Im UEFA-Pokal Vier­tel­fi­nale zwi­schen dem HSV und Man­chester City steht mit Dietmar Hamann heute ein Deut­scher auf Seiten der Eng­länder. Das scheint in den Zeiten der glo­ba­li­sierten Fuß­ball­welt nicht weiter inter­es­sant. Immerhin spielt Hamann seit Jahren in Eng­land, ist auf der Insel akzep­tiert und galt sogar einst als legi­timer Namens­geber einer Brücke, die zum Hei­ligtum des eng­li­schen Fuß­ball, des Wem­bley Sta­dions, führen sollte. Doch das der Deut­sche Hamann über die Sta­tionen New­castle und Liver­pool bei Man­chester City gelandet ist, ist auch Teil einer Tra­di­tion, die mit dem Ende des Zweiten Welt­krieges begann. Denn seitdem spielten in kaum einem anderen eng­li­schen Verein so viele Deut­sche wie bei Man­chester City.

Der erste und gleich­wohl bekann­teste Deut­sche in der Geschichte von Man­chester City war Bernd Traut­mann. Der gebür­tige Bremer lan­dete als Kriegs­ge­fan­gener in Eng­land, wurde von einem Dorf­platz von St.Helens Town ent­deckt und unter­schrieb bereits 1949 einen Ver­trag bei Man­chester City. Gegen den anfäng­li­chen Wider­stand einer ganzen Stadt, deren Ein­wohner, gebeu­telt vom Krieg, keinen Deut­schen in ihren Reihen haben wollten, erspielte sich Traut­mann die Sym­pa­thien der Zuschauer und wurde zu einem der besten Tor­hüter seiner Zeit. Jahr­zehnte später ent­deckten die Zuschauer von City einen neuen Publi­kums­lieb­ling, der wieder aus Deutsch­land kam: Uwe Rösler.

Uwes Granddad bombed Old Traf­ford“

Rösler wech­selte 1994 von Dresden nach Man­chester, mit ihm kam, der in Dort­mund aus­sor­tierte, Steffen Karl. Karl konnte sich nicht durch­setzen und ging schon nach wenigen Monaten in die Schweiz. Rösler hin­gegen schoss in der Folge in 153 Liga­par­tien 50 Tore und ver­ewigte sich so in den Geschichts­bü­chern von City. Die Fans liebten den Fuß­ball­ar­beiter Rösler, der in Deutsch­land bis dahin nur echten Experten bekannt war, und fei­erten ihn bei jedem Ball­kon­takte mit einem lang gezo­genen Uuuuuuuuuuuwe“. Er blieb bis 1998 in Man­chester, machte mit dem Verein den Abstieg in die zweite Liga mit und traf in dieser Zeit im Kader von City immer wieder alte Bekannte aus der Heimat. 1995 kamen Eike Immel und Mau­rizio Gau­dino zu Man­chester, doch wäh­rend der Mit­tel­feld­stra­tege nur ein halbes Jahr blieb, um dann nach Mexiko zu wech­seln, wurde Immel in der Abstiegs­saison zum Stamm­tor­hüter an der Maine Road. 1996 folgte dann Michael Front­zeck auf die Insel und blieb zwei Jahre bevor er dann zum SC Frei­burg ging. Nachdem Rösler Man­City ver­lassen hatte, druckten die Zuschauer ihm zu Ehren T‑Shirts mit der bis­sigen Auf­schrift: Uwe’s Granddad bombed Old Traf­ford“ – ein schwarz­hu­mo­riger Rit­ter­schlag. Warum gerade in den 90er Jahren so viele deut­sche Spieler an die Maine Road gingen, kann nur erahnt werden. Einer­seits wurde Eng­land in dieser Zeit erst­mals wieder für aus­län­di­sche Spieler attraktiv, weil es auf der Insel abseits der ita­lie­ni­schen Seria A großes Geld zu ver­dienen gab. Ande­rer­seits passten die deut­schen Spieler, mit den ihnen nach­ge­sagten Tugenden, per­fekt zu einem Verein, der immer zwi­schen der ersten und zweiten Liga pen­delte. Kampf und Ein­satz­willen waren an der Maine Road einst wich­tiger als Hoch­glanz und Show. Doch auch die Strahl­kraft von Bernd Traut­mann ist im Nach­hinein nicht zu unter­schätzen. Sein Auf­treten und Ver­halten in der schwie­rigen Nach­kriegs­zeit schaffte viele Sym­pa­thien und impo­nierte den Briten bis heute. 2007 wählten die City-Fans Traut­mann sogar zum besten Man­City-Spieler aller Zeit. Auch nach Rösler Abgang hielt die Tra­di­tion weiter an. Im Jahr 2001 ging Dino Topp­möller, der Sohn von Klaus Topp­möller, nach Eng­land, blieb aber ohne Ein­satz an der Maine Road. 2003 kam dann Michael Tarnat, der nach seiner tur­bu­lenten Zeit in Mün­chen bei City eine will­kom­mene Abwechs­lung fand. Und heute steht eben mit Dietmar Hamann ein wei­terer Deut­scher im Kader.

Woher die Liebe des Ver­eins zu deut­schen Spie­lern wirk­lich kommt, ist nicht abschlie­ßend zu klären. Das die roman­ti­sche Idee, die Ver­eins­vor­deren hätten ein­fach einen Faible für deut­sche Tugenden, keinen Bestand hat, ist aller­dings genauso klar, wie die Tat­sache, dass die City-Fans, trotz des his­to­risch ange­spannten deutsch-eng­li­schen Bezie­hung, ein beson­ders Ver­hältnis zu Traut the Kraut“ und seinen Nach­fol­gern auf­ge­baut haben. Sie mögen ihre Deut­schen. Ob die Tra­di­tion auch wei­terhin Bestand hat, wagt selbst Bernd Traut­mann zu bezwei­feln. Der Verein ist durch den Ein­fluß seiner Mil­li­ar­den­in­ves­toren mitt­ler­weile nur noch ein Schatten seiner ruhm­rei­chen Geschichte. Traut­mann beschwerte sich jüngst, dass bei City mitt­ler­weile nur noch Büro­kraten am Werk“ seien, denen das Gefühl für den Sport fehle.“ Ent­täuscht sagte er:„Der Verein hat sehr große Spieler gehabt, die hängen in der Legends Lounge nur noch als Poster an der Wand.“ Unter ihnen sind auch viele Deut­sche.