Die erfreu­lichsten Bilder lie­ferte zu Beginn des Trai­nings­la­gers Manuel Neuer. Der deut­sche Sieg­fried, National‑, Welt- und Welt­meis­ter­tor­hüter, der ein halbes Jahr an Krü­cken ging, hech­tete unter der Sonne Süd­ti­rols wie zu seinen besten Zeiten. Wohin Bun­des­tor­wart­trainer Andreas Köpke die Bälle auch schoss, der 31-Jäh­rige pflückte sie alle, ob unten links oder rechts oben nahe dem Winkel. Neuer sprang ab und flog und hielt.

Und dieser Kerl soll nach seinem dritten Fuß­bruch ein Drei­vier­tel­jahr kein Spiel bestritten haben? Viel­leicht kam Joa­chim Löw auch des­halb in seiner ersten öffent­li­chen Ansprache zum Vor­be­rei­tungs­auf­takt zu der in drei Wochen begin­nenden Welt­meis­ter­schaft (14. Juni bis 15. Juli) auf seinen Mann­schafts­ka­pitän zu spre­chen. Er kann alle Belas­tungen tole­rieren, sogar Sprünge“, sagte der Bun­des­trainer. Wenn alles gut gehe in den kom­menden zwei Wochen, werde Neuer in Russ­land dabei sein können bei der Mis­sion Titel­ver­tei­di­gung. Wenn nicht, dann müssen wir ernst­haft spre­chen.“

Regie­rungs­er­klä­rung 

Der 58 Jahre alte Bun­des­trainer ver­zich­tete in seiner so genannten Regie­rungs­er­klä­rung auf einen flam­menden Appell, wie er es vor den ver­gan­genen Tur­nieren eigent­lich immer tat. Wir müssen keinen Hunger ent­fa­chen, die Gier und der Ehr­geiz sind unge­bro­chen“, sagte Löw. Viel­leicht würden wäh­rend des Tur­niers solche Momente mal kommen, wo man etwas tun muss“.

Knapp vier Jahre nach dem WM-Sieg in Bra­si­lien hat die deut­sche Mann­schaft zur Tur­nier­vor­be­rei­tung erneut Quar­tier in Süd­tirol bezogen, dieses Mal aber nicht im Pas­sei­ertal im Meraner Land, son­dern wieder in der Gemeinde Eppan süd­lich von Bozen. Hier hatte Löw seinen Trupp bereits für die WM 2010 prä­pa­riert und ein­ge­schworen, was in Platz drei mün­dete. Ältere Semester werden sich noch an 1990 erin­nern, als sich Klins­mann, Brehme und Co. unter Team­chef Franz Becken­bauer ganz in der Nähe, am Kal­terer See, die Kraft für den damals dritten WM-Titel in Rom holten.

Letzter: Toni Kroos

Bis zum Wochen­ende will der Bun­des­trainer die 27 Spieler seines vor­läu­figen WM-Kaders phy­sisch auf ein Niveau gebracht haben. Bis Don­nerstag waren nur 19 Spieler anwe­send, dar­unter in Bernd Leno und Kevin Trapp zwei Stell­ver­treter Neuers. Am Freitag werden dann, bis auf Toni Kroos, die rest­li­chen Spieler erwartet, ins­be­son­dere die des FC Bayern um Thomas Müller, Mats Hum­mels und Joshua Kim­mich, die wegen des Pokal­fi­nals am ver­gan­genen Wochen­ende noch zwei zusätz­liche Tage Pause erhielten. Das Gleiche gilt auch für Antonio Rüdiger und Neuers ersten Stell­ver­treter und Confed-Cup-Sieger Marc-André ter Stegen, die mit dem FC Chelsea und dem FC Bar­ce­lona eben­falls bis zuletzt im Ein­satz waren. Als Letzter wird dann Toni Kroos anrü­cken, der am Samstag mit Real Madrid zum dritten Male in Serie ein Cham­pions-League-Finale gewinnen kann.