Alle zwei Jahre im August sitzen Trainer, Manager und Sport­di­rek­toren mit Magen­ge­schwüren und vor sich hin gemur­melten Hass­ti­raden vor dem Fern­seher und schauen sich ein Län­der­spiel der Deut­schen Natio­nal­mann­schaft an. Morgen gegen Argen­ti­nien ist es wieder mal soweit. Das August-Län­der­spiel platzt wie immer mitten in die Sai­son­vor­be­rei­tung der Bun­des­li­ga­klubs. Wehren können sie sich kaum, es besteht Abstel­lungs­pflicht. Die Bun­des­trainer neigen zu diesem Zeit­punkt gerne zum Expe­ri­men­tieren. Debüts, Come­backs und Ein­tags­fliegen geben sich dann die Klinke in die Hand. Ein Über­blick.

31. August 1988, Finn­land – Deutsch­land 0:4
Das schmerz­liche Aus bei der Heim-EM gegen die Nie­der­lande hatte die DFB-Elf gerade über­wunden, da musste die sie schon wieder in der WM-Qua­li­fi­ka­tion in Finn­land ran. Ein guter Auf­takt musste her, trotzdem schreckte Team­chef Franz Becken­bauer nicht vor per­so­nellen Mut­proben in der Startelf zurück. Neben Debü­tant Holger Fach von Bayer Uer­dingen kam Armin Görtz in den Genuss seines zweiten Län­der­spiels. Es sollte sein letztes werden. Der Mit­tel­feld­spieler des 1. FC Köln trös­tete sich anschlie­ßend mit dem Gewinn der Bron­ze­me­daille beim Olym­pi­schen Fuß­ball­tur­nier in Seoul.

29. August 1990, Por­tugal – Deutsch­land 1:1
Der Kaiser ist weg, es lebe der Ter­rier! In Por­tugal trat Berti Vogts das schwere Erbe von Franz Becken­bauer bei der Deut­schen Natio­nal­mann­schaft an. Ungüns­tiger kann ein Ein­stand kaum kommen, was der neue Bun­des­trainer auch monierte: Ich bin ver­är­gert über den Termin. Unsere Natio­nal­spieler suchen noch ihre Form“. Um nicht die totale Bauch­lan­dung hin­zu­legen, ver­traute Vogts über­wie­gend dem WM-Kader. Auf der Bank war­tete Neu­ling Mau­rizio Gau­dino ver­geb­lich auf einen Ein­satz. Er sollte aber noch kommen. Unglaub­liche drei Jahre später.

16. August 2000, Deutsch­land – Spa­nien 4:1
Es gibt tat­säch­lich auch August-Län­der­spiele, die ihr Gutes hatten. Ganz Fuß­ball­deutsch­land graute es vor dem ersten Auf­tritt der DFB-Kicker nach der desas­trösen EM in den Nie­der­landen und Bel­gien. Doch dann kam Alex­ander Zickler. Der Stürmer des FC Bayern Mün­chen, bei der EM noch außen vor, schwang sich in diesem Län­der­spiel als Reani­ma­teur des deut­schen Fuß­balls auf. Er sprin­tete die spa­ni­sche Abwehr in Grund und Boden, erzielte seine beiden ein­zigen Län­der­spiel­treffer und gab der am Boden lie­genden Natio­nal­mann­schaft die Hoff­nung auf bes­sere Zeiten zurück.

21. August 2002, Bul­ga­rien – Deutsch­land 2:2
Arne Fried­rich dürfte auch heute noch ein großer Befür­worter von Län­der­spielen im August sein. Nach der über­ra­schenden Vize­welt­meis­ter­schaft in Japan und Süd­korea tru­delte für das erste Test­match gegen Bul­ga­rien eine Absage nach der anderen bei Team­chef Rudi Völler ein. Zum Glück für Fried­rich, der nach geschmei­digen zwei Bun­des­li­ga­ein­sätzen nomi­niert wurde. In der 46. Minute fei­erte der Ver­tei­diger von Hertha BSC sogar sein Debüt. Einen anderen Abwehr­spieler spülte die Absa­ge­flut eben­falls noch einmal in den DFB-Kader. Ingo Hertzsch war zwei Jahre nach seinem ersten und bis dato ein­zigen Ein­satz mal wieder dabei. Und auch zum letzten Mal.

18. August 2004, Öster­reich – Deutsch­land 1:3
Einen noch tie­feren Tief­punkt asl im August 2000 hatte die Natio­nal­mann­schaft im August 2004 erreicht. Team­chef Völler war nach dem Vor­run­denaus bei der EM in Por­tugal zurück­ge­treten, Wunsch­kan­didat Ottmar Hitz­feld lehnte die Nach­folge ab. Die Wahl fiel schließ­lich auf Jürgen Klins­mann, der aus sicherer Ent­fer­nung in Kali­for­nien den Abstieg des deut­sches Fuß­balls beob­achtet hatte und nun alles auf den Kopf stellte. Vor allem in der Defen­sive. Die Nomi­nie­rung des 20-jäh­rigen Robert Huth, der im Reserve-Team des FC Chelsea spielte, über­raschte selbst Insider. Frank Fah­ren­horst kam zu seinem ersten von zwei Län­der­spiel­ein­sätzen, an seiner Seite räumte ein letztes Mal Standby-Natio­nal­spieler Thomas Linke zwei Jahre nach seinem Rück­tritt aus­hilfs­weise ab.

16. August 2006, Deutsch­land – Schweden 3:0
Auf das August-Län­der­spiel gegen Schweden freuten sich aus­nahms­weise mal wirk­lich alle, schließ­lich steckte das ganze Land immer noch in der Som­mer­mär­chen-Euphorie. Wie gut, dass mit Schweden ein Gegner war­tete, den die DFB-Kicker schon im WM-Ach­tel­fi­nale mit 2:0 zer­legt hatten. Und die Mann­schaft des neuen Bun­des­trai­ners Joa­chim Löw knüpfte nahtlos an die vor­he­rigen Leis­tungen an. Eine Halb­zeit lang durfte auch Malik Fathi, Linsk­ver­tei­diger von Hertha BSC, Teil des Spek­ta­kels werden. Zwei Monate später erlebte Fathi gegen Geor­gien seine letzten 15 Minuten im DFB-Trikot.

11. August 2010, Däne­mark – Deutsch­land 2:2
Selten hatte eine Mann­schaft den Namen B‑Elf so ver­dient wie das Deut­sche Team gegen Däne­mark. Obwohl auch der Begriff C‑Elf keine fal­sche Wahl gewesen wäre. Einen bunt gemischten Haufen aus WM-2010-Teil­zeit­ar­bei­tern, Debü­tanten und Ein-Tages-Rück­keh­rern schickte Joa­chim Löw in Kopen­hagen aufs Spiel­feld. Dieser Haufen kurz vor Ende eine 2:0‑Führung. Die größten Exoten: Aaron Hunt, der ein Jahr vorher sein Debüt gegeben hatte und für den die Däne­mark Reise die bis heute letzte gewesen ist. Und Chris­tian Schulz, für den fünf Jahre nach seinem letzten Natio­nal­mann­schafts­ein­satz die War­te­zeit auf den nächsten zu Ende ging. Seit dem wartet Schulz wieder.