Seite 2: Eines hat Löw (noch immer) nicht verstanden

Eine Binse, natür­lich. Aber Worte ersetzen nunmal keine Taten. Schon gar nicht im Fuß­ball. Löw muss beweisen, dass er in der Arbeit mit der Mann­schaft wieder dorthin gelangt, wo er schon einmal war – in die Welt­spitze. Ob ihm das tat­säch­lich gelingt, ist eine span­nende Frage. Deren Ant­wort aller­dings ganz sicher nicht aus dieser Pres­se­kon­fe­renz her­aus­zu­lesen war.

Sehr wohl her­aus­zu­lesen war aller­dings, dass auch Löw eine Sache nach wie vor nicht ver­standen hat: die Ras­sismus-Vor­würfe gegen den DFB. Löw sagte in Rich­tung Mesut Özil: Mit seinem Vor­wurf über Ras­sismus hat Mesut ganz ein­fach auch über­zogen. Es gab nie in der Mann­schaft auch nur einen Ansatz von Ras­sismus, keinen Ansatz von ras­sis­ti­schen Äuße­rungen.“

Geschenkt und nicht ver­standen

Das Miss­ver­ständnis, dem Löw auf­sitzt, dem leider noch zu viele auf­sitzen, liegt im Glauben begründet, Ras­sismus spie­gele sich in ver­baler oder tat­säch­li­cher Gewalt wieder. Und nicht auch schon in dem Umstand, dass Spieler nur auf­grund ihrer Her­kunft oder Bio­gra­phie anders behan­delt werden, so wie es bei Mesut Özil unwi­der­legbar der Fall war und immer noch ist.

Dass Oliver Bier­hoff im Anschluss noch Pläne über die Nach­wuchs-Aka­demie, Mar­ke­ting-Maß­nahmen und Fan-Nähe vom Stapel ließ, die in der Gesamt­heit den Ein­druck eines vor allem hoch­gradig belei­digten Natio­nal­mann­schafts-Manager erweckten? Geschenkt. Man sollte der sport­li­chen Füh­rung um Löw und Bier­hoff genau das ein­ge­stehen, wozu sich die über­ge­ord­neten Gre­mien des Ver­bandes ent­schlossen haben: eine Chance auf Kor­rektur.

Und bis diese dann – irgend­wann – Wir­kung zeigt, immer wieder über­prüfen, ob der Ras­sismus-Vor­wurf inzwi­schen ver­standen wurde. Wäre doch schön, wenn auch diese Soap-Opera ein Happy-End erfährt.