Seite 2: Ancelotti kündigt drastische Maßnahmen an

Statt­dessen flog Kouli­baly in der Schluss­phase vom Platz, weil er dem Schieds­richter nach einer Gelben Karte applau­dierte. Es tut mir leid für die Nie­der­lage und vor allem dafür, dass ich meine Brüder im Stich gelassen habe“, schrieb Kouli­baly später bei Twitter. Aber ich bin stolz auf meine Haut­farbe, darauf, dass ich Sene­ga­lese bin, Fran­zose, Nea­po­li­taner: Mensch“. Ance­lotti beschwerte sich über die aus­ge­blie­bene Unter­bre­chung und kün­digte für das nächste Mal dras­ti­sche Maß­nahmen an. Dann hören wir auf zu spielen, auch wenn wir dadurch ver­lieren“, sagte der ehe­ma­lige Bayern-Trainer.

Viel­leicht ist dies die ein­zige Mög­lich­keit, wie die Ver­ant­wort­li­chen im ita­lie­ni­schen Fuß­ball­ver­band und der Sport­po­litik den Ernst der Lage ver­stehen. Denn Spiel­un­ter­bre­chungen sind die große Aus­nahme, Abbrüche auf­grund ras­sis­ti­scher Belei­di­gungen gibt es prak­tisch nicht. Mal spre­chen Sicher­heits­be­denken dagegen wie in Mai­land, mal sollen es nur ver­ein­zelte Rufe sein, manch einer argu­men­tiert, man könne nicht Tau­sende fried­liche Fans für ein paar Idioten bestrafen.

Alles ohne ernst­hafte Kon­se­quenzen

Und wenn ein Schieds­richter doch durch­greift wie Claudio Gavi­lucci, ver­schwindet er kurz darauf von der Bild­fläche. Im Mai unter­brach er das Spiel Sam­pdoria Genau gegen Neapel für drei Minuten, nachdem einige Heim­fans erst Kouli­baly belei­digt und dann allen Nea­po­li­ta­nern mit dem vor allem in Nord­ita­lien ver­brei­teten Spruch Vesuv, wasch sie mit deinem Feuer“ den Tod gewünscht hatten. Es war Gavi­luccis letztes Spiels in der Serie A, offi­ziell weil er Letzter im Leis­tungs­ran­king der Schieds­richter war, viele Experten sehen aber einen Zusam­men­hang zum Spiel in Genua.

Nach dem erneuten Vor­fall um Kouli­baly wird in Ita­lien wieder viel dis­ku­tiert – in einem Land, in dem die erste Abge­ord­nete mit afri­ka­ni­schen Wur­zeln 2013 vom Vize­prä­si­denten des Senats mit einem Orang-Utan ver­gli­chen wurde und Paolo Ber­lus­coni, Bruder von Silvio und damals Vize­prä­si­dent des AC Mai­land, Mario Balo­telli als kleinen Neger der Familie“ bezeich­nete. Natür­lich alles ohne erst­hafte Kon­se­quenzen.

Die gibt es nun zumin­dest für Inter. Die Mai­länder müssen die nächsten zwei Heim­spiele vor leeren Rängen aus­tragen, bei einem dritten Spiel bleiben einige Blöcke des Sta­dions gesperrt. Es ist zumin­dest ein Anfang. Oder in den Worten von Kevin-Prince Boateng: Wir brau­chen Taten, keine Worte. Es reicht nicht, No to Racism‘-Plakate auf­zu­hängen und einen Wer­be­spot vor den Cham­pions-League-Spielen zu zeigen. Wir müssen sofort etwas unter­nehmen. Heute, oder besser noch: ges­tern.“