Seite 2: Entscheidung vor Gericht

Nein. Bereits 20 Minuten vor dem Anpfiff dieser Partie soll Schalkes Prä­si­dent Günter Sie­bert in die Kabine gestürmt sein, um der Mann­schaft mit­zu­teilen: Wir haben schon gewonnen! Die lassen den Varga mit­spielen.“ Der Ungar Zoltan Varga war vom DFB wegen des Ver­dachts der Ver­wick­lung in den Bun­des­li­ga­skandal gesperrt worden. Die Beweis­kette war aber so brü­chig, dass Hertha beim Land­ge­richt Berlin eine einst­wei­lige Ver­fü­gung gegen die Sperre erwirkt hatte. Sie­bert war jedoch Fuß­ball­funk­tionär genug, um zu ahnen, dass der Ver­band keine Pro­bleme damit haben würde, sich über einen Gerichts­be­scheid hin­weg­zu­setzen. Und so kam es auch. Am 21. Januar wan­delte der DFB die 0:3‑Niederlage in einen 2:0‑Sieg für Schalke um. Knapp fünf Monate später gewannen die Königs­blauen im Finale gegen Kai­sers­lau­tern den Pokal.

1984: Im Pokal mit dem“ Halb­fi­nale

Auch bei ihrem dritten Auf­ein­an­der­treffen im Pokal, 1983/84, beließen es Her­thaner und Schalker nicht bei einem Spiel. Die beiden dama­ligen Zweit­li­gisten waren im Vier­tel­fi­nale gegen­ein­ander gelost worden. Schalke ging zwar als Tabel­len­führer in das Duell, aber die Hertha hatte Heim­recht. Und das schien den Aus­schlag zu geben, denn nach einer knappen Stunde lagen die Ber­liner 3:1 in Füh­rung. Doch dann konnte Her­thas Tor­wart Gregor Quasten einen Weit­schuss nicht fest­halten, und Man­fred Drexler staubte zum 3:2 ab. In der Schluss­phase warf Schalke alles nach vorne und wurde belohnt: Jochen Abel köpfte kurz vor dem Ende das 3:3. In der Ver­län­ge­rung hielt Tor­wart Walter Jung­hans das Unent­schieden fest und sicherte seinem Team ein Wie­der­ho­lungs­spiel vor hei­mi­scher Kulisse.

In diesem zweiten Spiel war ein 17-jäh­riger namens Olaf Thon der beste Mann auf dem Platz. Ein Foul an dem Jung­star führte zu dem Frei­stoß, den Bernd Dierßen kurz vor der Pause zum ent­schei­denden 2:0 ver­wan­delte. Her­thas Trainer Martin Luppen war anschlie­ßend nicht gut auf den Schieds­richter zu spre­chen. Das war ein Stür­merfoul“, schimpfte er, aber der Thon steht jetzt schon unter Denk­mal­schutz.“ In gewisser Weise waren das pro­phe­ti­sche Worte, denn auch diese Pokal­saison war keine nor­male. Durch den Erfolg gegen Hertha erreichte Schalke das his­to­ri­sche Halb­fi­nale mit dem Jahr­hun­dert­spiel gegen die Bayern. Nach dem 6:6 in Gel­sen­kir­chen war Thon in der Tat kurz davor, ein Denkmal zu bekommen.