sie unbe­re­chenbar emo­tional
Rele­ga­tion bedeutet Aus­nah­me­zu­stand. Sie haben heute also jedes Recht, emo­tional zu reagieren. Der Wecker klin­gelt und reißt Sie aus einem wun­der­schönen Traum, in dem Sie Uwe Bein mit Pässen füt­terte? Schmeißen Sie ihn an die Wand. Der Hund kläfft, kaum dass Sie in der Küche stehen? Grät­schen Sie ihn ab. Ent­schul­digen Sie sich wei­nend bei ihren wei­nenden Kin­dern, die gerade mit­an­sehen mussten, wie Sie den treuen Fami­li­en­hund abge­grätscht haben. Steigen Sie ins Auto und erleiden Sie einen Lach­an­fall, weil die Welt und vor allem auch der Fuß­ball so unglaub­lich lächer­lich sind. Beißen Sie kräftig ins Lenkrad ob der him­mels­schrei­enden Unge­rech­tig­keit, dass aus­ge­rechnet Ihr Klub in die ver­fluchte Rele­ga­tion musste. Halten Sie auf dem Weg zur Arbeit kurz beim Zahn­arzt. Schei­tern Sie mit Ihrer Frage nach einer Ampulle Dor­micum und ver­lassen Sie meckernd, aber immerhin mit wieder fest­sit­zender Krone die Praxis. Auf der Arbeit stellt sich der neue Prak­ti­kant vor? Scheißen Sie ihn zusammen und ver­don­nern Sie ihn dazu, die Auf­stel­lung der SGE aus dem Rele­ga­ti­ons­spiel 1989 gegen Saar­brü­cken aus­wendig zu lernen. Sitzen Sie mit leerem Gesicht schwei­gend vor dem Mit­tag­essen, das sie natür­lich nicht anrühren können. Auf Nach­fragen der besorgten Kol­legen steht Ihnen die ganze Band­breite der emo­tio­nalen Reak­tionen offen: Wut­aus­bruch, Wein­krampf, Lach­an­fall. Wird es nicht besser mit der Ner­vo­sität, kann es helfen, die Faust dro­hend gen Himmel zu schwenken. Sollte sich keine Bes­se­rung ein­stellen, legen Sie sich in Embryo­nal­hal­tung unter Ihren Schreib­tisch und warten Sie auf das Ende der Welt. Oder den Anpfiff. 

2.) Werden Sie zu Ihrem eigenen New­sti­cker
Wichtig: In einem so bedeut­samen Spiel ent­scheiden oft die Klei­nig­keiten. Saugen Sie also alles auf, was zu der Partie ver­öf­fent­licht wird. Vor allem lokale Medien haben oft mehr Infor­ma­tionen als andere. Was schreibt die Nie­der­dorf­fel­dener Zei­tung, was der Otz­ba­cher Anzeiger? Warum hakt der ver­fluchte New­sti­cker auf www​.diet​zen​ba​cher​-merkur​.de? Ver­folgen Sie sämt­liche Ticker, die ange­boten werden. Testen Sie die F5-Taste auf ihre Funk­tio­na­lität, gerne mit einem saf­tigen Faust­schlag. Das drin­gende Memo vom Chef kann warten, erst müssen Sie her­aus­finden, wie es um die Fit­ness von Carlos Zam­brano steht. Rufen Sie bei Twitter an und weisen Sie darauf hin, dass die Tren­ding-Ana­lyse kaputt ist. Schließ­lich ist es bereits neun Uhr mor­gens und der Hashtag #alex­mei­er­fuß­ball­gott­schie­ßuns­zum­sieg trendet immer noch nicht. 

3.) Glauben Sie an alles, auch an den albernsten Aber­glaube
Klare Sache: Die Jungs brau­chen Sie heute. Ziehen Sie unbe­dingt die Glücks­so­cken an, die Sie 1999 schon trugen und deren Anteil am 5:1 gegen Kai­sers­lau­tern nicht hoch genug ein­ge­schätzt werden kann. Ver­gessen Sie nicht, das Büro zuerst mit dem rechten Fuß zu betreten und küssen Sie bei jeder erfolg­reich gesen­deten Email den Ehe­ring. Sollten Sie gläubig sein, bekreu­zigen Sie sich vor und nach dem Mee­ting. Läuft es gut, können Sie den Kol­legen das Shirt mit der Jesus“-Aufschrift unter dem Hemd zeigen. Berufen Sie sich außerdem auf unum­stöß­liche Fakten aus der Ver­gan­gen­heit, die sich dem Gesetz der Serie nach sicher­lich wie­der­holen werden. Als die Ein­tracht zuletzt in der Rele­ga­tion spielte, kickte beim Gegner ein gewisser Anthony Yeboah. Den ver­pflich­tete die SGE ein Jahr später und stieg zur Spit­zen­mann­schaft auf. Na? Mh? Genau: Sie können sich auf die Fast-Meis­ter­schaft 2018 freuen, mit einem Guido Burg­staller auf Welt­klas­se­ni­veau. 

4.) Ver­su­chen Sie sich zu beru­higen, egal wie
Der neue Prak­ti­kant sitzt immer noch zit­ternd neben Ihnen? Sie haben Ihm Unrecht getan. Ver­su­chen Sie, Ihre Gefühls­aus­brüche in den Griff zu bekommen. Machen Sie einen langen Spa­zier­gang, der Chef wird das sicher ver­stehen. Liegen Sie immer noch in Embryo­nal­stel­lung unter dem Schreib­tisch, ver­su­chen Sie, sich einige Zen­ti­meter in die Luft zu heben. Das könnte als Yoga gelten. Trinken Sie einen Schnaps. Trinken Sie zwölf wei­tere Schnäpse. Essen Sie eine CD mit Wal­ge­sängen. Waschen Sie sich auf der Büro-Toi­lette die Haare mit einer Fla­sche Bach­blü­ten­ex­trakt. Gehen Sie in die Büro-Sauna und ent­spannen Sie bei einem Chlo­ro­form-Auf­guss. Mit ein wenig Glück lin­dern Sie so das Leiden. Für immer. 

5.) Drehen Sie durch
Ach, wissen Sie was? Scheiß aufs Beru­higen. Drehen Sie durch. Schreien Sie rum. Hassen Sie ab. Diese ver­fluchte Welt, die Ihnen das zumutet. Diese ver­fluchte Truppe, die sich durch die Saison gestol­pert hat. Der ver­fluchte Zahn­arzt, der mit Beru­hi­gungs­mit­teln geizt. Der ver­fluchte Chef, der Ihnen die Spa­zier­gänge und Schnäpse ver­bietet. Das Leben ist unge­recht, und das lassen Sie die Welt am besten dann wissen, wenn Sie es vom Büro-Balkon schreien. Heute ist nur dieses Spiel wichtig. Lassen Sie das auch die Kol­legen wissen, am besten viel­leicht per Mit­tel­finger. Rufen Sie alte Freunde an, die Sie seit Jahren nicht mehr gespro­chen haben, und erzählen Sie Ihnen, warum Alex Meier heute Abend end­gültig zur Klub­le­gende wird. Täto­wieren Sie sich in einem Anflug rüh­riger Ver­bun­den­heit den Ein­tracht-Adler auf die Stirn. Beant­worten Sie sämt­liche Fragen, auch die des Chefs, der Not­ärzte oder der besorgten Ehe­frau, mit einem keh­ligen Ein­tracht Frank­furt Allez“. Ver­meiden Sie das Anlegen der Zwangs­jacke mit einem gekonnten Kopf­stoß. 

6.) Gehen Sie das ver­dammte Spiel gucken
Nie­mand hat gesagt, dass es ein­fach werden würde. Aber was ist schon ein­fach? Also packen Sie die kleine Ein­tracht-Fahne, die auf ihrem Schreib­tisch steht und auf Knopf­druck Im Herzen von Europa“ spielt, und gehen Sie in Rich­tung Sta­dion, Public Viewing oder Fan­kneipe. Dass es weit vor Fei­er­abend ist, ist egal, Sie sind eh gefeuert. Denken Sie auf dem Weg dahin an all die schönen Momente, die Ihnen dieser Klub geschenkt hat. Seien Sie damit nach unge­fähr acht Sekunden fertig. Fallen Sie am Zielort den Lei­dens­ge­nossen in die Arme. Fuß­ball­fans sind Her­den­tiere. Betrun­kene, laute Her­den­tiere, aber eben ebenso herz­liche und leid­ge­prüfte Her­den­tiere, die sicher bereit sind, Sie in Ihre Mitte zu nehmen und das Leid zu teilen. Fügen Sie sich Ihrem Schicksal. Sie haben nun alles getan, was in Ihrer Macht steht.