Seite 4: „Stopp, das können wir uns nicht leisten“

Sie haben als Spieler gut davon gelebt, dass immer mehr Geld in den Kreis­lauf kam.
Natür­lich gab es immer Ver­eine, die mehr Geld hatten als andere. Aber es ist keine gute Ent­wick­lung, wenn Mil­li­ar­däre mit ihrem Geld alles nach ihrem Gusto ver­än­dern können. Finan­cial Fair­play“ ist in der gegen­wär­tigen Form eine Lach­nummer. Was kratzt es einen Top­verein, mal eine Geld­strafe zu zahlen oder Aus­ga­be­grenzen ein­zu­halten, wenn er bereits die fünf besten Profis der Welt besitzt?

Tan­giert Sie diese Ent­wick­lung auch als Coach des SV 98?
In der zweiten Liga kriege ich wenig davon mit. Hier sind die Preise halb­wegs normal geblieben. Aber ich fände es schon gut, wenn sich alle Klubs an Regeln halten würden und es deut­sche Spit­zen­ver­eine auch in Zukunft nicht nötig hätten, 200 Mil­lionen Euro als Ablöse aus­zu­geben, um kon­kur­renz­fähig zu bleiben. Aber ich fürchte, es wird schwer.

Sie haben zur aktiven Zeit auch neun Mil­lionen Euro gekostet. Wie wirken sich hohe Ablö­se­summen auf die Psyche eines Profis aus?
Mich hat das Geld nie belastet, son­dern eher ange­spornt. Aber im Grunde war es mir relativ egal, was um mich herum pas­sierte.

Diese Scheiß­egal-Hal­tung müssen Sie als Trainer und Sport­di­rektor in Per­so­nal­union nun aber ablegen.
Es gab auch schon Situa­tionen, in denen ich sagen musste: Stopp, das können wir uns nicht leisten.“

Zum Bei­spiel?
Im Winter kommt Joevin Jones aus Seattle zu uns. Der Klub wollte im Sommer noch eine Mil­lion Euro Ablöse für ihn, also habe ich gesagt: Dann warten wir eben bis Januar, dann kommt er ablö­se­frei.“ So ver­zichten wir aus kauf­män­ni­schen Gründen bewusst auf einen sport­li­chen Vor­teil.

Ihr gutes tak­ti­sches Ver­ständnis aus Spiel­er­zeiten nutzen Sie so gesehen heute im wirt­schaft­li­chen Bereich.
Als Borussia Dort­mund im Jahr 2002 viel Geld für mich bezahlen wollte, weil sie der Ansicht waren, dass ich es wert bin, hat es mich nicht beein­flusst. Jetzt kommt das Geld für Ablö­se­summen aber aus meinem Etat. Und auf das eigene Porte­mon­naie passt man bekannt­lich besser auf.

Torsten Frings, sind Sie ein sehr treuer Mensch?
Wie kommen Sie darauf?

Sie haben nicht nur dem SV Werder jah­re­lang die Treue gehalten, Sie waren auch der letzte Natio­nal­spieler, der bis zum Tod bei seinem lang­jäh­rigen Berater Nor­bert Pflippen blieb, der lange mit dem Krebs kämpfte. Spieler wie Lukas Podolski, Sebas­tian Deisler oder David Odonkor trennten sich vorher von ihm.
Gerade wenn es jemandem nicht gut geht, sollte man zu ihm stehen. Nor­bert hat mich mit 19 Jahren unter Ver­trag genommen, wir haben viel zusammen erlebt. Warum sollte ich ihn im Stich lassen?

Das haben Sie damals bewusst so ent­schieden?
Ja. Nor­bert hat einen guten Job gemacht, auch wenn er krank war, ich brauchte keinen anderen Berater.