Seite 5: Peter Pan in der Schmuddelecke

Um Busby, der es wie alle Manager seiner Genera­tion gerne sah, wenn Spieler mit spä­tes­tens 20 eine Sand­kas­ten­freundin ehe­lichten, zu besänf­tigen, titu­lierte er jedes zweite Girl, mit dem er sich drei Tage her­um­trieb, als Ver­lobte“. Nur wenn Stanley tod­si­chere Tipps für lang­fris­tige Geld­an­lagen unter­brei­tete, stellte Best die Ohren auf Durchzug, was er später bitter bereute und, infantil wie er nun einmal war, United, das ihn besser hätte absi­chern sollen, zum Vor­wurf machte.

Die oft demü­ti­gende und seinen Unter­gang mit Sicher­heit beschleu­ni­gende Tin­gelei der letzten 20 Jahre wäre zu ver­meiden gewesen, wenn er nur ein biss­chen besser vor­ge­sorgt hätte. Aber auch in jener Zeit, als er im Duo mit Rodney Marsh den Ele­fan­ten­friedhof des Public Spea­king Cir­cuit unsi­cher machte und sich bei Sky TV als Gast­kom­men­tator ver­dingte (und das waren noch die seriö­seren Jobs), bewahrte er sich zumin­dest so viel Klasse, nicht – wie etwa Jimmy Greaves – unter seinem Namen eines jener hyper­pein­li­chen Alkohol ist keine Lösung“-Bekenntnisbücher schreiben zu lassen.

1968: Drei schnee­weiße Jaguars

Aber in den Mid­six­ties kam die Kohle in rauen Mengen herein und wurde auch gleich wieder mit beiden Händen unter die Leute gebracht, was aber kaum ver­wun­derte, denn in Man­chester wurde ja schließ­lich der Kapi­ta­lismus erfunden. So folgten bei­spiels­weise auf den him­mel­blauen Sun­beam Alpine, der auf unzäh­ligen Fotos ver­ewigt ist, in rascher Folge immer schnel­lere und schnit­ti­gere Karossen. Allein im Jahr 1968 arbei­tete sich Best durch drei schnee­weiße Jaguars. Und Papa Dickie, der immer sein größter Fan bleiben wird, bekam einen Fish-and-Chip-Shop spen­diert, damit er aus der Kno­chen­mühle seines Werft­ar­bei­ter­jobs heraus kam. Kaum zu glauben, aber wahr: Best war ver­mö­gend und einer der popu­lärsten jungen Männer des Landes, hauste aber immer noch in einem Pen­si­ons­zimmer und musste sich für seine Sauf­touren und amou­rösen Eska­paden davon­stehlen wie ein Pen­näler auf Klas­sen­fahrt.

Für ihre One Night Stands mie­teten er und Sum­merbee, der von City ähn­lich karg unter­ge­bracht war, zwar ein Apart­ment an, den­noch blieb er der schrul­ligen Mrs. Ful­laway, bei der United seit Men­schen­ge­denken aus­wär­tige Nach­wuchs­spieler ein­quar­tierte, fast zehn Jahre lang treu. Erst 1970 ging er einem total durch­ge­knallten Star­ar­chi­tekten auf den Leim, der mit Bests Geld sein Traum­haus baute, für das futu­ris­ti­scher Alb­traum“ noch eine dezente Beschrei­bung war.

Innen war, wie in einer James-Bond-Par­odie, alles voll­au­to­ma­tisch, aber wenn man auf den Knopf drückte, durch den die Jalou­sien her­ab­sinken sollten, lief die ver­senk­bare Bade­wanne voll. Und da der ein­stö­ckige Kasten an allen Seiten hohe Pan­ora­ma­fenster hatte, blieb auch sein häus­li­ches Leben schön trans­pa­rent, denn im Vor­garten kam­pierten immer irgend­welche Mädels, die oben­drein die Gold­fi­sche aus dem von einem Land­schaft­gärtner ange­legten Teich klauten.

Ein Rebell war er dann doch nicht

Nein, ein Rebell, wie so oft vor­schnell behauptet, war Best dann wohl doch nicht, dazu hatte er es sich viel zu lange auf Kosten anderer viel zu gut gehen lassen. Aber er hat sich, ob aus purem Trotz oder weil er wie Peter Pan ein­fach nicht erwachsen werden konnte, nach dem Ende seiner aktiven Zeit gleich frei­willig in die Schmud­del­ecke getrollt und dabei kon­se­quent eine Ver­wei­ge­rungs­hal­tung durch­ge­halten, die ihn eben nicht so werden ließ, wie es von einem Spieler seiner Klasse und Bedeu­tung eigent­lich erwartet wurde, wie die Pelés, Pla­tinis, Cruyffs und Becken­bauers, die alle auf ihre Weise daran mit­ge­wirkt haben, dass der inter­na­tio­nale Spit­zen­fuß­ball kaum noch mehr ist als der belie­bige Zweig einer immer ent­seel­teren Enter­tain­ment­in­dus­trie, die sich wie ein Krebs­ge­schwür unauf­haltsam um die Welt frisst.

Ein paar Tage nach Bests Tod fand das als WM-Grup­pen­aus­lo­sung getarnte Zom­bie­treffen statt, bei dem einige Alt­stars (Pelé natür­lich vor­neweg), vor­ge­führt wie die Tanz­bären, mal wieder brav Pföt­chen geben und ihr Sprüch­lein auf­sagen durften. Da war es schon lust­voll, sich mal kurz vor­zu­stellen, welch herr­li­chen Eklat es gegeben hätte, wenn mitten in der pein­li­chen Show Bestie gut ange­bal­lert daher­ge­wankt gekommen wäre, um Hallo zu sagen und dem ewig grin­senden Model, das genau seiner Kra­gen­weite ent­spro­chen hätte, seine Auf­war­tung zu machen.