Seite 2: "Man darf sich da nicht reinsteigern"

Die Sport­ma­ga­zine sind seine Basis. Hier findet Luy einen Groß­teil der Spiel­ergeb­nisse. Für den Rest durch­forstet er in Biblio­theken alte Tages­zei­tungen. Eine Sisy­phus­auf­gabe, denn es gab zu dieser Zeit popu­lä­rere Sport­arten. Hat sich ein Redak­teur nicht für Fuß­ball inter­es­siert, standen auch keine Ergeb­nisse drin“, sagt Luy. Er wird nebenbei zu einem erfah­renen Quel­len­kri­tiker. Ver­eins­fest­schriften könne man ver­gessen. Das Internet und Wiki­pedia sowieso. Es kommt durchaus vor, dass er ein Ergebnis trotz inten­siver Suche nicht aus­findig machen kann. Das ärgere ihn zwar, aber groß­artig nach hänge es ihm nicht. Man darf sich da nicht rein­stei­gern“, sagt Luy, der nach eigenen Angaben täg­lich bis zu zehn Stunden in seinem Pri­vat­ar­chiv ver­bringt.

Auch wenn das Internet bei den Recher­chen wenig hilf­reich ist, war es doch der Aus­löser für seine Sam­melwut. Als Kind bekam er von einem Freund den Kicker“-Almanach geschenkt. Darin unter anderem: his­to­ri­sche Ergeb­nisse von Bri­tannia Stettin und dem VfB 1900 Königs­berg. Warum stehen diese Ver­eine in Alma­na­chen, fragte er sich. Eine eigen­ar­tige Sym­biose aus Fuß­ball- und Geschichts­be­geis­te­rung ent­wi­ckelte sich, die aber bald wieder abkühlte.

Erst Anfang der 2000er-Jahre, als er einen Inter­net­an­schluss bekommt, flammt die Lei­den­schaft wieder auf. Auf einmal stehen ihm Sta­tis­tiken zur Ver­fü­gung, von denen er früher nicht mal geträumt hat. Nur das, wonach er eigent­lich sucht, findet Luy auch am PC nicht. Noch immer will er ja wissen, wie das damals war mit Stettin und Königs­berg und mit dem deut­schen Fuß­ball über­haupt. Also beginnt er, selbst ein­zu­tau­chen in die Archive.

Seine Spuren hat Udo Luy im deut­schen Fuß­ball längst hin­ter­lassen. Für den Carl Zeiss Jena gräbt er das ver­schollen geglaubte Ergebnis des ersten Spiels der Ver­eins­ge­schichte aus (2:4 gegen die zweite Mann­schaft des FC Weimar 03), einem ver­dutzten Archivar der TG Würz­burg beweist er, dass sie für vier Jahr eine Fuß­ball­ab­tei­lung hatten, und der ober­schle­si­sche Meister 1922 lautet dank ihm nun kor­rek­ter­weise Ver­ei­nigte Bres­lauer Sport­freunde – und nicht Vik­toria Forst.

Und was ist mit den ganzen Sta­tis­tiken von heute? Lassen Zwei­kampf­werte und gelau­fene Kilo­meter sein Herz schneller schlagen? Er winkt ab. Seine Kölner können 98 Pro­zent Ball­be­sitz haben, wenn sie 1:5 ver­lieren, bringe das auch nichts. Am Ende“, sagt Udo Luy, zählt das Ergebnis.“

Autor: Daniel Böldt