Andreas Rettig, nach Frei­burg, Augs­burg. Köln und dem FC St.Pauli heuern Sie nun bei Vik­toria Köln an. Lassen Sie die Kar­riere langsam aus­klingen?
Seien Sie gewiss: Ich habe bei Vik­toria Köln eine ganze Menge vor, was Sie schon daran erkennen können, dass ich einen Vier-Jahres-Ver­trag unter­schrieben habe. Und ich habe wäh­rend meiner acht­zehn­mo­na­tigen Aus­zeit mit Klubs aller drei Pro­fi­ligen ver­han­delt. Aber ich habe mich aus vielen Gründen für die Vik­toria ent­schieden. Das hatte sicher damit zu tun, dass ich nach meiner Ham­burger Zeit jetzt in Köln wohne und wirk­lich oft genug umge­zogen bin. Einer wei­terer Grund war meine Bio­gra­phie.

Sie wurden nost­al­gisch, weil Sie hier früher gespielt haben?
Nein, aber ich bin Vik­to­rianer seit meiner aktiven Zeit. Ich unter­stütze die Jugend­ab­tei­lung und vor allem habe ich hier von 1985 bis 1987 gespielt, gemeinsam übri­gens mit dem jet­zigen Sport­vor­stand Franz Wun­der­lich. Da Arbeits­zeit auch Lebens­zeit bedeutet, sind die han­delnden Akteure im Verein für mich von Bedeu­tung. Neben Franz Wun­der­lich sind das auch Olaf Jansen und der lang­jäh­rige För­derer Franz-Josef Wernze.

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Wir haben ein­schlä­gige Fotos vor­liegen. Auf den Bil­dern wirken Sie über­ra­schend dyna­misch und tor­ge­fähr­lich.
Das Wort über­ra­schend“ ist natür­lich eine Frech­heit. Aber der Ein­druck täuscht nicht (lacht). Viel­leicht war das auch der Grund, mich 2012 zum Ehren­mit­glied des Klubs zu machen, damals zusammen mit Gero Bisanz und Erich Rib­beck. Aber ich trete hier nicht an, um mein Andenken zu ver­walten, son­dern um den Klub wei­ter­zu­ent­wi­ckeln.

Wei­ter­ent­wick­lung heißt hier sport­li­cher Erfolg?
Ja, aber nicht um jeden Preis. Ich habe mich in den letzten Jahren regel­mäßig mit dem großen För­derer des Klubs, Franz-Josef Wernze, aus­ge­tauscht. Und wir sind fest davon über­zeugt, dass sich Erfolg nicht allein daran bemisst, in wel­cher Liga der Klub spielt und wie­viel Punkte er holt. Son­dern auch daran, welche gesell­schaft­liche Rolle der Klub spielt, ob er sich seiner sozialen Ver­ant­wor­tung bewusst ist, ob er nach­haltig wirt­schaftet. Und da hat die Vik­toria viel Poten­tial.

Nach­hal­tig­keit wird oft sehr theo­re­tisch ver­han­delt. Was kann ein Klub wie die Vik­toria kon­kret tun?
Ganz kon­kret werden wir beim nächsten Aus­wärts­spiel beim KFC Uer­dingen mit dem Logo der Aktion Mensch“ auf dem Trikot auf­laufen, sofern der DFB das erlaubt. Unser Tri­kot­sponsor ETL hat das ermög­licht, anläss­lich des euro­päi­schen Tages zur Gleich­stel­lung von Men­schen mit Behin­de­rung. Aber das ist natür­lich nur ein kleiner Mosa­ik­stein. Es werden Taten folgen, denn PR-Aktionen allein rei­chen nicht. Der Klub muss bei jeder Ent­schei­dung, die er fällt, das Gemein­wohl im Blick haben und in seine Region hin­ein­wirken. Auch das ist heute Erfolg, weit über den Sport hinaus.