Bester Haupt­dar­steller: Arjen Robben
Auch im Fuß­ball gilt: Manchmal ist die Rea­lität unglaub­wür­diger als die Insze­nie­rung. Selbst wenn du wirk­lich gefoult wur­dest, reicht es nicht, ein­fach umzu­kippen. Du musst das thea­tra­lisch ver­stärken, damit der Schieds­richter es auch wahr­nimmt. Im Theater heißt es: Du musst für den spielen, der in der letzten Reihe sitzt. Deut­lich spre­chen, jede Geste groß machen. Arjen Robben ist ein Meister dieses Schau­spiels. Mat­thias Sammer nennt ihn zwar einen ehr­li­chen Profi. Aber wie defi­niert man Ehr­lich­keit, wenn man für Uli Hoeneß arbeitet?

Eine Schwalbe ist eigent­lich impro­vi­siertes Schau­spiel, da muss man in Sekun­den­bruch­teilen ent­scheiden. Es ist schon hohe Kunst, das mit einer inneren Logik stimmig abzu­bilden. Robben macht das genial, indem er eine Art cho­reo­gra­fierte Impro­vi­sa­tion durch­führt. Er legt es oft darauf an, in den Gegen­spieler hin­ein­zu­laufen, damit der ihn berührt, des­wegen ist er auf die Situa­tion vor­be­reitet.

Es gibt zwei Kom­po­nenten, um Stunts im Film glaub­würdig werden zu lassen. Einmal das Spiel des Schmerzes, der Aus­druck von Pein. Wie Robben das Gesicht ver­zieht, ist schau­spie­le­risch famos. Das sieht zwar immer gleich aus, aber man kann damit durch­kommen. Robert de Niro spielt letzt­lich auch alles gleich.

Das andere ist die Technik. Wann falle ich wie? Der Ablauf an sich stimmt bei Robben, da ist alles aus einem Guss, er reißt meist die Knie und die Arme nach oben, um zu ver­deut­li­chen, dass er gefoult wurde. Aber er hat manchmal Pro­bleme mit dem Timing und ist zu spät dran. Dann erkennen wir sein Spiel, weil wir sehen, es gab nicht wirk­lich einen Anlass. Beim Film würde man sagen: Das lösen wir im Schnitt. Hier würde ich sagen: Das lösen wir durch Trai­ning.

Bester Neben­dar­steller: Miroslav Klose
Wenn du auf einer Bühne oder in der Arena stehst, ist es prak­tisch unmög­lich, du selbst zu sein. Das ist ein so künst­li­cher Rahmen, du musst in diesem Moment etwas her­stellen. Jeder legt sich dafür etwas zurecht, und sei es unter bewusst. Kevin-Prince Boateng macht den Ghetto-Rapper, und Miroslav Klose spielt dann den netten Miro. Das ist nicht zwangs­läufig authen­tisch, es ist ein Spiel, Koket­terie. Klose ist nicht blöd, er wird irgend­wann gemerkt haben, dass das ankommt. Seine Eitel­keit ist die Beschei­den­heit. Das ist seine Rolle, die hat er kul­ti­viert – und er spielt sie gut.

Ehr­lichster Schau­spieler: David Luiz
Es gibt diese Szene: David Luiz liegt an der Eck­fahne, windet sich, mit dem Rücken zum Schiri – und grinst in die Kamera. Das Lachen spielt mit der vierten Ebene, wie Woody Allen, wenn er in die Kamera spricht. Mit den Fans geht Luiz so das stille Ein­ver­ständnis ein: Ihr seht’s ja eh, dass ich schummle – also guckt mal, wie toll ich die Schwalbe mache. So wird der Zuschauer zum Ver­bün­deten – und ihn will man ja auch nicht ver­ar­schen, nur den Schieds­richter. Wenn er pfeift, hast du alles richtig gemacht, auch wenn das Sta­dion buht. Das Ziel ist der Frei­stoß und nicht der Applaus.