Was macht eigent­lich der Ver­tei­diger, der immer den Abstoß aus­ge­führt hat?

Es gab eine Zeit, da machten sich Tor­hüter nur ungern die Füße schmutzig. Des­wegen über­ließen sie nie­dere Tätig­keiten wie das Aus­führen des Abstoßes gerne einem stier­na­ckigen Mann­de­cker, viel­leicht auch ihrem Libero, sofern es sich bei ihm um einen eher hemds­är­me­ligen Typen der Marke Klaus Augen­thaler han­delte. Wäh­rend die Nummer drei oder vier also einen mäch­tigen Anlauf nahm, den Ball wuchtig in die untere Schicht der Atmo­sphäre prü­gelte und anschlie­ßend im Voll­sprint nach vorne eilte, stand der Keeper unbe­tei­ligt vor seinem Kasten und war damit beschäf­tigt, die Aus­rüs­tung zu ordnen. Die bestand aus einem Trikot, das an den Ell­bogen ver­stärkt war, sowie gepols­terten langen Hosen. An son­nigen Tagen trugen Tor­hüter dazu noch eine Schirm­mütze (manche, wie etwa Wolf­gang Kleff, taten das auch bei Regen). 

Obwohl die Regeln wei­terhin und aus­drück­lich Tor­hü­ter­mützen“ und Trai­nings­hosen“ erlauben, sehen Schluss­leute in der Bun­des­liga heute anders aus. Es mag mit per­sön­li­cher Eitel­keit zu tun haben oder an der Tat­sache liegen, dass sie inzwi­schen nicht mehr auf einem Unter­grund spielen müssen, dessen Beschaf­fen­heit an Wasch­beton erin­nert. Doch warum sie mitt­ler­weile auch die Abstöße selbst aus­führen müssen, das erschließt sich uns nicht. Es könnte mit den so genannten fla­chen Hier­ar­chien zu tun haben, von denen immer die Rede ist. Oder dem Wild­wuchs von Tiki-Taka, der dazu führte, dass viele Abstöße nun kurz aus­ge­führt werden. Was ja auch für Eck­bälle gilt. Aber das ist ein Thema, zu dem wir später kommen.

Was machen eigent­lich der Reporter am Telefon und die Natio­nal­spieler auf Platte? 

Es gab eine Zeit, da war Fuß­ball auch ein Spiel für die Ohren. Doch viele ver­traute Klänge sind ver­stummt, und man weiß gar nicht genau, warum das so ist. Früher kam es zum Bei­spiel oft vor, dass eine Ton­lei­tung nach Ost­eu­ropa zusam­men­brach und Rolf Kramer oder Dieter Adler per Telefon kom­men­tieren mussten. Wenn man hört, oder eben nicht hört, welche Schwie­rig­keiten Sky oft mit dem Sound hat, wäre es eine Über­le­gung wert, diese char­mante Not­lö­sung wieder ein­zu­führen. Eben­falls heim­lich, still und leise abge­schafft wurde die Euro­vi­sions-Hymne vor Euro­pacup-Über­tra­gungen, obwohl es die Allianz namens Euro­vi­sion wei­terhin gibt, wie man all­jähr­lich beim Song Con­test zu spüren bekommt. 

Auch Sta­di­on­spre­cher, die Wer­bung vor­lesen – gerne hol­perig gereimt und für eine lokale Kaschemme, die einem Vor­stands­mit­glied gehört – sind zumin­dest in den oberen Ligen extrem selten geworden. Und noch etwas bekommen die Fans nicht mehr auf die Ohren: die von der Natio­nal­mann­schaft ein­ge­sun­genen WM-Songs. Selbst die Eng­länder, die doch 1970 mit diesem Trend begonnen hatten, hörten in den Neu­zi­gern damit auf. Böse Zungen gehaupten, es habe daran gelegen, dass die eng­li­sche Elf stets schnell aus dem Tur­nier aus­schied und es sich nicht lohnte, für diese zehn Tage einen eigenen Song zu kom­po­nieren und auf­zu­nehmen. Im Fall der DFB-Aus­wahl ist der Grund wohl eher, dass sie 1994 Hohn und Spott für ihre Auf­tritte mit den Vil­lage People kas­sierte. Und wirk­lich: Als die Adlerträger das nächste Mal vor einem großen Publikum und live im Fern­sehen sangen, näm­lich So gehen die Gau­chos, die Gau­chos gehen so“, gab es schon wieder Ärger.