Nando, was ver­schlug Sie Ende der acht­ziger Jahre in das kalte Deutsch­land?
Ich nahm im Sommer 1989 mit meinem Klub Fla­mengo an der Seite des großen Zico am Hafen-Tur­nier“ teil, das anläss­lich des 800. Geburts­tags des Ham­burger Hafens orga­ni­siert wurde. Als Spe­cial-Guest“ spielten wir gegen den HSV und St. Pauli. Mir gelang in beiden Par­tien jeweils ein Treffer. Ein Unter­nehmer warf ein Auge auf mich und suchte den Kon­takt zu Fla­mengo in Rio de Janeiro. Ein halbes Jahr später, wäh­rend der Win­ter­pause 1989/1990, ging der Wechsel dann über die Bühne.

Wurde mit dem Wechsel ein Traum wahr?
Ende der 1980er ging es der bra­si­lia­ni­schen Wirt­schaft sehr schlecht. Jeder Fuß­baller träumte davon, mehr Geld im Aus­land – ins­be­son­dere in Europa – zu ver­dienen und seine Kar­riere dort vor­an­zu­treiben. Natür­lich reizte mich dieses Angebot des HSV unge­mein. Ich zögerte keine Sekunde.

Von der Copa­ca­bana an die ver­eiste Elbe: Ein Kul­tur­schock?
Mit der Kälte kam ich schon klar, das war nicht das Pro­blem. Die größte Schwie­rig­keit stellte die Sprache dar. Ich ver­stand nur Bahnhof bei meiner Ankunft.

Also eher ein Außen­seiter im Team?
Natür­lich ist die dama­lige Situa­tion nicht mit den heu­tigen Ver­hält­nissen zu ver­glei­chen. Die Scou­ting-Tätig­keiten und die Inte­gra­tion der aus­län­di­schen Spieler in den Klubs ver­bes­sern sich von Jahr zu Jahr. Ich war 1990 erst der zweite Bra­si­lianer, der jemals für den HSV gespielt hat. Aber ein Dol­met­scher beglei­tete mich sechs Monate lang, ich lernte in Ham­burg lebende Bra­si­lianer kennen. Diese Umstände halfen unge­mein. Und außerdem unter­stützte mich die Mann­schaft um Kapitän Didi Bei­ers­dorfer phä­no­menal: In der Not ver­stän­digten wir uns auf dem Platz oder wäh­rend des Trai­nings mit Händen und Füßen.

Non­ver­bale Kom­mu­ni­ka­tion führte zum Erfolg?
Scheinbar. Mein erstes Spiel in der Startelf des HSV am 22. Spieltag der Saison 1989/1990 war unbe­schreib­lich: Die Fans emp­fingen mich im Volks­park­sta­dion so herz­lich, dass ich mich direkt wie zu Hause fühlte. Wir schlugen Bayer Lever­kusen mit 6:0, mir gelang ein Dop­pel­pack. Ich hatte mir einen guten Start gewünscht, aber auf Anhieb zwei Tore. Wahn­sinn.

Danach lief es nicht mehr so gut für Sie.
Die Erwar­tungen waren nach diesem Pau­ken­schlag natür­lich riesig, und in der Rück­runde hatte ich große Pro­bleme. Aber nach einer inten­siven Vor­be­rei­tung unter Trainer Gerd-Volker Schock kamen wir in der Saison 1990/1991 immer besser in Schwung. Thomas Doll, ein Wahn­sinns-Fuß­baller, zog im Mit­tel­feld die Fäden und füt­terte Jan Furtok und mich mit seinen Traum­pässen. Ich wühlte mich durch den Straf­raum und Jan lau­erte auf die Zuspiele. Zusammen machten wir 31 Treffer und schossen den HSV in den UEFA-Cup.

Der HSV konnte sein magi­sches Dreieck“ aber nicht zusam­men­halten.
Leider. Die Mann­schaft fiel aus­ein­ander. Thomas Doll zog es zu Lazio Rom nach Ita­lien und HSV-Urge­stein Manni Kaltz been­dete seine Kar­riere. Diese Abgänge konnten wir nicht kom­pen­sieren und lan­deten am Ende der Saison 1991/1992 auf einem ent­täu­schenden 12.Platz.

War der Miss­erfolg aus­schlag­ge­bend für ihren Abgang 1992?
Ich hatte vom HSV ein Angebot über ein Jahr vor­liegen, ein tür­ki­scher Verein zeigte Inter­esse, aber mich zog es zurück in die Heimat und zu meiner Familie. Aus heu­tiger Sicht ein Fehler, aber als junger Mensch denkt man mit dem Herzen und nicht mit dem Ver­stand.

Zum Abschluss eine Frage, die vielen HSV-Fans auf den Nägeln brennt. Was fällt Ihnen beim Stich­wort 100.000 Dollar ein?
(lacht) Diese Geschichte mit den ver­schim­melten Hun­dert­tau­send wird mich wohl immer ver­folgen. Mir wurde nach­ge­sagt, ich hätte aus Angst vor der Steu­er­be­hörde 100 000 Dollar in meine Haus­wand in Ham­burg ein­ge­mauert. Und das Geld sei dort ver­schim­melt. Diese Story werde ich wohl mit in mein Grab nehmen. Leider muss ich Sie aber ent­täu­schen: Sie ist erstunken und erlogen. Mit meinem Geld weiß ich bes­seres anzu­fangen.