Was machen eigent­lich die dre­ckigen Tri­kots, auf denen etwas Wich­tiges fehlt?

Manchmal sieht man Bilder und weiß, dass etwas an ihnen nicht stimmt, kann aber nicht sagen, was das ist. Es sind Fotos wie dieses von Roland Gra­hammer und Hans-Dieter Flick, die im Mai 1989 nach einem Sieg über Waldhof Mann­heim den Rasen des Olym­pia­sta­dions in Mün­chen ver­lassen. Etwas ist seltsam, doch was? Ja, Gra­ham­mers Gold­kett­chen dürfte er heute so nicht tragen. Aber da ist noch etwas … Und dann fällt einem auf, dass das Bayern-Trikot zwar den Schriftzug des Spon­sors und das Logo des Aus­rüs­ters trägt – doch nicht das Wappen des Ver­eins. Heute wäre das schon des­halb undenkbar, weil die Mer­chan­dise-Abtei­lung an der Säbener Straße Amok laufen würden. Doch lange Zeit – länger, als man glaubt – war es nicht unge­wöhn­lich, inko­gnito auf­zu­laufen. In der Bun­des­liga starb diese Mode einige Monate, nachdem dieses Bild auf­ge­nommen wurde, aus. Mit Beginn der Saison 1989/90 nähten die Bayern näm­lich als letzter Klub des Ober­hauses ihr Wappen dau­er­haft auf das Trikot. 

Doch in der 2. Liga gab es bis weit in die Neun­ziger hinein noch Klubs, die das nicht taten. Der SC Frei­burg zum Bei­spiel fei­erte den Auf­stieg 1993 noch in Tri­kots ohne Ver­eins­ab­zei­chen. Das letzte Spiel im deut­schen Pro­fi­fuß­ball, bei dem beide Mann­schaften auf das Wappen ver­zich­teten, dürfte die Begeg­nung zwi­schen dem FSV Zwi­ckau und dem VfB Lübeck am 17. Sep­tember 1995 gewesen sein, denn einige Monate später gaben auch die Han­se­städter ihr Embargo auf. Und wo wir schon bei den Leib­chen sind: Früher pas­sierte es auch nicht selten, dass ein Ver­tei­diger seiner Arbeit rob­bend, rut­schend und pflü­gend nach­ging, dann zum Pau­sentee in die Kabine ging und anschlie­ßend ein­fach wieder auf den Platz schlen­derte. Heute muss es im Spie­ler­tunnel ganze Trauben von besorgten Müt­tern geben, die ihren Söhnen zuflüs­tern: So gehst du mir nicht wieder raus. Zieh dir ja ein sau­beres Hemd an!“ Immerhin setzen sie nicht hinzu: Und zieh die Socken hoch!“ Denn Stutzen rollt heute nie­mand mehr her­unter. (Wohl weil die modernen Schien­bein­schoner dann her­aus­fallen würden.)

Was machen eigent­lich die Schieds­richter, die Wert auf die Klei­der­ord­nung legen?

Am 25. Februar 2015 schauten sich die Macher des Schieds­richter-Pod­casts Col­linas Erben“ die Partie zwi­schen Lever­kusen und Atlé­tico Madrid an, als ihnen etwas auf­fiel, das einen Tweet wert war. Hat der Vierte Offi­zi­elle gerade tat­säch­lich Rolfes ange­wiesen, das Trikot in die Hose zu ste­cken?!“, schrieben sie. Ewig nicht mehr gesehen.“ Einst gehörte es in der Tat zum nor­malen Ablauf eines Spiels, dass der Schieds­richter wäh­rend jeder län­geren Unter­bre­chung ein paar Worte mit einem der beiden Zehner wech­selte oder ihm durch eine ein­deu­tige Geste klar­machte, dass es erst wei­ter­gehen würde, wenn er sein Hemd ordent­lich hinter den Hosen­bund stopfte. Zwei Minuten später flat­terte das Trikot natür­lich wieder im Wind, denn Zehner waren Frei­geister.

Ent­gegen einer weit ver­brei­teten Mei­nung hatte dieses Ritual nichts mit dem Regel­buch zu tun, son­dern nur mit dem ästhe­ti­schen Emp­finden der Refe­rees. Es starb wohl aus, weil die Spiel­klei­dung sich änderte. Ähn­li­ches gilt für die einst obli­ga­to­ri­sche Kon­trolle der Stollen. Heute machen das die Lini­en­richter (die auch nicht mehr so heißen) bei­läufig im Kabi­nen­gang und nicht mehr mit großer Geste direkt vor der Ein­wechs­lung eines Spie­lers. Es liegt ver­mut­lich daran, dass die guten alten Alu-Schraub­stollen rar geworden sind, von denen es hieß, blut­rüns­tige Grät­scher würden sie anfeilen.