Wieder einmal hat es Irans Prä­si­dent Ahma­di­ned­schad ganz nach oben in die Nega­tiv­schlag­zeilen geschafft. Irgendwie scheint er sich dort wohl zu fühlen. Ver­gan­gene Woche reiste er nach Abu Musa. Das klingt zuerst recht harmlos. Abu Musa ist eine 12 Qua­drat­ki­lo­meter große Insel zwi­schen dem Iran und den Ver­ei­nigten Ara­bi­schen Emi­raten. Sie liegt stra­te­gisch in der Nähe der Straße von Hormus, der Ölader der west­li­chen Welt. Der Iran und die USA messen gerade ihre Kräfte in dieser fra­gilen Region. Ein Besuch des ira­ni­schen Prä­si­denten erregt da Auf­sehen. Denn das Eiland, das seit 1971 von Teheran kon­trol­liert wird, wird eben­falls von den Ver­ei­nigten Ara­bi­schen Emi­raten bean­sprucht. Wem die Insel gehört, ist bis heute nicht geklärt, eine Lösung des Kon­flikts ist nicht in Sicht.

Nun reiste Irans Prä­si­dent auf die kleine Insel und schlug laute, natio­na­lis­ti­sche Töne an. Der Per­si­sche Golf gehört zu Per­sien und ist eine innere Ange­le­gen­heit“, betonte Ahma­di­ned­schad. Die ara­bi­schen Golf­mon­ar­chien sind ohnehin extrem besorgt vor dem Hege­mo­ni­al­an­spruch des Regimes von Teheran. Der Besuch und die Wort­wahl Ahma­di­ned­schad sind daher keine ver­trau­ens­bil­dende Maß­nahmen. Ent­spre­chend pikiert sind die Herr­scher vom Golf. Aber wie soll man auf diese Pro­vo­ka­tion regieren? Die Scheichs zeigen sich inno­vativ und lassen den Fuß­ball spre­chen.

Ein Freund­schafts­spiel sollte zwi­schen Freunden statt­finden“

Die United Arab Emi­rates Foot­ball Asso­cia­tion sagte umge­hend das Freund­schafts­spiel zwi­schen den beiden Staaten ab. Das Spiel war für heute ange­setzt. Was hat eine Insel mit Fuß­ball zu tun, kann man sich hier fragen. Eine ganze Menge, würde hier wohl Yousself Abu­dullah ant­worten. Der Gene­ral­se­kretär der Foot­ball Asso­cia­tion sagte am ver­gan­genen Wochen­ende: Ein Freund­schafts­spiel sollte zwi­schen Freunden statt­finden. Wie sollen wir nun ein sol­ches Spiel nach dem Besuch bestreiten?“ Es sind klare Worte, die Abu­dullah wählt. Im Klar­text heißt es so viel wie: Wir sind keine Freunde mehr, nun sind wir Feinde.

Somit ist der zweite Schritt wohl nur eine logi­sche Schluss­fol­ge­rung: die Emi­rate zogen ihren Bot­schafter in Teheran zurück. Außen­mi­nister Scheich Abdullah bin Zayed al-Nahyan bezeich­nete dies eine Ver­let­zung der Sou­ve­rä­nität“ und beklagte, dass der Iran die bei­der­sei­tigen Bemü­hungen zur Ver­bes­se­rung des bila­te­ralen Ver­hält­nisses zunichte mache. Anstelle des Fuß­ball­spiels, treffen sich nun die GCC-Staaten an diesem Dienstag um den umstrit­tenen Besuch auf der Insel Abu Musa zu bespre­chen.

Aber der Iran wäre nicht der Iran, wenn er nicht gegen die Absage des Spiels ordent­lich wet­tern würde. Eine Beschwerde wollen sie bei der FIFA ein­rei­chen, melden offi­zi­elle Stimmen des ira­ni­schen Fuß­ball­s­ver­bandes. Schon 2010 sagte Nigeria ein Freund­schafts­spiel gegen den Iran aus poli­tisch moti­vierten Gründen ab. Die Mann­schaft reiste nicht zum Gast­spiel in Teheran an. Damals ver­wehrte sich die FIFA der poli­ti­schen Inter­ven­tion in ein Freund­schafts­spiel. Nigeria musste für die Vor­be­rei­tungs­kosten des Iran auf­kommen und 300.000 US-Dollar an den ira­ni­schen Fuß­ball­ver­band zahlen.

Wie poli­tisch darf Fuß­ball sein?

Gut, dass das Spiel zwi­schen dem Iran und den VAE in Dubai statt­finden sollte. Kom­pen­sa­ti­ons­zah­lungen kann der Iran diesmal kaum gel­tend machen. Es bleibt am Ende höchs­tens die Frage: wie poli­tisch darf Fuß­ball sein? Wer bestimmt, wer Freund oder Feind ist? Im Falle der VAE ist man sich auf jeden Fall einig: Nachdem die Fuß­ball-Föde­ra­tion das Spiel absagte, zog das Emirat den Bot­schafter zurück. So wird Politik gemacht. Aber wäre es nicht sinn­voller gewesen, die Riva­lität auf dem Platz aus­zu­tragen? Dafür fehlte es den VAE aber wohl am Mut.

Sie finden sich gerade einmal auf Platz 121 der Welt­rang­liste wieder, hätten sogar auf ihre sechs wich­tigsten Spieler ver­zichten müssen. Der Iran, in der Welt­rang­liste auf Platz 51, muss sich hier nicht ver­ste­cken: vier von sieben Spielen hat es gegen die VAE in der Ver­gan­gen­heit gewonnen. Iro­ni­scher­weise gewannen die VAE erst ein Spiel gegen den neu erklärten Feind: zu Hause 1997, 3:1 in einem Freund­schafts­spiel.