Seite 5: „Die richtig harte Zeit kommt jetzt erst auf den Verein zu“

Als im Herbst 2016 Viktor Skripnik in Bremen ent­lassen wurde, erklärten Sie sich auch mit ihm soli­da­risch.
Die Ansage war, dass wir Co-Trainer uns nach Vik­tors Ent­las­sung für den neuen Chef­coach bereit­halten sollen. Da habe ich dem Verein mit­ge­teilt, dass ich loyal zu Viktor stehe und nicht mehr wei­ter­ar­beiten möchte. Im Nach­hinein war es eine gute Ent­schei­dung, sonst hätte ich nie die Chance in Darm­stadt bekommen.

Es hätte auch anders laufen können.
Im Fuß­ball muss man manchmal Risiken ein­gehen, um etwas zu errei­chen. Ich habe mit Viktor unglaub­lich gern zusam­men­ge­ar­beitet und hätte es lie­bend gern noch zehn Jahre bei Werder getan. Denn Werder – da kann ich auch für ihn spre­chen – war unser Verein.

Sie hätten in seiner Gefolg­schaft bleiben können.
Sicher, aber als ich dann bei Werder frei­ge­stellt wurde, dachte ich mir, es sei viel­leicht der rich­tige Zeit­punkt, es jetzt mal allein zu ver­su­chen.

Werden Sie als Darm­stadt-Coach oft damit kon­fron­tiert, was ihr Vor­vor­gänger Dirk Schuster hier Groß­ar­tiges erreicht hat?
Auf ihn ange­spro­chen oder sogar ver­gli­chen werde ich nicht. Aber es steht außer Frage: Er hat Unglaub­li­ches geschafft, indem er die Mann­schaft aus dem Nichts nach oben geführt hat. Er hat ein Fun­da­ment gelegt, auf das wir nun auf­bauen müssen, damit es nicht wieder den­selben Weg nach unten geht. Wir haben eine Scou­ting­ab­tei­lung instal­liert, einen Kader­planer ein­ge­stellt, die Trai­nings­plätze sind neu gemacht und wir haben ein Video­system bekommen. So muss es wei­ter­gehen.

Ihr Ver­eins­prä­si­dent Rüdiger Fritsch sagte nach dem sen­sa­tio­nellen Bun­des­li­ga­auf­stieg 2015, eine Saison in der ersten Liga sei für die Lilien“ ledig­lich ein geschenktes Jahr im Pro­fi­fuß­ball, weil der Klub dort weit über seinen Mög­lich­keiten spielt. Am Ende blieb der Klub sogar zwei Jahre im Ober­haus. Nun erwarten den­noch viele den direkten Wie­der­auf­stieg.
Das sind die Mecha­nismen des Pro­fi­fuß­balls. Wir waren vor sechs Jahren noch in der vierten Liga. Aber hier im Klub hat nie­mand ver­gessen, dass wir in vielen Berei­chen noch Jahre gegen­über der Kon­kur­renz auf­zu­holen haben. Unser Ziel ist, uns lang­fristig im bezahlten Fuß­ball zu eta­blieren. Wenn wir länger zweite Liga spielen, ist das ein Erfolg.

War es für Sie als ehe­ma­ligen Natio­nal­spieler bitter, gleich in Ihrem ersten Jahr als Chef­trainer abzu­steigen?
Nie­mand steigt gerne ab, aber als ich den Job im Winter über­nahm, wussten alle, dass es schwer werden würde drin­zu­bleiben. Wir mussten rea­lis­tisch für die zweite Liga planen, damit uns nicht das­selbe Schicksal ereilt wie den SC Pader­born, der von der ersten fast gleich in die Regio­nal­liga mar­schiert wäre. Des­wegen haben wir schon im Januar einen Kader­plan auf­ge­stellt, der uns die zweite Liga sichert. Wir wollen nun ein gutes Jahr in sicheren Gefilden erleben, denn die richtig harte Zeit kommt jetzt erst auf den Verein zu.

Was meinen Sie?
Hier ent­steht ein neues Sta­dion, es werden bei lau­fendem Betrieb Tri­bünen reno­viert und viele Fans werden des­wegen oft nicht zu den Spielen kommen können. Die nächsten Jahre müssen wir mög­lichst unbe­schadet über­stehen.