Die Ent­las­sung des Nor­we­gers drei Tage nach der Pokal­pleite beim Viert­li­gisten VfB Lübeck (1:2 n.V.) und fünf Tage vor dem ersten Punkt­spiel am Samstag bei Bayer Lever­kusen wegen des angeb­lich zer­rüt­teten Ver­hält­nisses zu den Profis sorgt zugleich für ein Novum: Noch nie in der His­torie der Bun­des­liga wurde ein Coach vor Sai­son­be­ginn ent­lassen.



»Wir haben diese Ent­wick­lung beob­achtet, intern aus­führ­lich dis­ku­tiert und Jörn Andersen in einigen Gesprä­chen unsere Ver­eins­phi­lo­so­phie klar gemacht. Am Ende müssen wir fest­halten, dass seine und unsere Vor­stel­lungen von der gemein­samen Arbeit nicht mehr mit­ein­ander ver­einbar waren«, erklärte FSV-Prä­si­dent Harald Strutz: »Da ist es kon­se­quenter und auch ehr­li­cher, einen klaren Schnitt zu machen, als eine Ent­schei­dung mit halb­garen Treue­schwüren auf­zu­schieben.«

Wer ist Tuchel?

Neuer Trainer der Mainzer, die auch Andersen-Assis­tent Jürgen Kramny vor die Tür setzten, wird der bisher noch weit­ge­hend unbe­kannte U19-Trainer Thomas Tuchel. Der 35 Jahre alte Ex-Profi, der für die Stutt­garter Kickers von 19912 bis 1994 in der 2. Liga spielte und der zuletzt mit seinem Nach­wuchs-Team den Meis­ter­titel gewann, wurde wäh­rend einer Pres­se­kon­fe­renz am Mon­tag­nach­mittag vor­ge­stellt und soll einen Zwei­jah­res­ver­trag erhalten. Er wird der jüngste Bun­des­liga-Trainer der kom­menden Saison sein.

»Ich lebe meinen Traum«, sagte Tuchel, der am Dienstag um 10 Uhr zum ersten Mal als Chef im Trai­ning auf dem Platz stehen wird. Um den neuen FSV-Trainer hatte sich zuletzt der neue deut­sche U21-Trainer Rainer Adrion bemüht. Doch Tuchel (»Es ist eine rie­sige Über­ra­schung für mich, so schnell in eine solch ver­ant­wor­tungs­volle Posi­tion zu kommen«) erhielt vom FSV keine Frei­gabe für den Assis­tenz-Posten beim Deut­schen Fuß­ball-Bund (DFB).

Die FSV-Chetage hatte sich bereits bei einer Vor­stands­sit­zung am Sonntag ein­stimmig für den Raus­wurf von Andersen ent­schieden. Der 46-Jäh­rige, der am 20. Mai 2008 als Nach­folger der Mainzer Ikone Jürgen Klopp prä­sen­tiert wurde und mit den Rhein­hessen gleich in seiner ersten Saison den Auf­stieg in die Eli­te­klasse schaffte, war nicht erst seit dem bla­ma­blen Pokal-Aus in die Kritik geraten. »Wir haben als Mainz 05 ein klares Anfor­de­rungs­profil, wie ein Trainer mit der Mann­schaft und im Verein arbeiten soll. Unsere Stärken sind Team­work, die Nähe zur Mann­schaft und die interne Kom­mu­ni­ka­tion. Unser Ansatz und der von Jörn Andersen haben nicht mehr über­ein­ge­stimmt, weil der Trainer sich in eine andere Rich­tung ent­wi­ckelt hat«, begrün­dete Manager Chris­tian Heidel die Ent­las­sung Ander­sens. Damit gab Heidel den Kri­ti­kern recht, die dem Ex-Trainer zuletzt vor­ge­worfen hatten, dass das Ver­hältnis zwi­schen ihm und den Profis zer­rüttet sei und dass er falsch trai­niere.

Andersen wird unter unter anderem teil­weise dafür ver­ant­wort­lich gemacht, dass beim FSV wäh­rend der Saison-Vor­be­rei­tung zwi­schen­zeit­lich 14 Profis ver­letzt aus­fielen.

Andersen, der noch am Sonntag beim Pokal­spiel zwi­schen Regio­nal­li­gist Ein­tracht Trier und Bun­des­li­gist Han­nover 96 (3:1) als FSV-Beob­achter auf der Tri­büne saß, zeigte sich ent­täuscht: »Wir haben lange zusam­men­ge­sessen. Aber wir haben in unseren Auf­fas­sungen über die gemein­same Arbeit keine gemein­same Linie mehr gefunden. Das ist sehr schade, ich bedauere die Ent­schei­dung des Ver­eins sehr. Wir gehen nicht im Bösen aus­ein­ander.«

Für die Mann­schaft kam die Ent­las­sung Ander­sens offenbar über­ra­schend. »Die Ent­las­sung kam aus dem Nicht«´, erklärte Abwehr­spieler Niko Bun­gert.