Das Fern­sehen weiß es genau. In der Zeit zwi­schen den Jahren und in der ersten Woche des neuen Jahres gleicht der Lebens­rhythmus des Men­schen dem eines Koa­la­bären. Die tag­fül­lenden Akti­vi­täten beschränken sich auf bis zu 20 Stunden Schlafen und Fut­tern.

Total gemästet vom Weih­nachts­fest macht der Mensch in den wenigen Stunden bei Bewusst­sein sich daran, die Sofa­kuhle für das kom­mende Jahr ein­zu­liegen und die Tasten der Fern­be­die­nung wund zu drü­cken. Auf dem Bild­schirm erwarten ihn Urlaubs­sch­mon­zetten mit Chris­tine Neu­bauer, Chart­shows, Rei­se­filme mit Chris­tine Neu­bauer Wie­der­ho­lungen von Acht­ziger-oder-Neun­ziger-Jahre-Block­bus­tern in allen Teilen und vor allem hin­ter­ein­ander, Win­ter­sport in allen Aus­füh­rungen, Doku-Soaps ohne Chris­tine Neu­bauer.

Halle-luja!

Und es gibt: Hal­len­fuß­ball! Für einen ganz kleinen Teil der Bevöl­ke­rung auf diesem Pla­neten ein High­light. Und für einen Teil davon (irgendwo im Pro­mil­le­be­reich) gibt es noch: Hal­len­fuß­ball mit alten Män­nern! Lang­samer, zäher Hal­len­fuß­ball mit alten Män­nern! So nennen es Unbe­tei­ligte.

Doch mein durch Wer­bung und Fern­seh­trailer total ver­korkstes Hirn kennt diese Umschrei­bung nicht. Für mich ist das nicht lang­samer, zäher Hal­len­fuß­ball mit alten Män­nern, das ist der Bumm-Bumm-Buden­zauber der Legenden“, ver­dammt noch mal. An der Bande des Wahn­sinns. Halle-luja!

Ich hoffe, dass ich wegen dieser exo­ti­schen Sicht­weise irgend­wann vor Gericht einmal auf Unzu­rech­nungs­fä­hig­keit plä­dieren kann. Doch es ist genau richtig: Im Bild sind Männer, deren Gesichter man einst auf Kle­be­bild­chen sam­melte, und deren Bäuche ver­mit­teln: Es ist richtig, was du tust, bleib auf dem Sofa liegen, greif noch mal in die Süßig­kei­ten­schale, Talent braucht keine Neu­jahrs­vor­sätze und keinen Body-Mass-Index. Talent ist kon­ser­vierbar.

Yippie-Yah-Yei, Schwei­ne­backe“

Da kommt Ali Albertz ins Bild, und direkt denkt man an den Hammer“, und dann packt er den linken Gewalt­schuss aus. Da ist Claus Reit­maier, die Katze, und zack, hechtet er die Bälle weg. Es ist, als würde Bruce Willis in Stirb Langsam 14“ ergraut und füllig die Böse­wichte dieser Erde aus­knipsen und hau­chen Yippie-Yah-Yei, Schwei­ne­backe“. Ob Albertz auch so einen Spruch los­lässt, bevor er seinen Gegen­spie­lern den Ball um die Ohren jagt? Ich stelle mir vor, wie er die Miene ver­zieht und wie in Young Guns“ sagt: I’ll make you famous“. Peng.

Doch Reit­maier und Albertz kämpfen nicht gegen die Bösen dieser Welt, son­dern gegen den VfB Olden­burg. Und spä­tes­tens da muss einen die Rea­lität ein­holen. Der Kom­men­tator tut sein Übriges. Kalla Pflipsen, mitt­ler­weile 42“, sagt er. Kalla Pflipsen? 42? Wie kann das ein? Er ist doch das ewige Talent“, so einer altert doch nicht. Nicht dass der noch eine Dop­pel­haus­hälfte hat und Haus­pan­toffel trägt.

Aber Sie sind doch Peter Wyn­hoff!“

Und Peter Wyn­hoff? Ist nun zuständig für Mie­ter­ser­vice und Bestands­ma­nage­ment“. Ich stelle mir vor, wie er mir erklärt, dass der Hei­zungs­mon­teur in dieser Woche nicht kommen kann und ich auf die Knie gehe und win­sele: Aber Sie sind doch Peter Wyn­hoff!“

Bald sind die Hal­len­tur­niere vorbei und damit ver­streicht auch die Zeit für Sofa­nach­mit­tage und Völ­lerei. O du sinnlos ver­brachte Zeit, ich werde dich ver­missen. Ein Jahr warten, bis die Frage beant­wortet wird: Ist Kalla Pflipsen nun 43?

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Am 12. Januar 2013 findet in der Ber­liner Max-Schme­ling-Halle der Flex­Strom statt. Mit dabei sind die Legen­den­teams von Hertha BSC (u.a. Zecke Neu­en­dorf), Union Berlin (u.a. mit Jörg Hein­rich), VfB Stutt­gart (u.a. mit Guido Buch­wald), Bayer Lever­kusen (u.a. Bernd Schneider), Real Madrid (u.a. mit Michel Sal­gado), Borussia Mön­chen­glad­bach (u.a. mit Oliver Neu­ville). Mehr Infos und Tickets hier: https://​www​.flex​strom​-cup​.de