Das Leben fängt an, wo Fuß­ball auf­hört.“ Diesen Satz soll Gün­ther Netzer gesagt haben. Zumin­dest ist dieser viel­zi­tierte Aus­spruch mitt­ler­weile bei gute​zi​tate​.com gelandet. Unab­hängig von seinem Wahr­heits­ge­halt, beginnt für Fuß­baller nach ihrer aktiven Kar­riere unzwei­fel­haft ein gänz­lich neues Kapitel. So auch für Ste­phan Licht­steiner. Im ver­gan­genen Sommer been­dete der lang­jäh­rige Kapitän der Schweizer Natio­nal­mann­schaft seine Kar­riere. Und fängt nun etwas gänz­lich Neues an: Er will Uhr­ma­cher werden.

Eine unge­wöhn­liche Wahl. Die meisten Ex-Profis bleiben in der Regel im Fuß­ball­ge­schäft. Andere suchen auf benach­bartem oder angren­zendem Ter­rain eine neue Her­aus­for­de­rung. So soll sich bereits jemand ins Wrest­ling-Busi­ness ver­irrt haben. Ganz andere wie­derum werden Winzer oder schreiben Bücher. Ste­phan Licht­steiner gehört eher zu letz­teren Kate­gorie, wobei er dem Fuß­ball nicht voll­ends abge­schworen hat.

An Schräub­chen drehen

Der ehe­ma­lige Außen­ver­tei­diger Ste­phan Licht­steiner hat nun ein sechs­mo­na­tiges Prak­tikum beim Züri­cher Uhr­ma­cher Mau­rice de Mau­riac begonnen. Im Inter­view mit dem Schweizer Portal 20min​.ch beteuert er, sich immer schon für Uhren inter­es­siert zu haben. Nun wolle er das Hand­werk lernen: Wie funk­tio­niert eine Uhr, wie nehme ich sie aus­ein­ander und setze sie dann auch wieder richtig zusammen? Daneben erhoffe ich mir auch Ein­blicke in die ganze Uhren­branche. Gerade in der Schweiz herrscht dort ein extrem hohes Niveau”, so Licht­steiner.

Auf hohem Niveau hat der Schweizer auch im Pro­fi­fuß­ball­ge­schäft gespielt. Ins­ge­samt bestritt er über 600 Pro­fi­spiele. Seine längste Zeit ver­brachte er bei Juventus Turin, wo er sieben Jahre lang spielte und ins­ge­samt 14 Titel gewann. 2018 ver­ließ er die alte Dame und wech­selte für ein Jahr zum FC Arsenal. Anschlie­ßend hing der 108-fache Schweizer Natio­nal­spieler ein wei­teres Jahr beim FC Augs­burg dran, ehe er seine Kar­riere im ver­gan­genen Sommer mit 36 Jahren been­dete.

Tau­sche Hand gegen Fuß

Wäh­rend in seinem bis­he­rigen Leben vor allem Licht­stei­ners Fähig­keiten mit dem Fuß gefragt waren, muss er nun eine ruhige Hand bewahren. Par­al­lelen zwi­schen den beiden Bran­chen sieht er den­noch: Oft­mals reicht es, an einem kleinen Schräub­chen zu drehen, um einen grossen Effekt zu erzielen. Das gilt für den Fuss­ball genauso wie für Uhren.”

Wäh­rend seines sechs­mo­na­tigen Prak­ti­kums soll Licht­steiner die Ent­ste­hung eines mecha­ni­schen Chro­no­gra­phen, seiner Lieb­lingsuhr, der L3 sees red, von Grund auf ken­nen­lernen.“ So steht es auf der Home­page des Uhren­her­stel­lers. In einem Blog­ein­trag wird der neue Lehr­ling vor­ge­stellt, ergänzt durch hoch­auf­lö­sende, gekonnt in Szene gesetzte Bilder. Einen gewissen Mar­ke­ting­cha­rakter kann man dieser Aktion nicht abspre­chen.

Bank­kauf­mann, Pro­fi­fuß­baller, Uhr­ma­cher

Auch wenn er die Zeit nie vor­spulen konnte, an die Zukunft hat Ste­phan Licht­steiner bereits früh in seiner Kar­riere gedacht. So schloss er 2004 noch als aktiver Profi seine Lehre als Bank­kauf­mann ab. Dabei lernte er, mit Rück­schlägen umzu­gehen und nicht auf­zu­geben, auch wenn er alle Prü­fungen nicht auf Anhieb bestand: Das war eine grosse Ent­täu­schung. Ich habe mich aber durch­ge­bissen und alle Prü­fungen beim zweiten Ver­such erfolg­reich absol­viert. Das war für meine per­sön­liche Ent­wick­lung eine sehr wich­tige Erfah­rung“, sagt Licht­steiner gegen­über gateaway.one.

Als Bank­kauf­mann musste Licht­steiner jedoch nicht arbeiten, dafür lief seine Pro­fi­kar­riere zu erfolg­reich. Nach 18 erfolg­rei­chen Pro­fi­jahren hat den Fuß­ball den­noch nicht satt. Eine Funk­tion im Trai­ner­be­reich kann sich der Schweizer durchaus vor­stellen: Da bin ich dran. Meine ersten Diplome konnte ich bereits machen. Ich könnte mir später gut ein Prak­tikum bei einem Verein oder viel­leicht sogar eine Posi­tion als Assis­tenz­trainer vor­stellen. Ich möchte meinen Trainer-Ruck­sack mit mög­lichst vielen Erfah­rungen füllen.“ Doch bevor Licht­steiner auf der Trai­ner­bank Platz nimmt, lernt er erstmal wie Uhren ticken.