Heinz-Dieter Lömm, Sie haben mit dem Wup­per­taler SV zunächst einen sen­sa­tio­nellen vierten Platz in der Bun­des­liga erreicht und wären in der Fol­ge­saison 1973/1974 fast abge­stiegen. Wie wird man so schnell zum Abstiegs­kan­di­daten?
Wir waren in unserem ersten Jahr in der Bun­des­liga eine Bom­ben­truppe. Aber zur nächsten Saison wurden im Verein fal­sche Ent­schei­dungen getroffen. Die Neu­ein­käufe haben über­haupt nicht zu unserer Mann­schaft gepasst und der Trainer hat es ver­passt, die Mann­schaft zu ver­jüngen.

Mit Willi Neu­berger konnte der Wup­per­taler SV doch sogar einen Natio­nal­spieler ver­pflichten.
Das war der größte Fehler. Willi hat damals fast eine Mil­lion Mark gekostet, davon hätten wir uns fünf junge Spieler holen können. Am Ende, ich will Willi nicht zu nahe treten, muss man sich fragen, was er uns gebracht hat. Manchmal habe ich sogar das Gefühl gehabt, dass ihn der Wup­per­taler SV über­haupt nicht inter­es­siert hat. Ob wir am Ende der Saison abge­stiegen wären oder nicht, das hat Willi nicht gejuckt. Sowas macht inner­halb einer Mann­schaft die Runde und wer hat in so einer Situa­tion denn noch Lust auf­zu­laufen? Ich denke, den Fehler muss sich unser Trainer Horst Buhtz ankreiden lassen.

Letzt­lich hat es nur noch für den Klas­sen­er­halt gereicht. Wie war die Aus­gangs­lage vor dem letzten Spieltag?
Wir brauchten min­des­tens einen Punkt in Stutt­gart und For­tuna Köln, unser direkter Kon­kur­rent, musste in Offen­bach ver­lieren. Gott sei Dank haben sie uns den Gefallen getan und 0:4 ver­loren.

Wie war die Stim­mung vor dem ent­schei­denden Spiel?
Es war nicht so, dass wir total nervös waren. Wir wussten, dass wir den VfB zumin­dest kämp­fe­risch bei­kommen konnten. Ich hatte keine Zweifel, dass wir uns retten würden.

Bis kurz vor dem Ende sah es für ihre Mann­schaft aller­dings nicht beson­ders gut aus. Der VfB führte mit 2:1 – dann kam ihr großer Moment. Der Größte ihrer Kar­riere?
Das kann man schon so sagen. Zumin­dest war es der wert­vollste Treffer meiner Kar­riere. Auch wenn ich zugeben muss, dass der Ball sogar noch abge­fälscht wurde.

Und danach gab es in Wup­pertal kein Halten mehr?
Natür­lich haben wir uns gefreut. Aber viel mehr habe ich mich in der Folge dar­über geär­gert, wie in Wup­pertal wieder die glei­chen Fehler gemacht wurden. Zu dieser Zeit haben beim WSV Leute das Sagen gehabt, die vom Fuß­ball keinen blassen Schimmer hatten. Bei den meisten Ent­schei­dungen haben wir die Hände vor dem Kopf zusam­men­ge­schlagen. Wer weiß, wo der Wup­per­taler SV heute stehen würde, wenn damals andere Leute den Verein geführt hätten?

Was lief falsch?
Unser Trainer war der Ein­zige mit Fuß­ball­sach­ver­stand. Aber nach dem glück­li­chen Klas­sen­er­halt hätte uns ein neuer Trainer gut getan. Horst hatte sich ein­fach abge­nutzt. Im Grunde genommen wussten wir schon vor jedem Trai­ning, was in der nächsten Stunde auf uns zukommt.

Klingt als wäre der Abstieg im dar­auf­fol­genden Jahr vor­pro­gram­miert gewesen?
Der war abzu­sehen. Ich habe mich im Fol­ge­jahr mit unserem Vor­stand ver­hoben, indem ich unseren Manager öffent­lich einen Oster­hasen nannte. Dar­aufhin wurde ich vom Verein sus­pen­diert. Die Ent­wick­lung, die dieser Verein in diesen Jahren durch­ma­chen musste, ist an Trau­rig­keit nicht zu über­bieten. Am Ende muss man leider sagen, dass diese Leute den Verein regel­recht hin­ge­richtet haben.