Herr Leinhoß, im Fuß­ball gibt es bei den Fans Ein­ord­nungen wie »Kutten« oder »Ultras«. Ist das im Eis­heo­ckey auch zu bemerken?

Es ist alles genauso, nur in einem klei­neren Rahmen. Bei uns geht es des­halb etwas fami­liärer zu. Ultras sind bei uns sehr gut inte­griert, es gibt da nicht so extreme Unter­schei­dungen.



Vor wenigen Jahren sind die Eis­bären in die eine grö­ßere Halle umge­zogen. Was hat sich dadurch für die Fans ver­än­dert? Mussten die Fans auch um Steh­plätze kämpfen?

Zunächst einmal sind die Ent­schei­dungs­wege länger geworden, da durch unseren Sponsor alles über Ame­rika läuft. Wir hatten im alten Sta­dion eine Steh­platz-Kapa­zität von 3.500. In dieser Grö­ßen­ord­nung wollten wir es auch im neuen Sta­dion gestalten, aber leider mussten wir ein­sehen, dass die Nach­frage nach Steh­plätzen zu gering war. Des­wegen haben wir jetzt 2.500 und sind damit zufrieden. Auch bei den Ein­tritts­preisen haben wir in allen Berei­chen die von uns ange­dachten Ermä­ßi­gungen durch­ge­kriegt.

Der Etat eines Eis­ho­ckey­ver­eins ist kleiner als der eines Fuß­ball­ver­eins. Nimmt man des­wegen als Fan die Kom­mer­zia­li­sie­rung eher in Kauf?


Der Fan will Spit­zen­sport. Zwei Drittel des Etats wird durch Spon­so­ring erzielt, da muss man das in Kauf nehmen. Sicher, das Wer­be­board stört manchmal, aber im Großen und Ganzen ist die Wer­bung auf der Anzei­ge­tafel oder auf dem Eis für uns nix Neues. Wir haben damit keine Pro­bleme. Andere Ver­eine hat es da härter getroffen, die in kurzer Zeit auf Drängen des Spon­sors bereits drei Mal den Namen wech­seln mussten.



Ging mit dem Einzug in eine neue Arena nicht auch ein Zuwachs an Zuschauern einher, die sich nicht mehr in vollem Maße mit dem Verein iden­ti­fi­zieren.

Diese Befürch­tung hatten wir vorher auch. Aber es hat sich erfreu­li­cher Weise anders ent­wi­ckelt. Die Idee mit den Klatsch­pappen war da ein cle­verer Schachzug. Dadurch machen alle mit und die Laut­stärke wird erhöht.

Aber ist das nicht ein echter Stim­mungs­killer, weil das Klat­schen die Gesänge über­stimmt?


Das höre ich von meinem Platz im Sta­dion aus nicht. Es ist aber so, dass wir durch diese Aktionen neue Zuschauer hin­zu­ge­wonnen haben, die jetzt öfter ins Sta­dion kommen. Bestimmte Gesänge werden besser auf­ge­nommen. So wie der Ruf »Dynamo«, der immer ertönt, wenn es heiß her­geht. Das hat nun­mehr auf die Sitz­plätze über­ge­griffen.

Wie ist es für die Fans, dass derart oft Spiele aus­ge­tragen werden?


Fami­lien von Eis­ho­ckey­fans müssen da schon mehr aus­halten. Aber dafür schauen Eis­ho­ckey­fans auch weniger Sport im Fern­sehen als Fuß­ball­fans. Ein­fach des­wegen, weil weniger Eis­ho­ckey gezeigt wird. Es ist ein zwei­schnei­diges Schwert: Auf der einen Seite ist es sehr kost­spielig, derart oft ins Sta­dion zu gehen, auf der anderen Seite gehört es zur Tra­di­tion des Eis­ho­ckeys und die Ver­eine sind auf die Zuschau­er­ein­nahmen ange­wiesen.

Letzte Frage: Im Fuß­ball wird der Video­be­weis dis­ku­tiert. Wie wird die Maß­nahme im Eis­ho­ckey ange­nommen?


Ich finde es total gut. Solange es nur um Ent­schei­dungen, ob Tor oder kein Tor, geht, ist das legitim. Beim Eis­ho­ckey ist die Scheibe sehr klein, da kann man durchaus die tech­ni­schen Hilfs­mittel nutzen. Ich denke, dass das für den Fuß­ball auch ange­bracht wäre.