Seite 2: „Ich würde gerne mal eine Mannschaft trainieren, bei der selbst ich den Erfolg nicht verhindern kann“

Läuft das immer so rei­bungslos ab?
In Afrika bekam ich mal eine Liste von meinem Co-Trainer, auf der nur Ver­wandte von ihm standen. Als ich fragte, was mit anderen Spie­lern sei, hieß es, sie wären ver­letzt oder nicht erreichbar. Aber dann streichst du die Liste zusammen und machst dein eigenes Ding. Das ist ja der Grund, wieso aus­län­di­sche Trainer ver­pflichtet werden: Weil sie einen objek­tiven Blick haben. Ein­hei­mi­sche Trainer haben das Pro­blem, dass sie von anderen abhängig sind. Wenn da ein Ver­eins­boss fragt, wieso du seinen Spieler nicht nimmst, dann musst du schon ein breites Kreuz haben, um zu ant­worten: Weil der scheiße ist.“ Ich als Aus­länder kann das sagen. Ich bin nicht hier, um mir Freunde zu machen.

Son­dern? Was treibt Sie an – die Aben­teu­er­lust?
Meine Trieb­feder ist, dass es mir Freude macht, mit Men­schen zu arbeiten. Die Erin­ne­rungen, die man sam­melt, die Geschichten, die Anek­doten, die Momente, die man in Sieg und Nie­der­lage zusammen erlebt – das stellt einen großen Wert dar.

Ange­nommen, For­tuna Düs­sel­dorf ver­liert die ersten fünf Spiele in der Bun­des­liga, schickt Fried­helm Funkel in die Wüste und Ihnen eine WhatsApp …
Natür­lich wäre ich geschmei­chelt, wenn ein Bun­des­li­gist auf mich zukäme. Aber ich glaube nicht, dass ich alles stehen und liegen lassen würde. Stellen Sie sich vor, ich ver­liere dann mit Düs­sel­dorf auch fünf Mal. Ich könnte ja nicht mehr durch Hilden laufen. Wenn ich mit Myanmar fünf Mal ver­liere, dann inter­es­siert das daheim nie­manden. Ich weiß auch nicht, ob man es als Bestä­ti­gung braucht, dass man in der Bun­des­liga trai­niert hat. Ich stelle mich weiter der Her­aus­for­de­rung, nicht gegen Wacker Burg­hausen zu spielen, son­dern mit einer Natio­nalelf vor zig­tau­send Zuschauern in einem aus­ver­kauften Sta­dion und in einem Land, wo dann alles still­steht. Ich kann jedem jungen Trainer nur raten, auch mal den unbe­quemen Weg zu gehen.

Wie sieht der aus?
Nicht darauf zu warten, dass irgendwo jemand ent­lassen wird, son­dern raus­gehen, Per­sön­lich­keit und Cha­rakter bilden. Dann kann man auch im Alter was erzählen.

Gibt es ein Land, in dem Sie mal arbeiten möchten?
Ich würde gerne mal eine Mann­schaft trai­nieren, bei der selbst ich den Erfolg nicht ver­hin­dern kann. Eine Mann­schaft, die von sich aus funk­tio­niert. Ich war mit meinen Teams immer in der Außen­sei­ter­rolle, des­wegen fände ich eine solche Kon­stel­la­tion span­nend. Wo auch immer auf diesem Pla­neten das dann sein mag.