Teddy de Beer, sind Sie nach den Fei­er­lich­keiten zur Meis­ter­schaft eigent­lich schon wieder kom­plett nüch­tern?
Teddy de Beer: Natür­lich. Es war auch nicht mehr ganz so extrem, denn die Feierei hat seit dem Sieg gegen Schalke am 31. Spieltag ange­fangen, als die Meis­ter­schaft prak­tisch sicher war. Da muss man irgend­wann auch mal run­ter­fahren.

Hat sich die Mann­schaft etwa schon an die Feierei gewöhnt?
Teddy de Beer: Das genießen wir alle schon noch. Der Moment der Scha­len­über­gabe ist immer ein Gän­se­h­aut­mo­ment. Aber die explo­si­ons­ar­tige Freude war dieses Jahr viel­leicht nicht mehr ganz so vor­handen wie 2011.

Am Samstag wartet schon wieder das nächste High­light mit dem DFB-Pokal­fi­nale gegen Bayern Mün­chen. Für Sie ist es bereits die dritte Teil­nahme als Aktiver und Trainer. Sind Sie trotzdem noch auf­ge­regt?
Teddy de Beer: Bei mir geht es schon beim Abschluss­trai­ning im Olym­pia­sta­dion los. Wenn ich in diesem tollen Sta­dion unten auf dem Platz stehe, läuft es mir schon kalt den Rücken runter, obwohl das Sta­dion ja eigent­lich leer ist. Und am Finaltag selber bin ich sicher­lich nervös.

Beim letzten Pokal­sieg von Borussia Dort­mund 1989 gegen Werder Bremen standen Sie noch selbst im Tor.
Teddy de Beer: Ich habe vor kurzem mit unserem Sta­di­on­spre­cher Nor­bert Dickel, der damals bei uns im Sturm spielte, eine Zusam­men­fas­sung des Spiels kom­men­tiert. Da kamen all die Erin­ne­rungen wieder hoch. Wir lagen 0:1 hinten, gli­chen durch Nobby schnell aus, kurz vor der Pause hielt ich einen Kopf­ball von Rune Bratseth. In der zweiten Halb­zeit schoss Frank Mill das 2:1, und dann kam dieses legen­däre Vol­leytor zum 3:1 von Nor­bert Dickel.

Sah der Treffer von Dickel von Ihrem Tor auch so schön aus?
Teddy de Beer: Absolut. Aus der Posi­tion schießt kein Mensch, nur Nor­bert Dickel. Dann mar­kiert Michael Lusch den 4:1‑Endstand. Den Pokal durfte ich als Zweiter nach unserem Kapitän Michael Zorc in Emp­fang nehmen und das Ding erstmal küssen. Das waren schöne Momente.

In der dies­jäh­rigen Pokal­saison traf die Borussia aus­schließ­lich auf unter­klas­sige Teams.
Teddy de Beer: Das stimmt, aber die haben uns alles abver­langt.

Im Ach­tel­fi­nale in Düs­sel­dorf siegte Dort­mund erst im Elf­me­ter­schießen mit 5:4, Roman Wei­den­feller hielt dabei einen Elf­meter. Hatten Sie ihn auf die Schützen vor­be­reitet?
Teddy de Beer: Wir bereiten Roman in jedem Spiel auf die mög­li­chen Schützen vor. Eine Garantie bietet das nicht, aber in diesem Fall hat es geholfen.

Dann folgte das Spiel beim Regio­nal­li­gisten Hol­stein Kiel auf einem völlig ver­eisten Platz. Hatten Sie schon mal solche Platz­ver­hält­nisse erlebt?
Teddy de Beer: Klar, das war früher regel­mäßig der Fall, weil es noch keine Rasen­hei­zungen gab. Doch für unsere Mann­schaft bedeu­tete es eine Rie­sen­um­stel­lung. Da die Platz­ver­hält­nisse abzu­sehen waren, haben wir vorher extra auf ähn­li­chem Unter­grund trai­niert. Die Jungs sind dann im Spiel mit der Platz­si­tua­tion her­vor­ra­gend umge­gangen. Der 4:0‑Sieg war hoch­ver­dient.

Im Halb­fi­nale gegen Greu­ther Fürth kam es zu unrühm­li­chen Szenen nach Spiel­schluss zwi­schen den Mann­schaften. Wie haben Sie die erlebt?
Teddy de Beer: Nach dem Tor für uns, an dem Fürths Tor­wart Jasmin Fejzic über­haupt keine Schuld traf, war ja direkt Schluss. Es war eine sehr inten­sive Partie und das Ende ziem­lich abrupt. Viel­leicht zu abrupt, so dass bei einigen die Emo­tionen zu sehr hoch­kochten. Dass dann einige anein­an­der­ge­raten, pas­siert halt mal. Nächste Saison in der Bun­des­liga gibt es für alle Betei­ligten ja die Chance zur sport­li­chen Revanche.

Nun also am Samstag das Finale gegen Bayern Mün­chen. Ein drittes Mal in dieser Saison den Rekord­meister schlagen – kann das über­haupt klappen?
Teddy de Beer: Selbst­ver­ständ­lich. Wir haben den Vor­teil, dass wir mit der Meis­ter­schaft schon einen Titel haben. Uns kann nichts mehr die Saison ver­ha­geln. Der Druck liegt bei den Bayern, die haben noch gar nichts geholt, und auf einen Sieg im Cham­pions-League-Finale können sie sich auch nicht ver­lassen.

Wich­tige Fak­toren werden wohl die Tor­hüter Manuel Neuer und Roman Wei­den­feller sein.
Teddy de Beer: Keine Frage, auf beide wird es ange­kommen. Das haben wir ja schon in den Liga­spielen gesehen, wo jeweils nur ein Tor fiel. Glück­li­cher­weise für uns. Manuel und Roman sind fan­tas­ti­sche Tor­hüter, die den Unter­schied aus­ma­chen können. Sicher auch am Samstag.