Bayers Trainer Klaus Quin­kert hatte inner­halb von fünf Jahren aus Ver­bands­liga-Ama­teuren ein Pro­fi­team geformt. Wie das ging? Mit ehr­li­cher Arbeit, echter Freund­schaft und großem Team­geist. Wir sind wie eine große Familie“, flos­kelte Quin­kert einmal. Dabei mussten die Kre­felder für den Auf­stieg tat­säch­lich hart ackern. An der Zwei­brü­cker Straße lag Bayer gegen Pir­ma­sens schnell 2:4 hinten. Peter Falkes und Wolf­gang Lüttges gli­chen schließ­lich zum 4:4‑Endstand aus. Im Rück­spiel zer­legte Falkes die Pfälzer bei­nahe im Allein­gang, drei Tore und zwei Vor­lagen steu­erte er zum 6:0‑Sieg bei. Die Familie war auf­ge­stiegen! Und die Familie fei­erte! Die Spie­ler­frauen schenkten ihren Män­nern eine rie­sige selbst­ge­ba­ckene Torte zum Auf­stieg. Auf der Spitze thronte ein Bayer­kreuz aus Mar­zipan.

Was für eine Dra­matik! Das Hin­spiel gewann Bie­le­feld mit 4:0. Nichts leichter als das: Sechs Tage später siegte Mün­chen mit exakt dem­selben Ergebnis. Vor dem Ent­schei­dungs­spiel in Frank­furt ras­selten sie eifrig die Säbel. Gegen­seitig warf man sich unsport­li­ches Ver­halten und zu hartes Spiel vor. Der Feld­kamp soll sich mal den Hin­tern von Ahmet Gla­vovic angu­cken“, pöbelte etwa 1860-Prä­si­dent Erich Riedl. Armi­nias Coach schaute sich den Hin­tern nicht an. Dafür ließen die Ost­west­falen aus­ge­wählte Auf­nahmen des zweiten Spiels über die TV-Geräte der großen Bie­le­felder Kauf­häuser laufen. So wollte man die angeb­liche Bru­ta­lität der Mün­chener beweisen. Arminia-Geschäfts­führer Hans Büttner froh­lockte: Jetzt sehen die Leute, wie die Löwen gegen uns gewütet haben.“ Riedl sprach von Volks­ver­het­zung in Voll­endung“. Und in der Mün­chener Abend­zei­tung empörte sich Im Visier“-Kolumnist Bernd Hil­de­brandt: Fuß­ball muss doch Kriegs­er­satz sein!“

Ein Spiel für Fein­schme­cker. Und ein Beweis dafür, wie sehr TV-Kom­men­ta­toren in den sieb­ziger Jahren noch auf Unpar­tei­lich­keit geeicht waren. Hier das Video zum ent­schei­denden Spiel:

Beson­ders inter­es­sant wird es am Ende: Willi Götz schießt in der 84. Minute das 2:1 für Bayer Uer­dingen (das Hin­spiel endete 1:1). Es ist nicht irgendein Treffer, es ist ein Traumtor, eine Peit­sche aus 23 Metern, Innen­pfosten, drin. Die Mit­spieler reißen Götz zu Boden. Der Jubel ihres Lebens. Und der Kom­men­tator? Der schreckt für eine Sekunde hoch. Ahnt er, dass es einer der größten Tage in der Geschichte von Bayer Uer­dingen ist? Das ist Götz, 84. Minute!“ Doch dann besinnt er sich und redet weiter als mensch­ge­wor­dene Tenor-Block­flöte: Das 2:1. Ein glück­li­cher Schuss, aber Glück muss man haben.“

Eine Anein­an­der­rei­hung von Essener Fehl­tritten, die man eigent­lich mal mit Didi Hal­ler­vorden ver­filmen sollte. Zunächst ließ Trainer Willi Ente“ Lip­pens eine Video­ana­lyse über den Karsl­ruher SC anfer­tigen. Als er den Film auf der Mann­schafts­sit­zung prä­sen­tieren wollte, sahen seine Spieler: nichts. Die Auf­nahmen waren falsch belichtet worden. Ohne Vor­be­rei­tung ging das erste Spiel in Karls­ruhe mit 1:5 ver­loren. Lip­pens gab seine Elf den­noch nicht ver­loren: Wir werden in Essen stürmen auf Teufel komm raus!“ Kurze Zeit später tauchte KSC-Spieler Ger­hard Busch beim Trai­ning der Rot-Weissen auf. Die Sache flog auf, weil Lip­pens ihn 24 Stunden später vom Gelände schmiss. Der Kicker“ rät­selte, was Busch über­haupt bei RWE wollte. Sollte er wech­seln? War er ein Spion? All den Eska­paden zum Trotz kratzten die Essener wenige Tage später an einer Sen­sa­tion. In der 72. Minute schoss Frank Mill das 3:0. Es fehlte nur noch ein Tor – bis Uwe Dittus sieben Minuten vor Schluss das 3:1 machte.

Die Aus­gangs­si­tua­tion war außer­or­dent­lich schlecht. Köln hatte das Hin­spiel 2:0 gewonnen. Somit musste Dort­mund mit drei Toren Unter­schied gewinnen, um in der Bun­des­liga zu bleiben. Zwei Tore Unter­schied reichten für ein Ent­schei­dungs­spiel. Für Jürgen Weg­mann war es ein beson­dere Partie, er hatte kurz zuvor seinen Wechsel zum Rivalen Schalke 04 ver­kündet. Ver­gessen waren meine 14 Sai­son­tore, sie nannten mich ›Judas‹ und pfiffen mich aus“, sagte der Stürmer später einmal in einem Inter­view mit 11FREUNDE. Noch in der 90. Minute stand es 2:1 für den BVB. Weg­mann: Es brauchte nicht schön zu sein, aber rein musste er doch, dieser ver­dammte Ball. Dann kam die 90. Minute. Radu, Pagel, Radu, und plötz­lich kommt der Ball hoch in den Straf­raum, Ingo Ander­brügge zieht ab, und Jarecki, der bis dahin alles, aber auch wirk­lich alles gehalten hat, macht den ein­zigen Fehler in diesem Spiel und lässt den Ball abprallen.“ Dort stand Weg­mann – und schob ein. Es war der Jubel des Jahr­hun­derts!“ Das Ent­schei­dungs­spiel gewann Dort­mund mit 8:0.

St. Paulis Fred Klaus traf in Hom­burg schon nach drei Minuten zum 1:0. Doch der Bun­des­li­gist drehte den Spieß und gewann 3:1. Am Mill­erntor gewann der FC St. Pauli 2:1 – und verlor somit in der Gesamt­rech­nung 3:4. Nach dem Rück­spiel sagte St.Paulis Trainer Willi Rei­mann: Rele­ga­tion geht an die Nerven. Das ist wie eine Lot­terie, da ent­scheiden Klei­nig­keiten wie fal­sche Schieds­richter-Pfiffe.“ In Hom­burg wurde indes groß gefeiert. Prä­si­dent Man­fred Ommer ver­sprach für den Fall des Klas­sen­er­halts einen echten Knüller“. Auf der Gerüch­te­börse tauchten auch die Namen Jean Tigana und Pierre Litt­barski auf. Es kam: Michael Blättel. 

Drama, baby! Und zwar in jeder Partie! Im Hin­spiel drehten Darm­stadts Dieter Gutzler (63.), Oliver Pos­niak (66.) und der ein­ge­wech­selte Guang­ming Gu (73.) einen 0:2‑Rückstand in einen 3:2‑Sieg. Im Rück­spiel schien wieder alles gelaufen, als Wald­hofs Peter Lux in der 86. Minute zum 2:0 traf. Doch wieder kamen die Lilien zurück. Uwe Kuhl erzielte in der 88. Minute das Tor zum Ent­schei­dungs­spiel. Dieses fand am 9. Juni 1988 in Saar­brü­cken statt. Nach 120 Minuten stand es immer noch 0:0, es ging zum ein­zigen Mal in der Geschichte der Rele­ga­tion ins Elf­me­ter­schießen. Dort hatte Darm­stadts Karl-Heinz Emig als fünfter Schütze den Auf­stieg in der Hand, doch er ver­schoss. Mann­heim siegte 5:4. Emig stam­melte nach dem Spiel mit trä­nen­ver­schmiertem Gesicht: Mir ist so unwahr­schein­lich schlecht!“ Darm­stadt erholte sich nie wieder von dieser Nie­der­lage. 1993 stieg der Klub in die 3. Liga ab, 1998 spielte er erst­mals viert­klassig.

Das Hin­spiel hatte der VfL Bochum in Saar­brü­cken durch ein Elf­me­tertor von Torsten Legat mit 1:0 gewonnen. Doch für Andreas Wes­sels, Tor­wart beim VfL, war das kein Grund zur Freude. Vor dem Rück­spiel schimpfte er: Alles ist schlecht: die Stim­mung, das Wetter, der Platz.“ Gerade mal 20.000 Zuschauer ver­irrten sich ins Ruhr­sta­dion. Saar­brü­cken führte schnell 1:0 und ent­fachte einen Sturm­lauf son­der­glei­chen. Anthony Yeboah, der junge Stürmer beim FCS, tauchte immer wieder vor Wes­sels auf, doch der parierte alles. Später wurde er von Mit­spie­lern und Fans gefeiert. Das Lob gab der Keeper aber weiter. Zum Bei­spiel an Thorsten Legat: Er war der beste Fuß­baller, mit dem ich in meinem ganzen Leben jemals habe spielen dürfen. Seine fuß­bal­le­ri­schen Fähig­keiten waren gran­dios.“

Am Mill­erntor führte der Kiez­klub lange Zeit durch ein Tor von Andre Golke. Doch der spä­tere St.Pauli-Stürmer Marcus Marin ega­li­sierte zwei Minuten vor Ende der Partie. Das Rück­spiel endete eben­falls 1:1, obwohl der FC St. Pauli nach einer Roten Karte für Dirk Zander ab der 37. Minute zu zehnt spielte. St.Pauli-Präsident Heinz Weisner tönte nach dem Schluss­pfiff: Tot­ge­sagte leben länger!“ Das Ent­schei­dungs­spiel im Gel­sen­kir­chener Park­sta­dion gewannen die Kickers aller­dings mit 3:1. Der FC St. Pauli hatte damit das Kunst­stück geschafft, sowohl als Zwei­li­gist (1987) als auch als Bun­des­li­gist in der Rele­ga­tion zu schei­tern. Die 10.000 mit­ge­reisten St.Pauli-Fans skan­dierten den­noch: Nur ein Jahr, Zweite Liga, nur ein Jahr!“

Für Experten war Glad­bach schon lange abge­stiegen. Zwi­schen­zeit­lich blieb das Team neun Spiele ohne Sieg und verlor fünf Mal in Folge. Zwi­schen dem 13. und 30. Spieltag hielt die Borussia wacker die rote Laterne und noch am 22. Spieltag fehlten Glad­bach sieben Punkten auf den Rele­ga­ti­ons­platz. Doch dann kam Lucien Favre – und mit ihm der Fuß­ball. Am 31. Spieltag gelang der Sprung auf Platz 17. Am 33. Spieltag rutschte Glad­bach nach einem Sieg gegen Frei­burg auf den 16. Rang. Dra­ma­tisch blieb es auch in der Rele­ga­tion gegen den VfL Bochum. Im Hin­spiel traf Igor De Camargo erst in der Nach­spiel­zeit zum 1:0‑Siegtreffer. Um genau zu sein: Nach 92 Minuten und 19 Sekunden. Dabei hatte der vierte Offi­zi­elle nur zwei Minuten Nach­spiel­zeit ange­zeigt. VfL-Coach Fried­helm Funkel tobte. Ein Wort­ge­fecht mit Schieds­richter Gün­ther Perl soll so geendet haben: Da freust du dich doch drüber!“ Das Rück­spiel endete 1:1. Glad­bach blieb in der Ersten Liga, und legte eine ful­mi­nante Fol­ge­saison hin. Diesen Sommer spielt der Klub in der Cham­pions-League-Qua­li­fi­ka­tion.