Natür­lich hatte Thomas Müller mit dieser Frage gerechnet, weil diese Frage nach diesem Spiel nun einmal jedem Akteur gestellt wurde, der daran teil­ge­nommen hatte. Den­noch verzog Müller das Gesicht und es hatte für den Bruch­teil einer Sekunde den Anschein, als würde er wütend werden und etwas Gemeines sagen. Doch frei­lich hatte sich Müller schnell wieder im Griff, setzte einen gelang­weilten Gesicht­aus­druck auf und gab wie all seine Kol­legen vom FC Bayern eine Stan­dard­ant­wort.



Die Fragen nach dem über­zeu­genden 4:0 gegen hoff­nungslos über­for­derte Hof­fen­heimer drehten sich um die Wich­tig­keit von Arjen Robben für den FC Bayern – und alle Münchner Akteure ant­wor­teten mit mono­toner Stimme, dass der Hol­länder ein krea­tiver Fuß­baller sei, der den Unter­schied in einem Spiel machen könne und des­halb von immenser Bedeu­tung für die Mann­schaft sei.

Natür­lich war Robben der prä­gende Akteur dieser Partie. Er berei­tete den Treffer von Mario Gomez vor, er spielte danach einige Pässe, bei denen die Zuschauer das Raunen unter­bre­chen mussten, um mit der Zunge zu schnalzen. Er schoss zwei Tore, bei denen die Besu­cher im Sta­dion lange dis­ku­tieren konnten, wel­ches denn nun ansehn­li­cher gewesen sei: der Solo­lauf vor dem 3:0 oder doch der Schlenzer ins Kreuzeck ein paar Minuten später.

Lob­lieder auf Arjen Robben

Das Publikum hul­digte ihm – und es war bezeich­nend, auf welche Art sich Robben bei Franck Ribéry für dessen Pass vor dem 4:0 bedankte. Es war kein Abklat­schen, son­dern viel­mehr eine Geste, die ein Mensch ver­wendet, wenn er seinen Hund dafür loben möchte, dass er das Stöck­chen gebracht hat. Und natür­lich mussten nach dem Spiel auch die Mit­spieler Lob­lieder anstimmen auf den Hol­länder.

Philipp Lahm war da der ein­zige, der nicht so recht ein­stimmen wollte in die Hel­den­ver­eh­rung Rob­bens. Aus seinem Umfeld war unter der Woche zu hören, dass der Kapitän nicht nur besorgt sei über das Auf­treten der Mann­schaft in den ver­gan­genen Wochen, son­dern stink­sauer. Es war wichtig, dass die Mann­schaft 90 Minuten lang kon­zen­triert gespielt hat“, sagte Lahm nach dem Spiel. Dass Spieler wie Robben und Ribéry nach vorne gut spielen können, das wissen wir – aber sie müssen auch nach hinten arbeiten. Das haben sie heute getan.“

Es war ein Hin­weis an Robben, auch defensiv tätig zu werden – es war aber auch ein Hin­weis an Louis van Gaal, dafür zu sorgen, dass Spieler wie Robben und Ribéry defensiv tätig werden. Van Gaal gilt gemeinhin als Trainer, den für das Ver­tei­digen so viel Inter­esse auf­bringt wie Uli Hoeneß für die Teil­nahme an der Europa League. Der seine Innen­ver­tei­diger nach der Genau­ig­keit ihrer Pässe beim Auf­bau­spiel bewertet und nicht nach ihrer Qua­lität beim Ver­tei­digen. Dem die Schön­heit der Spiel­züge mit­unter wich­tiger erscheint als das Resultat am Ende des Spiels.

Viele Gespräche – nur mit wem?

Wir haben unter der Woche viele Gespräche geführt“, sagte Lahm nach dem Spiel. Er wollte nicht ver­raten, wer da genau mit wem gespro­chen hat und worum es ging – aber es tut sich der Ver­dacht auf, dass einige ver­ant­wort­liche Spieler das Gespräch mit dem Trainer gesucht haben, um ihm mit­zu­teilen, dass es viel­leicht ratsam wäre, nach einer 2:0‑Führung den Ball nicht durch Pres­sing zu erobern, son­dern durch geschicktes Staf­fel­spiel. Dass der Gegner nicht immer mürbe gespielt werden müsse, son­dern dass es auch in Ord­nung sei, defensiv sicher zu stehen und dann schnell zu kon­tern.

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Dem FC Bayern half natür­lich, dass durch die Rück­kehr von Ribéry und Robben viele Spieler wieder auf den Posi­tionen agieren durften, die sie bevor­zugen. Schwein­s­teiger durfte zurück ins defen­sive Mit­tel­feld, Thomas Müller in der Offen­sive her­um­wir­beln und das Duo Robben und Ribéry an den Sei­ten­li­nien her­um­tollen. Nur Ana­tolij Timoscht­schuk musste auf einer unge­liebten Posi­tion spielen – doch hat er sich mitt­ler­weile derart daran gewöhnt, dass er wie Holger Bad­stuber keine Pro­bleme hatte mit den wenigen und meist schreck­lich ein­falls­losen Angriffen der Hof­fen­heimer.
Frei­lich liefen an diesem Nach­mittag viele Dinge per­fekt für den FC Bayern. Der Füh­rungs­treffer durch Gomez fiel nach 90 Sekunden, das zweite Tor nur 13 Minuten später. Schwein­s­teiger hätte kurz darauf das 3:0 erzielen können, doch konnte Hof­fen­heims Tor­hüter Tom Starke den Ball mit einem feinen Reflex abwehren. Danach umarmte er Schwein­s­teiger. Ich habe mich bei ihm bedankt, dass ich auch mal einen Ball halten durfte“, sagte Starke nach dem Spiel. Seine Kol­legen wollten nach dieser Bla­mage gar nichts sagen und ver­schwanden wortlos im Mann­schaftsbus.

Gebt Robben den Ball, er machts wie Jordan

Weil die Münchner im Gegen­satz zum ver­gan­genen Samstag auch nach der Pause keine Kurz­krise erlebten, durfte nach 60 Minuten die Show des Arjen Robben beginnen, die ein wenig an die Zeit des Bas­ket­bal­lers Michael Jordan erin­nerte, als das Motto der Chi­cago Bulls in vielen Situa­tionen lau­tete: Gebt Jordan den Ball und geht aus dem Weg!

Wenn Robben den Ball bekam, ging ein Raunen durch die Arena, das den Hol­länder zu einem wei­teren seiner Solo­läufe ansta­chelte, bei denen er nur dann abspielte, wenn ihm keine andere Mög­lich­keit blieb. Das Pro­blem dabei: Als sich seine Kol­legen gerade beschweren wollten, er möge sie doch mal wieder in sein Spiel ein­be­ziehen, da schoss Robben ein Tor. Und noch eins. Also durften sich die Mit­spieler nach dem Spiel nicht über den Ego­ismus beschweren, son­dern mussten die Krea­ti­vität des Hol­län­ders loben.

Es war ein gelun­gener Nach­mittag für den FC Bayern und ein schöner Auf­takt der schwie­rigen Wochen, die nun folgen. Die Münchner müssen in der Bun­des­liga antreten gegen Mainz 05 und Borussia Dort­mund, im DFB-Pokal wartet Schalke 04 und in der Cham­pions League kommt es nun zum Duell mit Inter Mai­land. Es hilft nichts, wenn wir heute gewinnen und die nächsten Spiele wieder ver­lieren“, sagte Philipp Lahm.

Arjen Robben indes gab sich auf­fällig zurück­hal­tend. Wir wollten zeigen, dass wir eine Super-Mann­schaft sind“, sagte der Hol­länder. Er musste sich nicht selbst loben – das über­nahmen ja die Kol­legen.


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