Hier steht ein Absatz über Pierre-Michel Lasogga und Cris­tiano Ronaldo. Nicht dass es zwin­gend nötig wäre, die beiden mit­ein­ander in Ver­bin­dung zu bringen, aber etwas über­zo­gener Pathos macht sich in jeder Abschieds­rede gut. Denn genau genommen ist Lasogga für Ham­burg das, was Ronaldo in Madrid ist: eine Lebens­ver­si­che­rung.

Kein gefei­erter Held

Immer wenn der Ham­burger SV vor dem Abgrund stand, musste Pierre-Michel Lasogga zur Hilfe eilen. Viel­leicht trug er des­halb vor einem Jahr das T‑Shirt mit seinem Kon­terfei als Superman ver­kleidet unter dem Trikot, das er lüf­tete nachdem er gerade einen Elf­meter gegen Borussia Dort­mund geschossen hatte. Lasogga war der uner­kannte Superman für den HSV. Doch kei­nes­falls ein gefei­erter Held, son­dern einer, der belä­chelt und schlimms­ten­falls ver­spottet wurde.

Sein wich­tigstes Tor, natür­lich, im Rele­ga­ti­ons­fi­nale gegen Greu­ther Fürth. Oliver Kreuzer, der neue Manager beim Ham­burger SV, hatte ihn 2013 zu Sai­son­be­ginn von Hertha BSC, wo er nur ein ein­ziges Sai­sontor geschossen hatte, weg­ge­lotst. Jetzt ging er für die Ham­burger auf Tore­jagd. Stand mit ihnen in der Rele­ga­tion und dort gold­richtig. Im Rück­spiel, einem 1:1, schoss er das ein­zige Tor für Ham­burg. Besser: er hielt seinen Schädel hin. Wenn man in der Liga bleibt, wenn man das Tor macht, dann ist mir alles scheiß­egal“, sagte Lasogga. Das war Minuten nach dem Abpfiff, als er jubelnd vor der Für­ther Aus­wech­sel­bank abge­dreht war. Sturm-Prolet Lasogga rettet HSV und pöbelt gegen Fürth“, fasste der Focus am nächste Tag zusammen.

Sturm­prolet. Manchmal ist alles scheiß­egal. Ist das die Quint­essenz?

Es war in Fürth nicht das letzte Mal, dass Pierre-Michel Lasogga den Ham­burger SV vor dem Abstieg ret­tete. In den letzten vier Jahren schoss er 26 Bun­des­liga-Tore für den HSV. Zehn mehr als jeder andere Spieler. 2016 schnürte Lasogga einen Dop­pel­pack gegen Bremen und ret­tete Ham­burg vor­zeitig. Er sollte über ein Jahr auf sein nächstes Bun­des­li­gator warten müssen.

Vor­letzter Spieltag gegen Schalke

Denn der Superman war längst in Ver­ges­sen­heit geraten. Dass Lasogga seinen Schädel hin­hält, war für den neuen Trainer Markus Gisdol keine Option mehr. Er, der den modernen, schnellen Fuß­ball nach Ham­burg bringen wollte, setzte in der ver­gan­genen Saison auf Aaron Hunt oder Nicolai Müller. Auf einen beweg­li­chen Stürmer wie Michael Gre­go­ritsch.

Lasoggas Ein­satz­sta­tistik seit der Win­ter­pause: Eine Minute gegen Glad­bach, eine Minute gegen Frank­furt, sechs gegen Dort­mund, fünf gegen Köln, 27 Minuten im Derby gegen Bremen, eine Halb­zeit gegen Augs­burg. Und fünf Minuten am vor­letzten Spieltag auf Schalke.

Der HSV stand mit dem Rücken zur Wand. 0:1 am 33. Spieltag. Wenn jetzt kein Tor gelänge, wäre die dritte Rele­ga­ti­ons­teil­nahme in vier Jahren per­fekt. Also brachte Gisdol aus­ge­rechnet Lasogga. Und der, der stand, mal wieder, gold­richtig. Drosch den Ball aus sieben Metern drauf. Häss­lich wie der Abstiegs­kampf und wun­der­schön zugleich.