11FREUNDE WIRD 20!

Kommt mit uns auf eine wilde Fahrt durch 20 Jahre Fuß­ball­kultur: Am 23. März ist DAS GROSSE 11FREUNDE BUCH“ mit den besten Geschichten, den ein­drucks­vollsten Bil­dern und skur­rilsten Anek­doten aus zwei Jahr­zehnten 11FREUNDE erschienen. In unserem Jubi­lä­ums­band erwarten euch eine opu­lente Werk­schau mit unzäh­ligen unver­öf­fent­lichten Fotos, humor­vollen Essays, Inter­views und Back­s­­tages-Sto­­­ries aus der Redak­tion. Beson­deres Leckerli für unsere Dau­er­kar­ten­in­haber: Wenn ihr das Buch bei uns im 11FREUNDE SHOP bestellt, gibt’s ein 11FREUNDE Notiz­buch oben­drauf. Hier könnt ihr das Buch be­stellen.

Außerdem prä­sen­tieren wir euch an dieser Stelle wei­tere spek­ta­ku­läre Repor­tagen, Inter­views und Bil­der­se­rien. Heute: Wie ein glü­hender Glad­bach-Fan in der DDR zum Staats­feind wurde.

11 Freunde Das große 11 Freunde Buch Kopie

Was ist Frei­heit? Und wie defi­niert man sie? Und was soll Wolf­gang Groß­mann jetzt bloß auf diese Frage ant­worten? 

Groß­mann, 59 Jahre alt, nenn mich Wolle“, sitzt in seinem Wohn­zimmer und denkt nach. Hinter ihm, auf Regalen an der Wand, sind India­ner­de­vo­tio­na­lien dra­piert. Feder­schmuck, Ketten, viel Leder, alles selbst ange­fer­tigt, nicht nur bil­liger Kitsch. Man stellt sich Wolle in kom­pletter Montur vor, wie er, Pfeife rau­chend, Federn auf seinem kurzen grauen Haar, am Lager­feuer sitzt und im breiten Säch­sisch von Frei­heit erzählt. Von seiner zweiten großen Lei­den­schaft, den India­nern, vom Wilden Westen.

Statt­dessen ent­zündet Wolle noch eine stink­nor­male Fil­ter­zi­ga­rette, zieht das schwarze T‑Shirt mit dem Borussia“-Aufdruck glatt und nes­telt an seiner sil­bernen Kette. Draußen rauscht der Ver­kehr vorbei, die Woh­nung befindet sich in einem Indus­trie­ge­biet in Mön­chen­glad­bach. Einen bes­seren Ort kann es für diese Geschichte nicht geben. Dann erzählt er tat­säch­lich von Frei­heit und Liebe. Von seiner ersten großen Lei­den­schaft. Und vom Wilden Osten.

Der Wunsch nach Frei­heit

1958, ein Jahr nach Wolles Geburt, zieht Familie Groß­mann von Mön­chen­glad­bach ins Dres­dener Umland, die Heimat seines Vaters. Die Bedin­gungen, sich dort ein eigenes Haus zu bauen, sind besser. Die DDR-Behörden ver­spre­chen Groß­manns Mutter, den Staat jeder­zeit ver­lassen zu können, um Freunde und Ver­wandte im Westen zu besu­chen. Die Zusage ent­puppt sich als infarme Lüge.

Selbst als 1973 ihr Bruder stirbt, darf sie nicht in das Land, das doch eigent­lich ihre Heimat ist. Meine Mutter“, sagt Groß­mann, ist daran kaputt­ge­gangen. Ihr Hass auf die Kom­mu­nisten hat sich auf mich über­tragen.“ Und mit dem Hass der Wunsch nach Frei­heit. Frei­heit hat für den jungen Wolf­gang einen Namen: Borussia Mön­chen­glad­bach.

Sehn­suchtsort Glad­bach

Die Mann­schaft aus der Stadt seiner Mutter spielt nicht nur auf­re­genden Fuß­ball und bringt Ende der Sech­ziger, Anfang der Sieb­ziger irre Typen wie den langmäh­nigen Günter Netzer hervor, sie ist auch Symbol für alles, was Wolle ver­wehrt bleibt. Die Borussia, und mit ihr die junge Bun­des­liga, wird für ihn Sehn­suchtsort und Kata­ly­sator des Frusts zugleich.

Wie kann es sein, dass Mama nicht nach Hause darf? Wie kann es sein, dass es ver­boten ist, meinen Lieb­lings­verein zu mögen? In was für einem kranken Land lebe ich eigent­lich? Immerhin genießt Wolle den Luxus, dass die West­ver­wandt­schaft regel­mäßig zu Besuch kommt und wert­volle Geschenke mit­bringt. Ein Cousin, der bei einem Treffen die selbst gezeich­neten Borussia-Wappen des Dres­dener Fami­li­en­mit­glieds bewun­dert, schenkt ihm zum elften Geburtstag ein Trikot der Foh­lenelf.