Seite 3: Kurs auf Europa

Ver­geb­lich warnte Nürn­bergs Trainer Michael Köllner in einer Pres­se­kon­fe­renz vor den cle­veren Neu­zu­gängen“ und der hohen indi­vi­du­ellen Qua­lität der Mainzer“. Dass galt wohl ins­be­son­dere auch für den neu­ver­pflich­teten Ver­tei­diger Aarón Martin. Obwohl Aarón als Links­ver­tei­diger im 4 – 4‑2-System nicht so oft offen­sive Impulse setzen darf, wie er spie­le­risch dazu in der Lage wäre, zeigte er gegen Nürn­berg, warum er – das muss man sich mal vor­stellen! – zurecht für die U21-Natio­nal­mann­schaft Spa­niens nomi­niert wurde. In einem Solo durch die bereits sor­tierte Hin­ter­mann­schaft des Clubs düpierte er erst Valen­tini, drib­belte danach an Hanno Beh­rens vorbei in den Straf­raum und nutzte schließ­lich Beh­rens unbe­hol­fenes Foul, um den Elf­meter zum Füh­rungstor raus­zu­holen. 

Das zweite Tor stand im Zei­chen des neu­ver­pflich­teten Sechsers Pierre Kunde. Wenn er den Ball im Mit­tel­feld erobert und sich das ganze Spiel­ge­schehen vor ihm erstreckt, scheint für ihn die Zeit­lupe ein­zu­setzen. Mit der Über­sicht eines Stein­ad­lers wartet der 23-jäh­rige geduldig darauf, dass sich die Abwehr­reihen des Geg­ners ver­schieben und ent­deckt mit schierer Leich­tig­keit die Schnitt­stellen, die sich in den nächsten Zehn­tel­se­kunden auftun werden. Beim zweiten Tor gegen Nürn­berg, das Schwarz aner­ken­nend als her­aus­ra­genden Spielzug“ bezeich­nete, sieht Kunde eine dieser Lücken in der Abwehr und spielt dem heran sprin­tenden Bro­sinski den Ball in den Fuß. Der muss den Ball nur noch in den Straf­raum ablegen, wo sich Quaison und Mateta aus­su­chen dürfen, wer den Ball über die Linie schiebt. 

Schwarz und Schröder ver­su­chen die Euphorie aus­zu­bremsen

Der am Ende ver­diente Sieg gegen mutige Nürn­berger schraubte die Punkt­zahl von Mainz auf 29 Punkte. Dass Mainz in der Saison 2015/16 zum selben Zeit­punkt auch 29 Punkte hatte und damit letzt­end­lich die Qua­li­fi­ka­tion für die Europa League erreichte, hilft Sandro Schwarz ganz und gar nicht dabei, das Umfeld des Ver­eins zu beru­higen. Am Samstag Abend wird wohl auch er ins­ge­heim den Abstand zum sechsten Platz aus­ge­rechnet haben, anstatt ängst­lich auf den Rele­ga­ti­ons­platz zu schielen. Trotzdem spricht er öffent­lich immer noch besänf­ti­gend vom Sai­son­ziel Klas­sen­er­halt“. 

Auch Rouven Schröder mahnt die Spieler, beim jüngsten Erfolg nicht über­zu­schnappen. Das Spiel gegen Schluss­licht Nürn­berg könne nicht als Grad­messer dienen, betont er. Wichtig sei es viel mehr gegen Ver­eine mit ähn­li­chem Budget zu punkten – Stutt­gart, Augs­burg und Frei­burg also. Die Bilanz gegen diese drei Gegner lautet wie folgt: Vier Spiele, vier Siege. Am Samstag gibt es gegen Augs­burg den nächsten dieser Grad­messer. Gewinnt Mainz wieder, ist der Kampf um die Euro­pa­plätze eröffnet. Viel­leicht werfen Rouven Schröder und Sandro Schwarz dann bald schon ihre eigenen Schatten.