Wenn in den ver­gan­genen Monaten über Mohamed Bin Hammam und den asia­ti­schen Fuß­ball­ver­band berichtet wurde, ging es meis­tens um das Thema Kor­rup­tion und Geld. Hat der Qatari und ehe­ma­lige Prä­si­dent des Asia­ti­schen Fuß­ball Ver­bandes (AFC) Bin Hammam mit viel Geld Stimmen für die Wahl zum Prä­si­denten der FIFA gekauft? Hat er seine Posi­tion als AFC-Prä­si­dent miss­braucht? Im eng­lisch­spra­chigen Raum gibt es wohl keinen zweiten Jour­na­listen, der so akri­bisch und lange über die Machen­schaften der Fuß­ball­funk­tio­näre berichtet hat wie James Dorsey. Jetzt wird er ange­klagt, von der World Sports Group aus Sin­gapur. Dabei hat er nur getan, was ein Jour­na­list tut: er hat berichtet. Die World Sports Group (WSG), Mar­ke­ting­partner des AFC, hat aller­dings etwas dagegen. Sie will mit allen Mit­teln ver­su­chen, an die Namen von Dor­seys Infor­manten zu kommen. Vor allem aber will sie den Jour­na­listen zum Schweigen zu bringen.

Die malay­si­sche Polizei hat den ersten Ver­däch­tigen fest­ge­nommen

Zum Ver­ständnis: Am 5. Sep­tember berich­tete Dorsey, der AFC habe der malai­ischen Polizei gemeldet, wich­tige Doku­mente seien gestohlen worden. Die Doku­mente stünden in Ver­bin­dung zu einer getä­tigten Über­wei­sung von Inter­na­tional Sports Events (ISE) – einer Anteils­eig­nerin der WSG – an den ehe­ma­ligen AFC-Prä­si­denten Mohamed Bin Hammam. Die feh­lenden Doku­mente beziehen sich genau genommen auf eine Zah­lung von zwei Mil­lionen US-Dollar vom Jahre 2008, von der in Saudi-Ara­bien sit­zenden ISE. Dorsey berich­tete weiter, es habe eine wei­tere Zah­lung von zwölf Mil­lionen US-Dollar gegeben, diesmal aber von der Al Baraka Invest­ment and Deve­lop­ment Com­pany. Die malai­ische Polizei ermit­telt in dem Fall, Mohamed Bin Hammam soll in dem Dieb­stahl der Doku­mente ver­wi­ckelt sein. Die malai­ische Polizei hat jetzt den ersten Ver­däch­tigen fest­ge­nommen. Tony Kang, Ehe­mann der eins­tigen Finanz­di­rek­torin des AFC. Nach Bin Ham­mams Sus­pen­die­rung hat man Amelia Gan ent­lassen; Grund war der Ver­dacht auf Kor­rup­tion und Bestechung. Tony Kang wird jetzt beschul­digt, mit dem Dieb­stahl der geklauten Doku­mente in Ver­bin­dung zu stehen.

Dorsey, der selbst in Sin­gapur lebt, belegt seine Behaup­tungen mit einem AFC-internen Bericht von Pri­ce­Wa­ter­house­Coo­pers (PwC). Die Wirt­schafts­prüfer von PWC befassen sich unter anderem mit der Füh­rung eines AFC-Bank­kontos. Sie lassen keine Zweifel offen, Bin Hammam habe das Konto genutzt, als sei dies sein per­sön­li­ches Konto gewesen. Ein wei­terer Teil befasst sich detail­liert mit den Ver­trägen zwi­schen dem Asia­ti­schen Fuß­ball­ver­bund und der WSG. Geprüft werden im wesent­li­chen drei Punkte: die Art und Weise, wie der Ver­trag zwi­schen den Par­teien ver­han­delt und auf­ge­setzt wurde sowie die Eigen­schaft des Ver­trages und Bezeich­nungen. Zuletzt ging es um die zwei oben genannten Zah­lungen. Die beiden Zah­lungen gingen direkt auf das Konto, wel­ches Bin Hammam nutzte als sei es sein per­sön­li­ches Konto. Von diesem Konto wurde das gesamte Geld zu Bin Ham­mams tat­säch­li­chem Pri­vat­konto über­wiesen. Es ist nicht klar, warum diese Zah­lungen getä­tigt wurden und auch nicht, wofür das Geld bestimmt war“, so der Jour­na­list. Wie er an die internen Unter­lagen gekommen ist, bleibt sein Geheimnis. Es scheint, Bin Hammam habe das Konto des Fuß­ball­ver­bandes zur Geld­wä­sche benutzt, ein Grund warum der AFC die Wirt­schafts­ex­perten von PwC beauf­tragt hat. Die Zah­lungen stehen mit großer Wahr­schein­lich­keit in Zusam­men­hang mit dem Ver­trag der WSG. Der Report von PWC wirft aber in erster Linie Fragen auf und gibt keine Schluss­fol­ge­rungen, Fragen die die WSG zum Bei­spiel nicht beant­worten will – im Gegen­teil.

Ver­zerrte und halt­losen Äuße­rungen“

Die Rechts­an­wältin der WSG, Ste­phanie McManus, reagierte scharf auf Dorsey. Bereits vor der Ver­öf­fent­li­chung seines Arti­kels erklärte sie ihm in einem Brief, seine Infor­manten müssten ein sehr detail­liertes Wissen über die von ihm auf­ge­führten Behaup­tungen haben. Sie for­derte ihn auf, alle Artikel über die WSG, die auf seinem Blog erschienen sind, umge­hend zu löschen. Er solle außerdem alle Quellen und Infor­manten offen legen. Nur wenige Tage später erhielt Dorsey einen Brief von WSGs Anwälten mit der Auf­for­de­rung, sich zu ent­schul­digen. In dem Schreiben heißt es, ihre ver­zerrten und halt­losen Äuße­rungen zeigen wie wenig reprä­sen­tativ ihre Infor­manten sind und zeugen von ihrer Bös­wil­lig­keit.“

Dorsey zeigt sich von sol­chen Aus­sagen wenig beein­druckt. WSG stellt sich nicht den Anschul­di­gungen. Sie ver­su­chen ein­fach nur, die Debatte zum schweigen zu bringen. Sie wollen mich ein­schüch­tern.“ Er werde seine Quellen nicht offen legen und schon gar nicht auf­hören zu berichten. Und genau das ver­sucht die World Sport Group. Die Firma hat beim Gericht bean­tragt, Dorsey nach den Quellen und Infor­manten fragen zu dürfen. Nun könnte WSG ver­su­chen, dem Gericht weis zu machen, seine Angaben seien schlichtweg falsch. Oder aber, WSG habe von seinen Berichten Schaden getragen. In diesen Fällen könnte es dazu kommen, dass Dorsey alles auf den Tisch legen muss.

ESPN​STAR​.com Autor Jesse Fink beschreibt den Fall nüch­tern: Dor­seys Fall ist Zeit­ver­schwen­dung“. Er kri­ti­sierte das Vor­gehen WSGs, geht gegen die Anschul­di­gungen gegen an. Ich kenne Dorsey seit einiger Zeit. Ich bürge für seine Pro­fes­sio­na­lität, seine Intel­li­genz und seine Arbeit. Seine Artikel zitiere ich regel­mäßig und zwar nur aus dem Grund, weil sie ein­fach gut sind.“ Auch Gianni Merlo, Prä­si­dent der Inter­na­tional Sports Press Asso­cia­tion (AIPS) nahm Stel­lung: Jeder Jour­na­list hat die Pflicht, über die Wahr­heit zu berichten. Die Rede­frei­heit muss jedem Jour­na­listen in jedem Land gewähr­leistet werden, die Gerichte haben dafür zu sorgen.“ Für Merlo ist es undis­ku­tabel, dass mäch­tige reiche Firmen, ver­su­chen würden, ihre Geschäfte vor recht­li­chen Kon­se­quenzen zu ver­ste­cken.

Sollte die WSG Recht bekommen, stünde es schlecht um die Pres­se­frei­heit

WSG benutzt Dorsey als abschre­ckendes Bei­spiel, was pas­siert, wenn Jour­na­listen gegen sie berichtet – und wenn Infor­manten aus­pa­cken. Sie beugen vor, damit in Zukunft keiner mehr wagt, gegen sie das Wort zu erheben. Sollte WSG am Ende Recht bekommen, steht die Pres­se­frei­heit vor einer dunklen Stunde. Zwei­fellos hat keine Firma das Recht einen Jour­na­listen in so eine Situa­tion zu drängen, die Pres­se­frei­heit und Rede­frei­heit der­maßen zu unter­graben. Der Pro­zess gegen Dorsey kann sich hin­ziehen. In der Zwi­schen­zeit berichtet er weiter, über Bin Hammam, über die WSG. Ein­schüch­tern kann man ihn nicht.