Die Zünd­schnur in Mainz brannte lich­terloh. Noch eine Minute, dann geht die Party ab!“, stam­melte eine Sta­di­on­be­su­cherin an diesem Tag im Mai, hof­fend, dass tau­melnde Ham­burger nicht aus Ver­sehen noch den Aus­gleich erzielen. Ein Sta­dion wie ein Dampf­kessel, bange Blicke zum Schieds­richter, dann der Schluss­pfiff, der letzte der Saison. Die Explo­sion. Jaaa!“ Den HSV mit 3:2 in die Rele­ga­tion geschossen. Und viel wich­tiger: Mainz im Euro­pa­pokal!

Die ganze Stadt wälzte sich durch die Listen mög­li­cher Gegner in der Europa League. Die 05er zählten den Rest­ur­laub, kramten das Klein­geld für Flug­ti­ckets zusammen, ach, wie schön würde dieser euro­päi­sche Herbst werden. Aus­wärts­touren wie aus dem Necker­mann-Katalog: Strand­ur­laub in Zypern, Surfen in San Sebas­tian, eine Kutsch­fahrt durch Wien, viel­leicht sogar Spa­ghetti in Flo­renz oder Mai­land. Die ein­zige Hürde: Asteras Tri­polis. Die packen wir, da war man sich sicher.

Geblieben sind nur Tränen. Mainz schei­terte in den Qua­li­fi­ka­ti­ons­spielen den grie­chi­schen Erst­li­gisten. Über­ra­schend, gar eine Bla­mage. Es sollte doch alles besser werden, sie wollten Tri­polis nicht auf die leichte Schulter nehmen, nicht schon wieder vor­zeitig aus­scheiden wie vor drei Jahren als man gegen Gaz Metan Medias im Elf­me­ter­schießen schei­terte. Es wurde nicht besser: Diesmal ret­tete sich die Mann­schaft nicht einmal auf den Elf­me­ter­punkt, diesmal verlor sie ebenso unin­spi­riert wie ver­dient mit 1:3.

In 90 Minuten auf der Pelo­ponnes hat sich Mainz um den Lohn einer ganzen Saison gebracht. Was ist ein siebter Platz noch wert, wenn man die Beloh­nung so leicht­fertig ver­dad­delt? 34 Spiele schuf­teten die Mainzer, hielten stür­mende Augs­burger auf Abstand und hatten im ent­schei­denden Spiel gegen den HSV ihre Nerven im Griff. Doch nach dem frühen Aus­scheiden schwebt über dem Sommer 2014 die Über­schrift Alles umsonst“. So wie vor einem Jahr in Stutt­gart nach der Nie­der­lage gegen Rijeka. So wie vor acht Jahren in Berlin nach der Nie­der­lage gegen Odense. So wie vor neun Jahren in Lever­kusen nach der Nie­der­lage gegen Sofia.

Es wird nichts mit dem Strand­ur­laub, mit dem Surfen, mit den Spa­ghetti. Mainzer Fans legen ihre Rei­se­pässe zurück in den Schrank und gehen an den Don­ners­tagen lieber ins Kino. Schon vor der Saison ist der Traum von Europa vorbei.

Wie bitter.