Michael Esser, wir müssen mit einer Legende beginnen: Es heißt, sie hätten einst 115kg gewogen?
Als ich beim SV Sodingen in der Lan­des­liga gespielt habe, da waren sicher mal ein paar Kilo zu viel drauf. Keine Ahnung, wie viel ich da genau gewogen habe, aber sicher nicht mehr als 115kg. Ich kam eben aus dem Mal­lorca-Urlaub und hatte noch etwas Trai­nings­rück­stand. Der Trainer hat dann auch ganz klar gesagt: So spielst Du bei mir nicht!“ Also habe ich eben gehun­gert. (Lacht)

Mit 20 Jahren in der Lan­des­liga. Haben Sie damals daran gedacht, es bis in die Bun­des­liga zu schaffen?
Dass es so hoch geht, hätte ich sicher nicht gedacht. Ich war ja in der C‑Jugend immerhin schon einmal beim VfL Bochum. Da haben sie mich weg­ge­schickt. Nicht gerade der Stoff, aus dem Träume sind.

Und dann sind Sie vom SV Sodingen aus­ge­rechnet wieder nach Bochum gegangen?
Unser Prä­si­dent hat mir vom Inter­esse berichtet und mir zuge­raten. Kurz darauf hatten wir ein Test­spiel gegen Bochum, das wir nur mit 1:4 ver­loren haben. So ganz schlecht habe ich mich dabei wohl nicht ange­stellt. Also haben sie mich zum Pro­be­trai­ning ein­ge­laden. Und irgendwie scheinen sie Gefallen an mir gefunden zu haben. Dabei habe ich so ziem­lich alles falsch gemacht, was man falsch machten konnte.

Was kann man denn im Tor richtig machen?
Selbst ver­meint­liche Klei­nig­keiten: Wie gehe ich zu einem fla­chen Ball, zum Bei­spiel. Bis zu meinem Wechsel zur zweiten Mann­schaft des VfL Bochum habe ich immer nur instinktiv agiert. In der Jugend gab es ja keine Tor­wart­trainer, die mir gezeigt hätten, wie es richtig geht. Umso wich­tiger waren die ersten ein, zwei Jahre beim VfL. 

Zu der Zeit hat man Ihnen, zumin­dest in Bochum, den Spitz­namen Bruno“ gegeben. Warum?
Den habe ich Rouven Schröder, dem heu­tigen Manager von Mainz 05, zu ver­danken. Er hat damals mit mir bei der zweiten Mann­schaft des VfL gespielt und eigent­lich so ziem­lich jedem einen Spitz­namen ver­passt. Meiner ist leider hängen geblieben, in Anleh­nung an den Pro­blem­bären (lacht).

Nach und nach haben Sie sich auch in der ersten Mann­schaft der Bochumer eta­bliert. Ange­kommen in der Zweiten Liga, ganz ohne jemals in einem Nach­wuchs­zen­trum gewesen zu sein. War das im Nach­hinein viel­leicht sogar ein Vor­teil?
Es hat eben auch alles seine Zeit. Hätte ich im Alter von 18, 19 Jahren bei den Bochumer Ama­teuren gespielt und trai­niert, Rück­schläge ein­ste­cken müssen, hätte ich viel­leicht eher das Hand­tuch geworfen mit Blick auf eine even­tu­elle Bun­des­liga-Kar­riere. So habe ich mich dem Ziel Stück für Stück ange­nä­hert und nebenher meine Lehre als Anla­gen­me­cha­niker abge­schlossen.

Anlagen-Was?
So nennt man heute die Klempner. (Lacht) Ich habe auch ein paar Monate in dem Beruf gear­beitet, bis dann das Angebot aus Bochum kam. Im Nach­hinein war das alles richtig so.