Den Laden sofort dicht­ma­chen! Pep Guar­diola noch vor Ablauf der Saison feuern! Karl-Heinz Rum­me­nigge, Mat­thias Sammer und all die anderen gleich hin­terher! Ach, am besten wäre es ver­mut­lich, wenn man alles ein­fach kom­plett auf­lösen und noch mal ganz von vorne anfangen würde. Mit Jupp Heynckes als König von Bayern.
 
Wer sich am Mitt­woch­abend wäh­rend der regu­lären Spiel­zeit zwi­schen Bayern und Juventus ein biss­chen durch die sozialen Netz­werken klickte, musste tat­säch­lich glauben, dass der FC Bayern und der gesamte Frei­staat kurz davor waren, von der Land­karte zu ver­schwinden. Es fehlte nur ein Pop-Up-Fenster auf dem Fern­seh­bild­schirm mit der Nach­richtt: Sie können Bayern jetzt aus­schalten.“ Ein Aus im Ach­tel­fi­nale des Euro­pa­po­kals: Wann hatte es das zuletzt gegeben? Ver­mut­lich irgend­wann, als Helmut Kohl noch Kanzler war.

Erfolg ohne Titel?
 
Es mag eine Binse sein, dass Fuß­ball oft ein großes Glücks­spiel ist. Eine Sache, in der eine Extra­mi­nute, eine Zehen­spitze, der Pfosten oder eben der Kopf von Thomas Müller die Bewer­tung einer ganzen Ära maß­geb­lich beein­flussen kann. In der man in der einen Sekunde der größte Ver­sager und einen die Fans mit Mist­ga­beln aus der Stadt jagen. In der man aber auch in der nächsten Sekunde schon in einem gol­denen Palast sitzt, wäh­rend einem devote Anhänger Trauben und Wein dar­rei­chen. 
 
Einige Medien hätten am Don­nerstag das ver­meint­liche Desaster eines Aus­schei­dens sicher­lich sach­lich ein­ge­ordnet, hätten erklärt, dass Erfolg nicht immer nur Titel bedeuten. So wie Pep Guar­diola es seit Wochen gebets­müh­len­artig wie­der­holt. Sie hätten darauf hin­ge­wiesen, dass er, auch wenn er in seinen drei Jahren nie die Cham­pions League nach Mün­chen holte, tat­säch­lich der Trainer war, der jeden Spieler jeden Tag ein biss­chen besser gemacht hat.

Was würde unterm Strich wohl bleiben?
 
Aber wäre das der Grund­tenor? Auch in dieser Redak­tion gehen seit Wochen die Mei­nungen dar­über aus­ein­ander, wie die Bayern-Zeit Pep Guar­diolas zu bewerten sei. Einige Kol­legen behaupten, dass er der beste Trainer sei, den der Klub je hatte. Trotz Udo Lattek. Trotz Jupp Heynckes.
 
Andere glauben, dass er ein­fach die besten Vor­aus­set­zungen in der Geschichte dieses Ver­eins vor­fand. Auch sie fragten am Mitt­woch, irgend­wann nach dem 0:2 durch Turins Juan Cuadrado, was unterm Strich wohl bleiben würde. Zwei oder drei Deut­sche Meis­ter­schaften, dazu ein oder zwei DFB-Pokal-Siege. Aber sonst? Von einem Trainer, der vor drei Jahren in Mün­chen gelandet war wie ein Außer­ir­di­scher und von dem man annahm, er könnte mit den Bayern sogar Welt­meister werden, hätte man an der Säbener Straße doch mehr erwarten müssen als eine Bilanz, die selbst Felix Magath in seiner Vita stehen hat.

Es ist das Per­verse und zugleich das Fas­zi­nie­rende dieses Sports, dass die kleinsten Dinge oft über größten Kar­rieren ent­scheiden. Dass man am Ende dasteht mit all diesen Was wäre, wenn“-Fragen, auf die es nie eine Ant­wort geben kann.