1. Den Abstei­gern fehlt die indi­vi­du­elle Klasse – zumin­dest in Teilen
Aus tak­ti­scher Sicht war der Abstiegs­kampf nicht sehr viel­fältig. Ab einem gewissen Punkt setzten prak­tisch alle Teams auf eine 4 – 4‑1 – 1‑Defensive. Also auf Kom­pakt­heit und auf schnelle Atta­cken über die Flügel. Teil­weise deckungs­gleich waren die Stra­te­gien der bedrohten Klubs, wenn es darum ging, gegen einen Favo­riten aus dem oberen Tabel­len­drittel ein paar Pünkt­chen zu ergat­tern. Frei­burg und Pader­born hatten das Pro­blem, dass sie im Duell ähn­li­cher Spiel­phi­lo­so­phien die schlech­testen Aus­gangs­vor­aus­set­zungen hatten. Ihr Pro­blem war nicht in erster Linie, dass ihre Kader schlechter besetzt waren als die der betuchten Klubs aus Ham­burg, Han­nover oder Stutt­gart. Viel­mehr war das vor­han­dene Talent inner­halb ihres eigenen Kaders ungleich ver­teilt.

Pader­born über­zeugte über weite Teile der Saison mit einem defen­siv­starken Zen­trum, konnte das aber nie mit tem­po­rei­chen und varia­blen Außen­ver­tei­di­gern und ‑stür­mern ver­knüpfen. Frei­burg hat wie­derum in Meh­medi und Schmid zwei enorm talen­tierte Flü­gel­flitzer, ihnen fehlte jedoch oft der Spiel­ge­stalter im Zen­trum, auch weil Kapitän Julian Schuster lange Zeit aus­fiel. Letzten Endes konnten sich so auf den letztem Metern die teuren und breiter besetzten Kader durch­setzen, in denen sich immer noch eine Alter­na­tive auf jeder Posi­tion fand.

2. Haste Scheisse am Fuß, biste Frei­burg
Wer zuletzt die U17-EM in Bul­ga­rien ver­folgt hat, weiß, dass in dieser Alters­klasse 80 statt 90 Minuten gespielt werden. Der frü­here Jugend­coach Chris­tian Streich hätte sich solch eine Rege­lung sicher­lich auch für seine Mann­schaft gewünscht. Denn wenn in der Bun­des­liga eben­falls nach 80 Minuten Schluss wäre, hätte der SC Frei­burg 42 Punkte auf dem Konto und wäre damit fast schon ein Kan­didat für die Europa League.

Nun weiß jeder Fan, dass das Wört­chen wenn“ im Fuß­ball ähn­lich hilf­reich ist wie ein Playboy-Heft­chen für einen Blinden. Doch diese Sta­tistik beweist, wie eng es beim Frei­burger Abstieg eigent­lich zuging. Prak­tisch nie ließen sich die Frei­burger von ihren Geg­nern abschießen, es war stets span­nend bis in die Schluss­mi­nuten – bis der Gegner den ent­schei­denden Treffer erzielte. Nicht umsonst hatte Frei­burg von allen Abstiegs­kan­di­daten das beste Tor­ver­hältnis. Ange­sichts der Frei­burger Abschluss­schwäche und Slap­stick-Gegen­toren in Serie fühlt sich der Frei­burger Abstieg daher unfair, fast schon falsch an. Wahr ist aber auch: Chris­tian Streichs hoch­in­ten­siver Spiel­stil brachte die Mann­schaft oft an ihre kör­per­li­chen Grenzen – und manchmal ging sie dar­über hinaus. Viel­leicht fehlte des­wegen in so man­cher Schluss­phase das letzte Quänt­chen Kon­zen­tra­tion – und Glück.

3. Pader­born wird für feh­lenden Mut bestraft
Dank des Pader­borner Abstiegs dürfen sich zahl­reiche Tipp­spieler über Bonus­punkte freuen. Wer hatte nicht vor der Saison darauf gewettet, dass der Underdog direkt wieder die Erste Liga ver­lässt? Zeit­weise sah es aber so aus, als würde Pader­born alle über­ra­schen. Gerade in der Hin­runde spielte Pader­born ansehn­li­chen Fuß­ball und über­zeugte mit stän­digen Sys­tem­wech­seln und häu­figen Anpas­sungen inner­halb eines Spiels. Andre Brei­ten­reiter wan­derte in puncto Fle­xi­bi­lität zeit­weilig auf den Spuren von Thomas Tuchel und Pep Guar­diola.

Als Pader­born im Ver­lauf der Rück­runde immer weiter in der Tabelle abrutschte, ver­loren die Ver­ant­wort­li­chen jedoch zuneh­mend den Mut. Zuletzt beugte sich Pader­born dem Diktat des Abstiegs­kampfes und setzte auf ein kom­paktes Zwei-Stürmer-System mit zahl­rei­chen Flanken und Flü­gel­at­ta­cken. Die Posi­tionen wurden immer kon­ser­va­tiver besetzt, der Spiel­stil dadurch deut­lich unfle­xi­bler. Gegen Stutt­gart half das am Ende nicht. Es ist schwer zu sagen, ob die kon­ser­va­ti­vere tak­ti­sche Aus­rich­tung in der Rück­runde eine Mit­schuld am Abstieg trägt. Klar ist jedoch, geholfen hat Brei­ten­rei­ters Mann­schaft zumin­dest nicht.