11FREUNDE WIRD 20!

Kommt mit uns auf eine wilde Fahrt durch 20 Jahre Fuß­ball­kultur: Seit dem 23. März ist​„DAS GROSSE 11FREUNDE BUCH“ auf dem Markt, mit den besten Geschichten, den ein­drucks­vollsten Bil­dern und skur­rilsten Anek­doten aus zwei Jahr­zehnten 11FREUNDE. In unserem Jubi­lä­ums­band erwarten euch eine opu­lente Werk­schau mit unzäh­ligen unver­öf­fent­lichten Fotos, humor­vollen Essays, Inter­views und Back­s­tages-Sto­­ries aus der Redak­tion. Beson­deres Leckerli für unsere Dau­er­kar­ten­in­haber: Wenn ihr das Buch bei uns im 11FREUNDE SHOP bestellt, gibt’s ein 11FREUNDE Notiz­buch oben­drauf. Hier könnt ihr das Buch be­stellen.

Außerdem prä­sen­tieren wir euch an dieser Stelle in den kom­menden Wochen wei­tere spek­ta­ku­läre Repor­tagen, Inter­views und Bil­der­se­rien. Heute: das Genie George Best.

11 Freunde Das große 11 Freunde Buch Kopie

Wenn es zu spät zur Umkehr ist, kann man sich nur noch zu Tode saufen oder ver­su­chen, dem Teufel große Werke zu errichten.“ (Iri­sches Spricht­wort)

Er hatte sich für die erste Alter­na­tive ent­schieden und es end­lich hinter sich gebracht.War auf die andere Seite über­ge­wech­selt und über­rascht haben dürfte es nie­manden. Man hatte es kommen sehen, seit wie vielen Jahren eigent­lich schon? Es war wohl mehr als seine Kar­riere, deren unrühm­li­ches Ende mehr als 20 Jahre zurück­liegt, ange­dauert hat. Was danach noch folgte, war eine ein­zige Freak­show. Obwohl es einen im Grunde einen Dreck angeht, wird man wütend. Wer auch nach der Leber­trans­plan­ta­tion wei­ter­säuft wie tau­send Russen, der hat selbst Schuld. Als ob es um Schuld ginge, oder darum, wer Mit­leid ver­dient.

Der viel­leicht nicht größte, mit gewisser Wahr­schein­lich­keit aber cha­ris­ma­tischste Fuß­baller aller Zeiten ist tot. Andere haben häu­figer Titel abge­räumt und mehr Tore geschossen, aber kaum einer reprä­sen­tierte seine Zeit so nach­haltig wie George Best. Und wenn die Zeit, für die er stand, immer stehen wird, nun einmal die­je­nige ist, die einen selbst geprägt hat, dann zählt eben nur sie. It’s as simple as that! Bestie, der Bel­fast Boy, Geordie (wie er in seiner Hei­mat­stadt immer nur hieß), der fünfte Beatle, zu dem man ihn zeit­weise ernannte, hat sich mit wenig Gran­dezza, aber bru­taler Kon­se­quenz unter die Erde gesoffen. He did it his way! Ein letztes Mal.

59 ist noch kein Ster­be­alter

Der runde Sech­zigste, an dem man ihn wohl noch einmal im großen Stil abge­feiert und ihm viel­leicht auch für viele seiner Ent­glei­sungen öffent­lich Abso­lu­tion erteilt hätte, der war ihm nicht mehr ver­gönnt. Nein, 59 ist noch kein Ster­be­alter, und klar, es ist unge­sund, per­ma­nent zu ver­drängen, dass man irgend­wann halt den Preis für seinen Lebens­wandel bezahlt, oder in Bests Fall wohl besser: die Zeche. Trotzdem konnte und wollte man sich einen geläu­terten und alters­milden Bestie, der als elder sta­tesman aus­ge­wo­gene State­ments von sich gibt, auch nicht unbe­dingt vor­stellen.

Außerdem: Bobby Moore, diesen wahren Aus­bund an Serio­sität und in jeder Bezie­hung das krasse Gegen­teil von Best, raffte the big C mit Anfang 50 dahin, und John Lennon wurde mit gerade mal 40 von einem Irren abge­knallt. Und Brendan Behan, das andere iri­sche Schand­maul das in seinem Beritt jeden anderen nach Belieben an die Wand gespielt hat, ertränkte seine gequälte Seele im Whiskey gerade zu der Zeit, als Best anfing groß her­aus­zu­kommen.

Die Frage Where did it all go wrong, Georgie?“ wurde oft genug gestellt. An lai­en­psy­cho­lo­gi­schen Fern­ana­lysen über die Ursa­chen seiner Sucht und seiner Selbst­zer­stö­rung herrscht seit Jahr­zehnten kein Mangel. Genau wie an Ver­su­chen, ihn als letzt­lich Geschei­terten oder Unvoll­endeten zu por­trä­tieren. Erin­nern wir uns lieber an den Fuß­baller George Best, denn als sol­cher war er viel­leicht doch der Größte.

Welche Posi­tion er spielte, war völlig egal

Ver­dammt schwierig, die Magie nach all der Zeit auf einen Nenner zu bringen.Vielleicht war es die enge Ball­füh­rung bei hohem Tempo; viel­leicht die kleinen pro­vo­zie­renden Sides­teps, mit denen er, bevor er sich einen oder meh­rere Kon­tra­henten zur Brust nahm, das geg­ne­ri­sche Publikum her­aus­for­derte; viel­leicht aber auch nur die läs­sige Art, wie er einen Moment lang dastand, unmit­telbar bevor er zu einer Aktion ansetzte, die man so noch nie gesehen hatte: mit lockeren Hüften und in den Knien wie­gend, nicht unähn­lich den Guns­lin­gern aus den ersten Ita­lo­wes­tern, die gerade her­aus­kamen.

Einer seiner furiosen Solo­läufe, bei dem er es mit wehender Mähne, irr­wit­zigem Gleich­ge­wichts­ge­fühl und abgrund­tiefer Ver­ach­tung für alle Blut­grät­schen, die ihn auf­halten wollten, am liebsten mit einem halben Dut­zend Gegen­spieler auf­nahm, das war so etwas wie Schien­bein­surfen und ist, zumin­dest aus bri­ti­scher Per­spek­tive, ein genuines Abbild der Six­ties, so wie der Auf­tritt der Yard­birds in Blow Up“, eine Modenshau mit Twiggy oder die Titel­se­quenz von The Pri­soner“.

Dabei ließ er aber so gut wie nie den nötigen Zug zum Tor ver­missen, was ihn von den Fum­mel­brü­dern süd­eu­ro­päi­scher Prä­gung unter­schied. Er war beid­füßig, sau­schnell und viel robuster, als sein schmaler und auf den ersten Blick so mickrig wir­kender Körper ver­muten ließ. Seine Trick­kiste war viel­leicht nicht ganz so prall gefüllt wie die von Gar­rincha, und weniger zir­kus­kom­pa­tibel wirkte er auch, dafür aber traf er viel öfter ins Tor.