Olym­pique Lyon, OL, das galt zu Beginn dieses Jahr­tau­sends mal als das Maß aller Dinge im fran­zö­si­schen Fuß­ball. Sechsmal in Folge gewann der Klub in den Jahren 2002 bis 2008 die Meis­ter­schaft. Doch die Ansprüche sind gesunken. Mitt­ler­weile hat Paris Saint-Ger­main unter groß­zü­giger finan­zi­eller Hilfe aus Katar den Lyon­nais den Rang abge­laufen. Für OL geht es nur noch darum, PSG viel­leicht mal ein Bein zu stellen oder sich zumin­dest für die Cham­pions League zu qua­li­fi­zieren. 

Doch im Oktober 2019 ist der Verein des illus­tren Prä­si­denten Jean-Michel Aulas, reich geworden durch Geschäfte im IT-Bereich, selbst von diesen Zielen weit ent­fernt. Aktuell steht die Mann­schaft auf Tabel­len­platz 14 – mit nur einem Punkt Vor­sprung auf die Abstiegs­ränge. Und auch die Maß­nahme, die Aulas nun ergriff, um die sport­liche Tal­fahrt zu stoppen, dürfte nicht gerade für Ruhe im Umfeld des Klubs sorgen. 

Denn als neuen Trainer stellte der Klub Anfang des Monats Rudi Garcia vor. Der hatte bis zum Sommer noch den Rivalen Olym­pique Mar­seille trai­niert. Den­noch gilt er als logi­sche Wahl, weil er Fran­zö­sisch spricht und die Liga kennt – dies waren offenbar die beiden Kri­te­rien, die Aulas für den neuen Trainer gefor­dert hatte.

Man­gelnder Respekt

Bei den Fans rief diese Ent­schei­dung keine Begeis­te­rung hervor: Garcia kommt von einem direkten Kon­kur­renten, der 2018 noch im Europa-League-Finale in Lyon stand und in jener Saison mit OL um den Einzug in die Cham­pions League kämpfte. Seine Kar­riere als Fuß­ball­lehrer begann Garcia sogar beim ewigen Rivalen aus Saint-Éti­enne. Und auch Aulas hat so seine eigene Geschichte mit Garcia: In der Ver­gan­gen­heit schimpfte er bei Twitter über den dama­ligen Trainer von Mar­seille. Garcia sei­ner­seits hatte sich über Schieds­rich­ter­ent­schei­dungen pro Lyon echauf­fiert, was Aulas mit ein paar bis­sigen Tweets über den man­gelnden Respekt“ des Trai­ners gegen­über den Unpar­tei­ischen quit­tierte.

Einige Monate später scheint das ver­geben und ver­gessen: Lyon hat einen neuen Trainer, Garcia und Aulas werden sich anfreunden müssen. Es ist besser, Jean-Michel Aulas mit sich anstatt gegen sich zu haben“, befand Garcia auf der Pres­se­kon­fe­renz zu seiner Vor­stel­lung. Sein Prä­si­dent erklärte gegen­über dem Sender RMC: Wir wollten einen Kämpfer, der schnell Spiele gewinnt.“ Und die alte Fehde zwi­schen den beiden? Wir haben dar­über gelacht“, schil­dert der Prä­si­dent und ergänzt: Ich denke, dass ein Trainer in der Lage sein sollte, eine Fehde mit einem erfah­renen Prä­si­denten eines anderen Teams aus­zu­tragen. Das heißt nur, dass er seine Insti­tu­tion und seinen Klub ver­tei­digt. Das heißt, dass er nicht zögert, durchs Feuer zu gehen – und solche Leute brau­chen wir bei Olym­pique Lyon.“