Vor einigen Tagen erhielt Dirk Nowitzki, dieser eine große deut­sche Sport­star auf der anderen Seite des Atlan­tiks, einen Brief­um­schlag, in dem ein Zwanzig-Dollar-Schein ein­ge­schlagen worden war. Lunch is on me, Big Fella!“, schrieb ein Fan. Die Ein­la­dung eines Fans zum Mit­tag­essen, weil Nowitzki jah­re­lang auf Mil­lionen ver­zichtet hatte mit dem Ziel, dass sein Klub mit dem gesparten Geld wei­tere Stars an Land ziehen könne.

Außer dem Nach­namen hat Pierre Nowitzki mit dem Bas­ket­baller Dirk wenig gemeinsam. Abge­sehen davon, dass auch der Kapitän der TSV Marl-Hüls auf Geld ver­zichten sollte. Und der Ober­li­gist aus Nord­rhein-West­falen plötz­lich seine erste Mann­schaft abmelden musste. Was ist da pas­siert?

Marl-Hüls sucht einen Moti­vator

In der letzten Woche klang alles noch nach einer Schnurre, einer amü­santen Anek­dote aus der Unter­klasse des Ruhr­ge­biets. Thorsten Legat, Ex-Profi, Teil­nehmer des Dschun­gel­camps, der mit der Hoch­was­ser­hose auf dem Schalker Mann­schafts­foto von 2000/01, sollte das Trai­neramt beim abstiegs­ge­fähr­deten TSV Marl-Hüls antreten. Der Verein suchte einen Moti­vator, einen Feu­er­wehr­mann, einen, der sich aus­kennt und mit allen Was­sern gewa­schen ist. Wieso also nicht Legat?

Allein die Finan­zie­rung schien noch nicht geklärt, doch die ersten Medien berich­teten, dass die Spieler auf Teile ihres Gehalt ver­zichten sollen, damit der Coach kommt.

Eine Falsch­mel­dung.

Nein, so war das nicht“, sagt Pierre Nowitzki, der Kapitän. Als Spre­cher jener Mann­schaft, die sich Freitag geschlossen wei­gerte, gegen Arminia Bie­le­feld II auf­zu­laufen, wes­halb sich der TSV vom Spiel­be­trieb der Ober­liga abmel­dete. Die Finan­zie­rung Legats spielte keine Rolle. Er hätte durch einen Sponsor bezahlt werden sollen. Legat selbst hatte gar ange­boten, die Stelle ehren­amt­lich anzu­treten. Wir hätten uns gefreut, wenn Herr Legat gekommen wäre. Aber wir sollten trotzdem auf unser Geld ver­zichten“, sagt Nowitzki, um den Spiel­be­trieb auf­recht­zu­er­halten.“

Kom­merz bei den Ama­teuren?

Und so ist die Geschichte in Marl-Hüls keine eines laut­starken Ex-Profis am Sei­ten­rand. Sie ist eine, an deren Ende man sich fragt, ob der Kom­merz nicht längst auch den Ama­teur­fuß­ball durch­drungen hat.

Ange­fangen hat alles mit der Steu­er­fahn­dung“, erin­nert sich Kapitän Nowitzki. Im April standen plötz­lich Beamte vor den Türen der Spieler. Durch­su­chungs­be­fehl. Die haben unsere Woh­nungen kom­plett auf den Kopf gestellt.“ Der Verein, unter­stützt von einem Haupt­sponsor, hatte es anschei­nend ver­säumt seine Spieler recht­mäßig anzu­melden.

Es ist bei weitem nicht der erste Klub in Deutsch­land, der mit der Steu­er­fahn­dung in Berüh­rung kam. Immer wieder das gleiche Spiel: Spieler erhalten unter der Hand Ver­träge, manchmal sind es nur münd­liche Abspra­chen. Fahrt­kosten, Auf­wands­ent­schä­di­gungen, dies das. Kicken auf Asche ist längst zum Kicken für Asche geworden. Mit Summen, die oft über den 450 Euro eines Mini-Jobs liegen. Des­halb mel­de­pflichtig sind und bei Nicht­be­ach­tung das sind, wonach die Steu­er­fahn­dung sucht: Schwarz­ar­beit.