Die Schwarz-rot-Geil­heit greift wieder um sich. Als ZDF-Reporter Carsten Beh­rendt nach dem DFB-Sieg gegen die Slo­wakei sein Mirko in die Menge vor dem Bran­den­burger Tor hält, schwappt dem geneigten Fern­seh­zu­schauer die ganze eksta­ti­sche Schnapp­at­mung der Nation ent­gegen.

Paaarty“ schreien da auf­ge­löste Damen mit Gesichts­be­ma­lung und leerem Blick ihr wohl­über­legtes State­ment zum Spiel in die Kameras – neben ihnen hat sich eine hüp­fende Front­rei­hen­frau bereits geistig in den Public-Viewing-Himmel ver­ab­schiedet.

Hölle. #Fan­meile pic​.twitter​.com/​m​m​F​A​i​AMemL

— Jan-Henrik Grus­zecki (@JH_Gruszecki) June 26, 2016

Die Nation ist einmal mehr bene­belt von der großen EM-Sause, die noch min­des­tens eine wei­tere Woche die Köpfe zwi­schen Flens­burg und Berch­tes­gaden im Griff haben wird. Eine Fest­zeit für alle Schlan­dianer – und für die große Politik.

14-Jäh­rige können abge­hört werden

Denn wäh­rend die Wade von Jérôme Boateng das Land mehr inter­es­siert als das Brexit-Beben, können deut­sche Poli­tiker im Schatten des Fuß­balls Gesetze durch­winken, die zu jeder anderen Jah­res­zeit für große Empö­rung sorgen würden.

Zum Bei­spiel das Anti-Terror-Paket, das am Freitag im Bun­destag beschlossen wurde. Handy-Pre­paid-Karten müssen dem­nach bei Kauf auf den Besitzer regis­triert werden, Kom­mu­ni­ka­ti­ons­daten können schon von 14- statt bisher 16-Jäh­rigen gespei­chert werden.

Ein mas­siver Ein­griff in den Daten­schutz, der von der Regie­rung im Eil­tempo durch­ge­boxt wurde. Linke und Grüne ver­ur­teilten den Beschluss heftig, sehen ver­fas­sungs­recht­liche Bedenken und einen wei­teren Ein­schnitt in die Grund­rechte. Das Gesetz soll den Bun­desrat am 8. Juli pas­sieren.