Der bri­ti­sche Natural Envi­ron­ment Rese­arch Council“ lud im Früh­jahr 2016 dazu ein, Namens­vor­schläge für ein polares For­schungs­schiff ein­zu­rei­chen und dar­über abzu­stimmen. Lange vor Teil­nah­me­schluss zeich­nete sich Boaty McBoat­face“ als klarer Favorit der Inter­net­ge­meinde ab, mit großem Vor­sprung vor Poppy-Mai“, dem Namen eines krebs­kranken Mäd­chens. Es hätte eine War­nung sein sollen.

Lazio Rom hielt es näm­lich für eine schöne Idee, die Fans per Twitter-Votum den Spieler der Saison wählen zu lassen. Als heiße Titel­an­wärter galten im Vor­feld der Abstim­mung Top­tor­schütze Ciro Immo­bile, der wett­be­werbs­über­grei­fend 41 Treffer erzielt hat, und Mit­tel­feld­bulle Sergej Milin­kovic-Savic. Immerhin soll der Serbe im Sommer für einen drei­stel­ligen Mil­lio­nen­be­trag auf die Insel wech­seln.

And the winner is.. Lucas Leiva?!“

Ent­spre­chend ungläubig wird der Social-Media-Manager der Laziali“ den Namen gelesen haben, der über 70 Pro­zent der knapp 30.000 abge­ge­benen Stimmen ein­ge­heimst hatte: Lucas Leiva. Nun hat der Bra­si­lianer alles andere als eine schlechte Saison gespielt. Und viel­leicht erfreut sich Lazio auch einer beson­ders tak­ti­kaf­finen Fan­szene, die den Wert eines guten Sech­sers zu schätzen weiß.

Wahr­schein­li­cher ist jedoch, dass Leivas Wahl zum Spieler des Jahres ein Geschenk aus der Ver­gan­gen­heit ist. Wenn die Liver­pool-Fans von der Abstim­mung Wind kriegen, steht der Gewinner sowieso schon fest“, wurde auf Twitter bereits unmit­telbar nach dem Wahl­aufruf gemut­maßt.

Zehn Jahre Anfield Road

Zehn Jahre spielte der bra­si­lia­ni­sche Blond­schopf an der Anfield Road und ackerte sich dabei mit Beschei­den­heit und Arbeits­eifer in die Herzen von Fans und Mit­spie­lern. Jeder, der zu Liver­pool kommt und nach einem Vor­bild sucht, braucht nur auf Lucas Leiva zu schauen“, ver­deut­lichte Jordan Hen­derson, aktu­eller Liver­pool-Kapitän, einst den Stel­len­wert des Bra­si­lia­ners.

Aller­dings ist der 31-Jäh­rige nicht der Erste, der durch seine alte Fan­ge­meinde zu zwei­fel­haften Ehren gelangt. Im Mai 2006 gewann Werder Bremen das Nord­derby gegen den HSV mit 2:1 und ver­drängte die Han­seaten damit am letzten Spieltag vom zweiten Tabel­len­platz. So ver­passte das Team von Thomas Doll die direkte Cham­pions-League-Qua­li­fi­ka­tion. Auch weil Ailton, der inzwi­schen für Ham­burg stürmte, zwei Minuten vor dem Bremer Sieg­treffer das leere Tor ver­fehlt hatte.

Mehr Glück als Ailton

Als Zei­chen ihrer Dank­bar­keit“ unter­wan­derten die Werder-Anhänger die – eben­falls online abge­hal­tene – Wahl zum HSV-Spieler des Jahres und kata­pul­tierten Ailton mit Tau­senden von Stimmen auf die Spit­zen­po­si­tion. Sehr zum Miss­fallen der Ham­burger.

Wäh­rend die HSV-Ver­ant­wort­li­chen man­gelndes Demo­kra­tie­ver­ständnis bewiesen und die Wahl für ungültig erklärten, durfte Lazios Spieler der Saison seinen Titel behalten. Artig bedankte der Gewählte sich anschlie­ßend bei allen, die für mich gestimmt haben“. Dass dar­unter wahr­schein­lich mehr Liver­pool-Fans als Lazio-Fans waren, wird Lucas Leiva selbst am besten wissen.